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Jahresrückblick, Teil X

In Memoriam 2025

Auch dieses Jahr mussten wir uns von vielen lieb gewonnenen Menschen verabschieden. Wir erinnern an 25 queere Menschen und Allys, die wir vermissen werden.


Dieses Jahr mussten wir uns unter anderem von Giorgio Armani, Rosa von Praunheim und AnNa R. verabschieden (Bild: Paulae / wikipedia, Martin Kraft / wikipedia, Jan Schroeder / wikipedia)
  • 30. Dezember 2025, 05:53h 8 Min.

Giorgio Armani (1934-2025)

Giorgio Armani, einer der legendärsten Modemacher der Welt, ist im September im Alter von 91 Jahren gestorben. Beruflich legte er eine Traumkarriere hin, privat ließ es aber nicht immer rund: Der Italiener musste unter anderem den Tod seines Partners Sergio Galeotti verkraften, der 1985 an Aids starb. Obwohl Armani sich nie aktiv als Teil der queeren Community positionierte, sprach er in Interviews offen über seine Liebe zu Galeotti und deutete an, dass seine sexuelle Orientierung eher Männer betrifft – in einer Zeit, in der das in Italien noch verpönt war. Armani hielt sein Privatleben jedoch stets diskret und vermied Etiketten – zumindest bis letztes Jahr, als er in einem Zeitungsinterview erstmals einen öffentlichen Einblick in sein Liebesleben gab.

Giovanni Arvaneh (1964-2025)

Giovanni Arvaneh spielte von 1994 bis 2010 mit Unterbrechungen die Rolle des Sülo Özgentürk in der ARD-Soap "Marienhof". 2003 sorgte er dort mit dem ersten schwulen Kuss zwischen zwei türkischen Männern im deutschen TV für Aufsehen. Im Februar 2021 outete er sich dann öffentlich als schwul im Rahmen der Initiative #ActOut. Im Mai verstarb der Schauspieler im Alter von 61 Jahren an den Folgen seiner langjährigen Krebserkrankung.

Jiggly Caliente (1980-2025)

Dragqueen Jiggly Caliente, bürgerlich Bianca Castro, war eine der großen Stars aus RuPauls "Drag Race"-Franchise. Im April starb sie im Alter von nur 44 Jahren an den Folgen einer schweren Infektion, die kurz zuvor bereits die Amputation ihres rechten Beins erforderlich gemacht hatte.

Richard Chamberlain (1934-2025)


Bild: ABC

In den Achtzigerjahren gab es sehr wenige heterosexuelle Frauen oder homosexuelle Männer, die Richard Chamberlain nicht angehimmelt haben. Der Schauspieler, der vor allem mit dem TV-Vierteiler "Die Dornenvögel" weltweit Erfolge feierte, verstarb im März im Alter von 90 Jahren nach Komplikationen von einem Schlaganfall. Chamberlain hatte sich 2003 in seiner Autobiografie "Shattered Love" als schwul geoutet, nachdem bereits in den frühen Neunzigern die US-Boulevardpresse sensationsheischend über seine Homosexualität berichtet hatte.

Harm-Peter Dietrich (1937-2025)


Bild: Heinz Ernst Schuster

Harm-Peter Dietrich war einer der besten Ärzte der Welt, der unter anderem an der ersten deutschen Herztransplantation beteiligt war. Seine Homosexualität musste er aber im Nachkriegsdeutschland verstecken, denn noch immer galt in Westdeutschland Paragraf 175 in der Nazi-Version. Letztes Jahr erschien sein Buch "Danke, Gustav! Mein schwules Jahrhundert", indem er über sein schwieriges Leben berichtete – ein Zeitdokument sondergleichen. Im Juli starb er im Alter von 89 Jahren.

Marianne Faithfull (1946-2025)

Die bisexuelle Britin Marianne Faithfull war eine der größten Popstars des Königreichs. Die besonders als Muse von Mick Jagger bekannte Sängerin und Schauspielerin outete sich 2011 als bisexuell. Sie starb im Januar im Alter von 78 Jahren.

Doris Fitschen (1968-2025)

Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Doris Fitschen ist im März an einer Knochenkrebserkrankung im Alter von 56 Jahren gestorben. Die vierfache Europameisterin gehörte zu den größten Persönlichkeiten des Frauenfußball. Sie hinterließ eine Partnerin und ein Kind.

Roberta Flack (1937-2025)

Die amerikanische R&B-Sängerin Roberta Flack engagierte sich bereits in den Siebzigerjahren für queere Rechte, als die meisten das Thema noch nicht anfassen wollten. Als vorbildliche Ally widmete sie mehrere Songs der Community, etwa das Cover "Ballad of Sad Young Man". Sie starb im Februar im Alter von 88 Jahren in New York City.

