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Aserbaidschan
Baku: Über 100 Festnahmen bei Razzia in queerem Club
Die Organisation ILGA Europe zeigte sich tief besorgt über Berichte, die Menschen seien von der Polizei misshandelt, schikaniert und erpresst worden.
- 31. Dezember 2025, 05:19h 2 Min.
In Aserbaidschan sollen am Samstag über 100 Menschen in einem queeren Club festgenommen worden sein. Das berichten mehrere Medien wie OC Media unter Verweis auf die queere Instagram-Seite "Qiy Vaar!". Festgenommene gaben demnach an, von der Polizei körperlich misshandelt, schikaniert und erniedrigend behandelt worden zu sein.
Bei der Razzia am Samstagabend im Zentrum der Hauptstadt Baku sollen Beamte unter anderem Bestechungsgelder zwischen 50 und 100 Manat (25 bis 50 Euro) gefordert und "erniedrigende Ausdrücke und Drohungen" ausgesprochen haben. Die Gelder seien teils unter angedrohter oder ausgeführter Gewalt eingefordert worden. Einer Frau seien die Haare abgeschnitten und einer anderen Person ein Zahn ausgeschlagen worden, so die Instagram-Seite unter Berufung auf Augenzeug*innen. Auch von sexueller Gewalt gegenüber mindestens einer Person ist die Rede.
Die Festgenommenen seien zu einer Wache gebracht worden, wo sie zunächst lange in der Kälte auf der Straße hätten stehen müssen, so "Qiy Vaar!". Die Beamten hätten ihre Daten, Fingerbadrücke und Fotos erfasst und mit Gerichtsvorladungen gedroht. Auch Angehörige seien später schikaniert worden, dabei sei Eltern teilweise gesagt worden, dass man die Kinder aus einem "unmoralischen Schwulenclub" geholt habe.
Bereits 2019 und 2017 war es in Aserbaidschan zu Massenfestnahmen queerer Menschen durch die Polizei gekommen. Die Organisation ILGA Europe zeigte sich am Dienstag tief besorgt über die Berichte: "Wir solidarisieren uns mit der LGBTI-Community in Aserbaidschan und unterstützen die Forderung unserer Mitgliedsorganisation 'Qiy Vaar!' nach einer dringenden Untersuchung und einer öffentlichen Stellungnahme der Behörden. Die Menschenrechte und die Würde aller Menschen in Aserbaidschan müssen gewahrt werden."
Aserbaidschan wurde Europäer*innen vor allem durch den Eurovision Song Contest 2012 näher bekannt, für das das an Öl und Gas reiche Land seine Hauptstadt herausputzte. Danach verschlechterte sich die Lage für Menschenrechtsaktivist*innen wieder, und auch für LGBTI wurde es in dem autoritäten Regime unter Präsident Ilham Aliyev nicht besser. 2014 erhängte sich in Baku ein 20-jähriger LGBTI-Aktivist an einer Regenbogenflagge (queer.de berichtete). In der aktuellen Rainbow Map von ILGA Europe liegt das Land auf dem vorletzten Platz zwischen der Türkei und Russland. (nb)















