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TV-Kritik
Als ob sein Liebesverhältnis zu einer trans Frau nicht ins Konzept passte
Jo Schücks "aspekte"-Reportage zum zehnten Todestag von David Bowie führt auch nach Berlin – blendet aber die Beziehung des Musikers zu Romy Haag völlig aus.

Archivbild: Romy Haag im Jahr 2017 bei der Einweihung von David Bowies Wachsfigur im Madame Tussauds Berlin (Bild: IMAGO / POP-EYE)
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28. Dezember 2025, 10:20h 3 Min.
Man möchte es fast Kunst nennen, was da "aspekte" in der Reportage zum 10. Todestag von David Bowie am 10. Januar 2026 auf leider fragwürdige Weise gelingt, denn es ist doch nur schäbige Ignoranz. Und mit Kunst meine ich nichts anderes, als wesentliche Details aus Bowies Leben – und ich nehme an, das geschah durchaus bewusst – virtuos unter den Tisch fallen zu lassen. Okay, die Doku funktioniert überall dort ziemlich gut, wo es um den Musiker Bowie geht, wo wir erfahren, wie seine Musik entstand, wie im Studio gearbeitet wurde und mit wem er zusammenkam, wie er Texte improvisierte usw. Und auch, wer ihn heute alles kopiert und von ihm profitiert. Auch das Teil einer Riesen-Erfolgsstory.
Es ist aber auch eine Reportage, die es im Zusammenhang mit Bowies Berliner Jahren tatsächlich schafft, seine Beziehung zu Romy Haag völlig auszublenden. Dabei spaziert der Moderator Jo Schück mit Thilo Schmied, der Stadtführungen zu Bowie seit Jahren anbietet, ausgerechnet an dem Lokal vorbei, das damals "Anderes Ufer" hieß, wo Bowie zusammen mit Romy und vielen Gästen Anfang 1977 seinen 30. Geburtstag feierte. Ganz abgesehen davon, dass es in der Fugger-/Ecke Welserstraße das "Chez Romy Haag" zwischen 1974 und 1984 gab, wo Bowie aus nachvollziehbaren Gründen gerne aufkreuzte.
Eine stur heteromäßige Perspektive
Dass die "aspekte"-Redaktion ausgerechnet mit diesem Detail aus Bowies Berliner Jahren ein Problem hatte, lässt tief blicken. Als ob sein Liebesverhältnis zu einer trans Frau nicht ins Konzept passte. Was mich aber gar nicht wundert mit Blick darauf, wie in der Doku über Sexualität gesprochen wird. Natürlich ist die Rede von den vielen Frauen, den wenigen Männern und auch den Minderjährigen, die in Bowies Bett landeten. Und sonst noch wer? In einer der Szenen fällt der Begriff genderfluid. Bei der stur heteromäßigen Perspektive haben die sicherlich nicht begriffen, was das wirklich mit Bowie zu tun hatte.

Jo Schück reiste zum zehnten Todestag von David Bowie um die Welt (Bild: ZDF / Till Kind)
Zum Ende der Doku geht es nach New York, wo sich Jo Schück mit dem Produzenten Tony Visconti trifft, der nicht nur beruflich mit Bowie zu tun hatte. Als das letzte Album entstand, gab es bereits die Krebs-Diagnose. Bowie kam mit einer Wollmütze auf dem Kopf zur Vorbesprechung und um Visconti zu zeigen, was los ist, nahm er die Wollmütze ab und der durch die Chemotherapie kahle Schädel kam zum Vorschein. Visconti verglich das ausgerechnet mit einer Berliner Erinnerung und erzählt, dass sich so die Transvestiten in der Show die Perücke vom Kopf rissen.
Gesehen hatte er das mit Sicherheit in der Show von Romy Haag- es war ihre Zugabe, nämlich Shirley Basseys "This is my life". Dass man sie heute allerdings als Transvestit erinnert, hat sie nicht verdient.
Links zum Thema:
» Die David-Bowie-Reportage "aspekte: Rolemodel und Popikone. Zehnter Todestag einer Legende" im ZDF-Streamingportal
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» TV-Tipps zu LGBTI-Themen täglich auf queer.de
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