Roland Henß (1968-2025)


Bild: Archiv

Wer einmal in der politischen LGBTI-Community unterwegs gewesen ist, wird Roland Henß kennen. Der Geschäftsführer bei der Beratungsstelle Queerpoint in Minden war ehrenamtlicher Unterstützer zahlreicher CSD-Kundgebungen. Im Juli starb Henß im Alter von nur 56 Jahren.

David Johansen (1950-2025)

Er war der "Zerstörer von Geschlechternormen im Rock" ("Spiegel"): David Johansen hatte 1972 mit Punk-Urvater Johnny Thunders die New York Dolls gegründet, die oft als eine der ersten US-Punkbands angesehen werden. Die Band war bekannt für ihre extravaganten Outfits, Make-up und Frauenkleider – etwas, das viele Bands später kopiert haben. Johansen selbst war drei Mal mit Frauen verheiratet. Er starb im März in New York City.

Diane Keaton (1946-2025)

Diane Keaton war nicht nur einer der größten Hollywood-Stars, sondern auch eine queere Ikone: Viele ihrer Rollen, etwa in "Der Club der Teufelinnen", sind insbesondere unter schwulen Männern unglaublich beliebt. Außerdem machte sie in den Siebzigerjahren den maskulinen Look für Frauen populär, was insbesondere von lesbischen Frauen dankbar aufgenommen wurde. Sie starb im Oktober im Alter von 79 Jahren an einer Lungenentzündung.

Kessler-Zwillinge (1936-2025)

Die als Kessler-Zwillinge international bekannten Sängerinnen und Tänzerinnen Ellen und Alice Kessler waren in Deutschland Kult – als Schauspielerinnen oder als ESC-Kandidatinnen. Privat fühlten sich die beiden, die nie verheiratet waren und bis zum Ende ihres Lebens zusammenlebten, besonders zu eher femininen schwulen Männern hingezogen, verrieten sie 2011 in einem Interview. Grund sei gewesen, dass sie das Gegenteil ihres tyrannischer Vater gesucht hätten. Die beiden nahmen sich im November gemeinsam das Leben.

Udo Kier (1944-2025)


Bild: Plaion Pictures

Er drehte mit Andy Warhol, Rainer Werner Fassbinder und Lars von Trier – und stand in Blockbustern wie "Armageddon" oder "Blade" vor der Kamera. Im November starb der internationale Tausendsassa Udo Kier mit 81 Jahren. Seine Homosexualität versteckte er nie – selbst nicht zu einer Zeit, als Schwule in Deutschland noch mit dem Paragrafen 175 verfolgt wurden.

Tim Kruger (1981-2025)


Bild: TimTales

Tim Kruger (bürgerlich: Marcel Bonn) war einer größten schwulen Pornostars aus Deutschland. 2006 begann er seine Karriere beim US-Label Raging Stallion, in Europa arbeitete Kruger u.a. für das Berliner Kult-Label Cazzo und die französische Produktionsfirma Citébeur. Im Jahr 2009 machte er sich schließlich mit dem Label TimTales selbständig, drei Jahre später zog er von Berlin nach Barcelona. Dort starb er im Alter von nur 44 Jahren an den Folgen eines häuslichen Unfall.

Hans van Manen (1932-2025)


Hans van Manen (li.) neben der früheren Königin Beatrix (Bild: Instagram / koninklijkhuis)

Der Niederländer Hans von Manen galt international als einer der bedeutendsten Choreografen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Aus seiner Homosexualität machte er nie ein Geheimnis. Zutiefst betroffen zeigte sich das Königshaus über seinen Tod im Dezember: König Willem-Alexander, seine Frau Máxima und die Königin-Mutter Beatrix gehörten zu seinen Fans. Die Niederlande hätten "einen ihrer größten Künstler verloren", heißt es in einer Erklärung des Hofes.

Marcel Mann (1987-2025)

Der schwule Comedian Marcel Mann war einer der aufstrebenden Comedy-Stars in Deutschland, der auch aus seinem Schwulsein nie ein Geheimnis machte, sondern es vielmehr komödiantisch thematisierte. Im Januar beging er im Alter von 37 Jahren Suizid.

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Peggy Parnass (1927-2025)

Die Autorin, Kolumnistin, Schauspielerin und NS-Zeitzeugin Peggy Parnass war eine Ikone der Schwulenbewegung in Hamburg. Über Jahrzehnte hinweg engagierte sich als Ally für queere Reche – und war beim CSD Hamburg nicht mehr wegzudenken. Außerdem engagierte sie sich sie sich politisch gegen das Vergessen des NS-Unrechts, staatliche Willkür oder Heuchelei. Parnass wurde 97 Jahre alt.

