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Jahrbuch

Ein Blick ins Schlafzimmer der anderen

Vom multisexuellen Jahrbuch "Mein heimliches Auge" aus dem Konkursbuch Verlag ist jetzt die 40. Ausgabe erschienen.


"Friendship" (Bild: Rinaldo Hopf)
  • 24. Dezember 2025, 07:22h 3 Min.

Eine spezielle Ausgabe: Die Jubiläumsnummer anlässlich der runden 40 ist besonders – und opulenter als andere. Auf 512 farbigen Seiten entfaltet "Mein heimliches Auge 40" ein Panorama heißer, außergewöhnlicher Momente ebenso wie alltäglicher Freuden und Sorgen. Erzählt werden schöne, besonders erregende, missglückte, pannenreiche, komische oder tragische Liebessituationen. Es geht um die Erotik von Körpern und Sprache, um besondere Orgasmen, um deutliche wie zarte, romantische Bilder – in Erzählungen, Gesprächen, Gedichten, Essays, Interviews, Fotografien und Zeichnungen.

Gesamte Bandbreite sexueller Identitäten


"Mein heimliches Auge 40" ist für 20 Euro als Taschenbuch erhältlich

Zentrale Fragen ziehen sich durch das Jahrbuch: Wie leben wir unsere Sexualität? Wie lieben wir? Und was bedeuten Polyamorie, sexpositive Partys, Dating-Apps wie "Tinder" und "Bumble" oder Plattformen wie "OnlyFans" für unser Sexleben? Die Möglichkeiten, einander kennenzulernen, Beziehungen zu beginnen und zu leben – sei es für Sex, sei es für Lebenspartnerschaften -, haben sich vervielfacht. Entsprechend vielfältig sind die Perspektiven auf Sexualität in langjährigen Beziehungen, in kurzen Affären, am Anfang von Nähe und Begehren, beim ersten Verlieben oder beim ersten Sex heute.

Verhandelt wird auch, was als erotisch und schön gilt – in Fantasie und Realität, in der Natur oder in der digitalen Welt. Welche Wünsche und Träume treiben an? Wie prägen gesellschaftliche Normen, Werbung, Filme oder Social Media diese Vorstellungen? Und welche Möglichkeiten gibt es, sich davon zu lösen – oder will man sich überhaupt befreien? Diese Fragen bilden die Grundlage der Jahrbücher und werden mit offener Neugier beantwortet: überraschend, berührend, mitunter schockierend.

Die Beiträge der aktuellen Ausgabe "Mein heimliches Auge 40" (Amazon-Affiliate-Link ) repräsentieren die ganze Bandbreite sexueller Identitäten: hetero, lesbisch, schwul, bi, trans und mehr. Seit 1982 erscheint "Mein heimliches Auge" im Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke in Tübingen. Ursprünglich von Claudia Gehrke und dem Frankfurter Schriftsteller Uve Schmidt initiiert, sollte die Anthologie von Beginn an einen Raum schaffen, in dem weibliche Perspektiven, künstlerische Vielfalt und selbstbestimmte Erotik zusammenfinden.

Erste Ausgabe löste eine Welle der Empörung aus

Uve Schmidt brachte mit seinem bisexuellen Blick "heimliche Schubladen" der Kunst- und Literaturszene ans Licht, während Claudia Gehrke gemeinsam mit Kolleginnen den Fokus auf den weiblichen und lesbischen Blick legte. Das Layout prägte zunächst der Maler Günter H. Seidel; seine grafische Handschrift ist bis heute bestimmend. Nach seinem Tod übernahmen Gehrke und ihr Team die gestalterische Arbeit. Bis zu seinem Tod im Mai 2021 steuerte Uve Schmidt die ironisch-feinsinnigen Vorworte bei, die die Jahrbücher bereicherten.

Seit der dritten Ausgabe von 1988, veröffentlicht auf dem Höhepunkt der PorNo-Debatte, erscheint "Mein heimliches Auge" jährlich und setzt sich konsequent mit queeren, schwulen, lesbischen und trans Themen auseinander – lange bevor der Begriff "queer" breite Verwendung fand. Trotz vieler positiver Reaktionen stieß die Anthologie immer wieder auf Widerstand. Diskussionen und juristische Auseinandersetzungen begleiteten das Projekt, doch zwei Indizierungsverfahren bestätigten seinen Status als Kunst. (dd/pm)

Infos zum Buch

Claudia Gehrke (Hrsg.): Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik 2025/2026. Band 40. 512 Seiten. Konkursbuch Verlag. Tübingen 2025. Taschenbuch: 20,00 € (ISBN 978-3-88769-540-8)

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Galerie:
Mein heimliches Auge 40
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