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Serientipp

Eine 5er-WG aus ethnisch und sexuell diversen Gen-Zs

In der US-Serie "Adults" versucht eine Gruppe von Freund*innen mehr oder weniger erfolgreich, auf eigenen Beinen zu stehen – schwule Hochzeit inklusive. Die zweite Staffel der höchst unterhaltsamen Dramödie kommt noch dieses Jahr.


Die Hauptfiguren von "Adults" in der WG-Küche: Alle acht Episoden der US-Serie können auf Disney+ gestreamt werden (Bild: Disney+)

Klar, Beziehungs- und Jobchaos gehören wohl unvermeidlich dazu, wenn man Anfang 20 ist und versucht herauszufinden, was man mit seinem Leben so tun möchte – und mit wem. Aber der ultimative Test des Erwachsenseins? Die Zubereitung eines Brathähnchens für eine Dinner Party! So schwer kann es ja nicht sein, schließlich haben es die eigenen Eltern jederzeit ganz selbstverständlich und erfolgreich getan.

Billie (Lucie Freyer) steckt eine Menge Zeit und Vorbereitung in dieses herausfordernde Unterfangen, nicht zuletzt, um ihre neue Flamme Mr. Teacher (Charlie Cox) zu beeindrucken, der schon etwas älter ist und gerade mitten in einer schwierigen Scheidung steckt. Doch als schließlich alle um das knusprig braun gebrannte Hähnchen am Tisch sitzen, erweist sich dieses innen als komplett roh – und auch sonst geht an diesem Abend so ziemlich alles schief, was schief gehen kann.

Ethnisch und sexuell divers

Im Zentrum der höchst unterhaltsamen Dramödie "Adults" steht eine 5er-WG aus ethnisch und sexuell diversen Gen-Zs, die sich in Samirs (Malik Elassal) Elternhaus im New Yorker Stadtteil Queens eingerichtet haben. Neben Billie gehören dazu auch der schwule Anton (Owen Thiele) sowie der sexuell flexible Paul Baker (Jack Innanen), Issas (Amita Rao) neuer Freund.

Die Gruppe ringt acht Folgen lang mit unterschiedlichen Aspekten des Erwachsenseins, ein Prozess, der mit dem englischen Wort "Adulting" wunderbar treffend umschrieben ist: die allmähliche, oft mühselige und anstrengende Übernahme von Aufgaben und Verantwortlichkeiten – darunter vieles, was die Eltern bisher erledigt haben. Neben der Zubereitung von Brathähnchen etwa eine Wohnung sauber halten, Rechnungen bezahlen, sich mit Krankenversicherungen rumschlagen etc.

Waffen, Abtreibung, Homophobie

Daneben nimmt "Adults" auch die zahlreichen Eigenheiten der Gen Z satirisch aufs Korn – zu den Highlights gehört etwa die Debatte um erlaubte Worte und Homophobie, die Paul und Samir mit dem etwas älteren Besitzer eines Waffenladens führen, bei dem sie ein zu Hause entdecktes Jagdgewehr loswerden wollen. Oder Antons und Pauls missratene Betreuung der aufmüpfigen Teenagerin Annabelle, die für eine Abtreibung nach New York gekommen ist und den beiden schließlich an den Kopf wirft, sie seien "die am wenigsten interessanten Schwulen, die mir je begegnet sind". Worauf Anton sie empört korrigiert, Paul sei nicht schwul, sondern "fluid".

Dabei passiert während der oft episodenhaften Szenen im Laufe der Serie durchaus eine Charakterentwicklung. Zum Beispiel entsteht zwischen Anton und Paul ein gewisses Knistern, obwohl letzterer mit Issa zusammen ist und ersterer Beziehungen nach einer schmerzhaften Trennung eigentlich aus dem Weg geht.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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Plötzlich verheiratet

In der letzten Folge dann erfährt der Kanadier Paul, dass sein Visum nicht erneuert wird und er das Land verlassen muss. Die Lösung wäre an sich einfach: eine Heirat mit Issa zwecks permanenter Aufenthaltsbewilligung. Doch neben gewissen bürokratischen Hindernissen bekommt Issa kurz vor der Hochzeit kalte Füße und verweigert in einer sensationell chaotischen Szene die Zeremonie im Rathaus. Woraufhin sich erst Billie und dann sogar der heterosexuelle Samir als Ersatz zur Verfügung stellen.

Am Ende jedoch finden sich Anton und Paul als frischverheiratetes Paar in der WG wieder und küssen sich – zuerst aufgefordert und angefeuert von den drei anderen, die dann allerdings von der offensichtlichen Leidenschaft des Kusses einigermaßen überrascht sind. Man darf also gespannt sein, wie es mit den beiden weitergeht und was dies für die Freundschaftsdynamik der WG bedeutet. Die zweite Staffel ist für dieses Jahr angekündigt.

Wie amüsant Angehörige der Gen Z selbst "Adults" finden, ist eine andere Frage, denn natürlich bedient die Serie auch allerlei Klischees und Stereotypen. Der 26-jährige kanadische Schauspieler und Comedian Jack Innanen, der Paul Baker spielt, findet jedoch, dass das Skript seine Generation gut trifft. "Ich musste laut lachen, als ich es das erste Mal gelesen habe, es fühlte sich bemerkenswert real an", sagte er in einem Interview. "Es war das erste Skript über Gen Z, bei dem ich wiedererkannte, wie ich mit meinen Freunden rede." Er habe noch nicht mal groß schauspielern müssen: "Paul Baker ist wie ich mit 22."

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Magische Freundschaften

Die Erfinder*innen der Serie, das Ehepaar Rebecca Shaw und Ben Kronengold, sind knapp noch selbst Gen Z und entwickelten das Skript in ihren frühen 20ern. Einiges davon basiert auf persönlichen Erfahrungen, zudem sind alle Figuren von eigenen Freund*innen inspiriert, wie sie in einem Interview erzählten. Und diese engen Freundschaften sollen letztlich das Herz der Serie sein. "Auch wenn sie nicht an einem coolen Ort leben und keinen coolen Job haben, möchte man irgendwie mit ihnen in diesem Haus leben", sagt Kronengold. "Was sie haben, ist magisch."

Für all jene, die schon etwas älter und bereits im Erwachsenenleben angekommen sind, dürfte "Adults" nicht nur ziemlich lustig sein, sondern auch allerlei nostalgische Gefühle auslösen. So chaotisch und anstrengend diese Übergangsjahre auch sein mögen, so offen und aufregend sind sie gleichzeitig – eine Zeit, in der fast alles möglich ist, in denen Weichen noch so oder so gestellt werden können. Und während man den Mühen von Billie, Anton, Paul, Issa und Samir amüsiert zusieht, könnte man sich passend zum Neuen Jahr vielleicht vornehmen, ein wenig mehr von dieser Offenheit für die Zukunft ins eigene Leben zurückzuholen.

-w-