Rosa von Praunheim (1942-2025)


Bild: Bar jeder Vernunft / Barbara Braun

Kaum jemand beeinflusste die deutsche Schwulenbewegung so wie Rosa von Praunheim: Sein Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" aus dem Jahr 1971 brachte Homosexualität erstmals offensiv ins deutsche Fernsehen und zwang die Mehrheitsgesellschaft, die Homosexualität verdrängte, sich mit der Community auseinanderzusetzen. Aber er kritisierte auch die Schwulen, weil sie zu angepasst seien und nicht auf Veränderung drängten. Über Jahrzehnte legte er immer wieder den Finger in diverse Wunden. "Sein Leben und sein Werk waren und sind subversiv und radikal, voller Empathie und voller Aufruhr, abgedreht und lebensnah", so der Ex-Queerbeauftragte Sven Lehmann über den Filmemacher. Von Praunheim starb im Dezember nur wenige Tage, nachdem er seinen langjährigen Freund geheiratet hatte.

Anna R. (1969-2025)


Bild: Mike Auerbach

Das tat richtig weh: Völlig überraschend starb AnNa R., die eine Hälfte der Kultband Rosenstolz, im März. Sie wurde nur 55 Jahre alt. Eigentlich hatte AnNa noch viele Musikpläne gehabt. Posthum erschien ihr letztes Solo-Album im Oktober.

Rob Reiner (1947-2025)

Rob Reiner war ein Ally, wie er im Buche steht: Der Starregisseur von Kultfilmen wie "Stand By Me" oder "Misery" engagierte sich über Jahre für LGBTI-Rechte und gründete sogar einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben einsetzte. Reiner wurde im Dezember in seinem eigenen Haus in Los Angeles gemeinsam mit seiner Ehefrau umgebracht – Tatverdächtiger ist der Sohn des Paares.

Herbert Rusche (1952-2024)


Bild: Deutscher Bundestag / Presse-Service Steponaitis

Wie erst im Januar dieses Jahres bekannt wurde, ist der grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche bereits am 16. Dezember 2024 verstorben. Er schrieb 1985 Geschichte, als er als erster offen schwuler Politiker in den Deutschen Bundestag einzog. Bereits zuvor hatte er als Urgestein der westdeutschen Schwulenbewegung gegolten. 1972 gehörte er zu den Mitgründern der Schwulengruppe "Homo Heidelbergensis", ab 1973 war er Mitglied der "Homosexuellen Aktion Westberlin" (HAW). Danach arbeitete er u.a. im schwulen Frankfurter Kommunikationszentrum "Anderes Ufer" mit.

Terence Stamp (1938-2025)

Der britische Schauspieler Terence Stamp schaffte 1994 eine Kultrolle: In "Priscilla – Königin der Wüste" spielte er die trans Frau Bernadette Bassenger, die mit zwei anderen Drag-Stars durch das australische Outback reist. Der Film sollte Generationen von Dragqueens inspirieren. Stamp starb im August in Los Angeles.

The Vivienne (1992-2025)


Bild: World of Wonder

The Vivienne, bürgerlich James Lee Williams, war die wohl angesehenste Dragqueen Großbritanniens. Im Januar dann die Schockmeldung: Im Alter von 32 Jahren starb The Vivienne an den Folgen des Ketamin-Konsums. Die Familie von The Vivienne kündigte danach an, die Öffentlichkeit über die in der schwulen Community beliebte Droge besser aufzuklären. Damit, so die Hoffnung, könnten weitere tragische Todesfälle verhindert werden.

Robert Wilson (1941-2025)


Bild: IMAGO / Berlinfoto

Der schwule Avantgarde-Regisseur Robert Wilson galt als einer der einflussreichsten Theater-, Opern- und Multimediakünstlern. Er arbeitete mit Persönlichkeiten wie Heiner Müller, William S. Burroughs, Allen Ginsberg, Tom Waits, Herbert Grönemeyer und Marina Abramovic zusammen. Sein wohl berühmtestes Werk war die fünfstündige Inszenierung der Oper "Einstein on the Beach". Er starb im Alter von 83 Jahren nach einer kurzen, schweren Krankheit in seinem Haus in Water Mill bei New York.

Salih Alexander Wolter (1961-2025)


Bild: privat

Salih Alexander Wolter war ein deutscher Autor, Musikjournalist und queerpolitischer Aktivist, der zahlreiche Beiträge und Bücher zu den Themen Intersektionalität, Queer-Theorie und (Anti-)Kapitalismus geschrieben hatte und in der Schwulenbewegung aktiv war. Er starb Ende Juli im Alter von 63 Jahren.

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