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Netflix-Serie

"Stranger Things": Letzte Staffel mit großem Coming-out

Am 1. Januar startet die allerletzte Folge des Netflix-Fantasy-Hits "Stranger Things". In den bisherigen Episoden der finalen Staffel spielte Queerness eine prominente Rolle – neben der üblichen Monsterjagd und dem 80er-Jahre-Groove.


Will (Noah Schnapp) outet sich in der fünften Staffel vor seinen Freund*innen (Bild: Netflix)

Achtung: Spoiler für die ersten sieben Folgen der fünften Staffel!

Vergeblich verliebt in den besten hetero Freund – welcher Schwule hat das schon nicht erlebt in seiner Jugend? Ein großes Happy End entsteht daraus in der Regel nicht, und mutmaßlich wird sich auch Will Byers am Ende von "Stranger Things" damit abfinden müssen, dass er sich andere Schwule suchen muss, damit seine Gefühle erwidert werden.

Das zumindest scheint das wahrscheinliche Szenario basierend auf dem, was bisher in der fünften und letzten Staffel der enorm populären Fantasyserie passiert ist. Nachdem Will (Noah Schnapp) sich seine Gefühle für seinen langjährigen besten Freund Mike (Finn Wolfhard) in der vierten Staffel eingestanden hat, entdeckt er zu Beginn der fünften Staffel, dass er nicht allein ist mit seinen gleichgeschlechtlichen Sehnsüchten: Er beobachtet Robin (Maya Hawke) heimlich dabei, wie sie ihre Freundin küsst – und spricht sie später darauf an, allerdings ohne dabei sein eigenes Schwulsein zu offenbaren.

Lesbische Mentorin für Will

Doch dauert es nicht lange, bis Robin sich das selbst zusammenreimt. Nach einem Austausch zwischen Will und Mike realisiert sie, dass er in Mike verliebt ist, dieser jedoch nicht die gleichen Gefühle für ihn hat. Sie versucht Will anschließend etwas verklausuliert Hoffnung zu machen, dass andere Lieben kommen werden, wenn er den Mut hat, zu sich zu stehen. Zu dem Zeitpunkt ist jedoch auch Robin selbst noch weitgehend "in the closet" – wirklich Bescheid über sie weiß aus der Gruppe sonst nur Steve (Joe Keery), dem sie es schon früh sagte, nachdem er sich in sie verliebt hatte.


Robin (Maya Hawke, l.) und Vickie (Amybeth McNulty) in der fünften Staffel von "Stranger Things" (Bild: Netflix)

Doch Robin ist schon weiter als Will und ein paar Folgen lang eine Art Mentorin, bis er schließlich sein großes Coming-out hat – und sogar noch vor ihr. Die emotionale Szene gegen Ende der vorletzten Episode ist in doppelter Hinsicht wichtig: Wills Ängste, er könnte von seiner Familie und seinen Freund*innen nicht akzeptiert werden (in den 1980er Jahren ein durchaus höheres Risiko als heute), sind rasch zerstreut, was ihm gleichzeitig neue Stärke verleiht im Kampf gegen ihren monströsen Gegenspieler Vecna (Jamie Campbell Bower).

Interessant ist dabei auch ein kurzer Augenblick zwischen ihm und Mike: Will erzählt der Gruppe, er habe hier sogar einen Crush gehabt, aber inzwischen realisiert, dass dieser nicht sei wie er – und Mike versteht offensichtlich, dass er gemeint ist. Er widerspricht Wills Einschätzung nicht, umarmt ihn kurz darauf aber genauso innig wie alle anderen, und es deutet nichts darauf hin, dass Wills großes Coming-out etwas zwischen den beiden ändern wird. Sie also beste Freunde bleiben, mehr aber auch nicht.

Mileven oder Byler oder…?

Dass die Beziehungen zwischen den Jugendlichen die Fans von "Stranger Things" mehr beschäftigen als die unheimliche Fantasy-Handlung, liegt vermutlich daran, dass ohnehin alle von einem Happy End ausgehen: Dass es Will, Mike, Eleven, Robin und ihren Freund*innen am Ende also gelingen wird, Vecna zu besiegen und die Portale zur gefährlichen Parallelwelt Upside Down ein für alle Mal zu verschließen. Überhaupt ist die Konstruktion der Fantasy-Elemente mittlerweile derart verschachtelt-komplex, dass es wohl einfacher ist, sich an das Beziehungsleben der Teens zu halten.

So lässt sich problemlos jahrelang obsessiv spekulieren, ob Mike bei seiner langjährigen On-again-off-again-Beziehung mit Eleven bleibt (von Fans "Mileven" genannt) oder sich vielleicht doch noch als bi rausstellt und mit Will zusammenkommt (von Fans "Byler" genannt, basierend auf ihren Nachnamen Byers und Wheeler). In Fanfiction-Foren gibt es zahllose Geschichten mit beide Szenarien – wer also unbedingt Will und Mike als Paar sehen will, kann sich dort trösten.

Direktlink | Deutscher Trailer zum zweiten Teil der fünften Staffel
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Coming-out des Darstellers

Dabei ist es durchaus bemerkenswert, dass die queeren Elemente in "Stranger Things" über die Jahre eine derart prominente Rolle eingenommen haben. Ein wenig dürfte das auch mit Will-Darsteller Noah Schnapp zu tun haben, der Anfang 2023 sein eigenes öffentliches Coming-out auf TikTok hatte – ein paar Monate nach Veröffentlichung der vierten Staffel, in der klar wurde, dass seine Figur schwul ist. Schnapp war 11, als die erste Staffel gedreht wurde, die 2016 erschien. Er ist gemeinsam mit den anderen Kinderdarsteller*innen auf dem Set quasi aufgewachsen und hatte nach seinem Coming-out die volle Unterstützung des gesamten Teams. Co-Star Finn Wolfhard etwa sagte: "Als ich den Clip gesehen habe, hatte ich dieses breite Lächeln auf meinem Gesicht. Ich war sehr stolz auf ihn."

Schnapp wiederum erklärte, dass die Sexualität seiner Figur Will ihm dabei half, sich selbst zu akzeptieren und somit sein eigenes Coming-out beschleunigte – wohl auch, weil die Reaktionen des Publikums auf Will so positiv waren. Gleichzeitig dürfte dieser gerade selbst durchgemachte Coming-out-Prozess Schnapp dabei geholfen haben, denjenigen seiner Figur möglichst realistisch darzustellen. Überhaupt spielt Will wie schon in der ersten Staffel von "Stranger Things" auch in der letzten eine zentrale Rolle, und nicht nur wegen seiner Sexualität, sondern weil er plötzlich ähnliche übernatürliche Kräfte entwickelt wie Eleven.

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Ein Ende, aber kein endgültiges

Mit der letzten Episode in Spielfilmlänge findet die Geschichte um die Jugendlichen aus Hawkins am 1. Januar ihr Ende. Aber schon jetzt ist klar, dass es weitere Abenteuer aus der "Stranger Things"-Welt geben wird. Details sind noch nicht bekannt, aber laut den Duffer-Brüdern, den Erfindern der Serie, wird es ein ganz anderes Setting mit neuen Figuren sein. Wer bis dahin nicht warten will: Bereits 2026 startet "Stranger Things: Tales from '85", eine Animationsserie, deren Handlung zwischen den Staffeln 2 und 3 angesiedelt ist und all die vertrauten Kindergesichter zurückbringt.

-w-