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Teil 3 von 4
Zurück in die schwule Zukunft: 1969-2000
Wie hat man sich früher homosexuelles Leben in der Zukunft vorgestellt? Im dritten Teil unserer Serie geht um Vorstellungen und Ideen von der Reform des § 175 im Jahre 1969 bis zum inspirierenden Jahrtausendwechsel.

Computer, so sagte es 1970 das Schwulenmagazin "Du & Ich" heraus, helfen eines Tages bei der schwulen Partnersuche
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3. Januar 2026, 06:18h 22 Min.
Im September 1969 wurde der § 175 StGB bedeutend reformiert und der einvernehmliche Sex unter erwachsenen Männern in Deutschland legalisiert. Hier setzt der dritte Teil der Reihe an. Er reicht bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, als der inspirierende Jahrtausendwechsel mehrere Autor*nnen zu Zukunftsprognosen in Zeitschriften veranlasste.
Im Jahr 2525: Die Überbevölkerung wird durch Homosexualität verhindert ("Du & Ich", 1970)
Dieter M. Geismar macht sich in seinem Artikel "In the year 2525" ("Du & Ich", 1970, Heft 3) Gedanken zur Überbevölkerung der Welt und kommt zu dem Schluss: "Wäre es nicht möglich, daß wir die rapide Zunahme homoerotischer Veranlagung einer ganz raffinierten Bevölkerungspolitik der Natur zu verdanken haben? Wäre es nicht möglich, daß wir die Homoerotisierung ganzer Kulturkreise als eine geschickte Abwehrmaßnahme der Natur gegen die Bevölkerungsexplosion zu verstehen haben?" Seine "Lösung für das Jahr 2525 lautet: Homosexualisierung des Geschlechtstriebes. (Das) Hintertürchen der Natur ist bereits geöffnet und die Zukunft wird mir Recht geben."
Die Homosexuellenzeitschrift "Du & Ich" (1969-2014) erschien erstmals im September 1969 und damit im Monat der Reform des § 175. Die Theorie, dass Homosexualität von der Natur zur Bevölkerungskontrolle "gewollt" sei, ist nicht mehr als eine – hier ironisch aufgegriffene – Behauptung. Der Titel "In the year 2525" ist eine offensichtliche Referenz auf das gleichnamige erfolgreiche Lied des Duos Zager & Evans von 1969 – ein apokalyptischer Folk-Rock-Song, in dem über die negativen Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf die menschliche Existenz spekuliert wird.
Aufruf zur Gründung eines eigenen "Homo-Staates" ("Du & Ich", 1970)
In dem Artikel "Der Homo-Staat. Modell einer Utopie" ("Du & Ich", 1970, Heft 7/8) wird darauf hingewiesen, dass Homosexuelle viel Geld hätten. Sie sollten "sich überlegen, ob nicht die Schaffung eines 'Homo-Staates' in ihrem Interesse liegt. (…) eine Insel vielleicht. (…) jeder gibt einmal zehn Mark, was bei etwa drei Millionen Homophiler in der Bundesrepublik runde dreißig Millionen Mark ergeben würde, womit der Schaffung eines solchen 'Homo-Staates' finanziell nichts mehr im Wege stünde." Gefragt seien Idealisten, die solche Ideen verwirklichen möchten. Die Zeitschrift bat die Leserschaft unter dem Stichwort "Insel" um Beiträge und stellte den "Homo-Staat" damit zur Diskussion. Die Idee zu diesem Artikel – der ebenfalls offensichtlich nicht wirklich ernst gemeint war – wurde wohl auch daraus abgeleitet, dass Jüdinnen und Juden mit Israel ihren eigenen Staat haben; wesentliche Gedanken wurden der kommentierten Anthologie "Der utopische Staat" entnommen, die zuerst 1960 im Rowohlt Verlag erschien und zahlreiche Neuauflagen erlebte.
Diese Band vereint mehrere klassische Werke der utopischen Literatur, darunter Thomas Morus' "Utopia", Tommaso Campanellas "Sonnenstaat" und Francis Bacons "Neu-Atlantis". Es ist naheliegend und verständlich, dass solche Utopien auch auf schwule Lebenswelten übertragen wurden. Um der repressiven Gesellschaft zu entkommen und einen sicheren Zufluchtsort zu schaffen, gab es in der Geschichte tatsächlich einzelne Homosexuelle, die auf die Idee kamen, einen eigenen, souveränen Staat zu gründen. Eine solche Idee, ähnlich wie die eines feministischen Frauenstaates, existierte allerdings nur im Bereich der Utopie, Theorie und in kleinen Projekten, aber nie in Form eines realisierten, souveränen Nationalstaates.
Computer helfen bei der Partnersuche ("Du & Ich, 1970)
In dem Artikel "Hier beginnt das große Computer-Partnerspiel! Keiner soll mehr einsam sein" ("Du & Ich", 1970, September) posieren zwei Männer vor großen Computern, was offenbar die Professionalität der "Du & Ich" verdeutlichen und eine genaue wissenschaftliche Analyse versprechen soll: Welche Männer passen gut zusammen? Wer wird sich wohl in wen verlieben?
Das Foto zielt auf eine frühe Form der EDV und damit auf offenbar ganz neue und auf die Zukunft ausgerichtete Form der Partnersuche ab – ohne auf diese jedoch einzugehen. Dies war vielleicht auch nur als Scherz gemeint. Leider habe ich aus dieser Zeit keine Artikel gefunden, die sich inhaltlich mit dem Einfluss von "Robotern", Computern und EDV auf die schwule Welt beschäftigten. Mit den heutigen Möglichkeiten der Kontaktsuche, wie es sie erst seit einigen Jahren gibt, ist das nicht zu vergleichen. Das Portal GayRomeo wurde 2002 gegründet (seit 2021 als Romeo bekannt), Grindr 2009. Übrigens: queer.de ging 2003 online.
Helmut Kentler als Vorbild für Wohnkommunen der nächsten Jahrzehnte ("Him", 1971)
Pierre Keppler stellt in seinem Artikel "Leben in der Großfamilie. Die Großfamilie der Zukunft bietet auch den Homosexuellen ein Zuhause" ("Him", 1971, August) die Vorteile von intergenerationellen Wohngruppen vor, wie sie damals auch von dem bekannten Hannoveraner Psychologen Helmut Kentler propagiert wurden. Solche neuen Wohnprojekte hätten, so der Artikel, auch deshalb "gute Überlebenschancen", weil Kentler von Jugendämtern unterstützt werde. Sie beruhten auf einer antiautoritären und kollektiven Erziehung der Kinder, um "die Fixierung der Kinder auf ihre jeweiligen Eltern aufheben zu können". Wenn sich in den "kommenden Jahren und Jahrzehnten Kommunen-Wohnungen, wie sie zur Zeit an der Technischen Hochschule Hannover entwickelt werden, durchsetzen", würden dort "auch Homosexuelle ihren Platz haben". Solche Wohnprojekte könnten Homosexuellen, die Kinder lieben, die Chance geben, "an ihrer Erziehung mitzuwirken". Verwiesen wird auch auf eine funktionierende "Großfamilie von jungen Homos" in Köln, wobei eine "reine Homo-Kommune" den "Nachteil des Ghettos" habe, was die "Vorurteile der ablehnenden Gesellschaft" bestätigen könnte. Ein Hamburger Soziologe halte ein "gemeinschaftsorientiertes Wohnen in der Zukunft für geradezu lebensnotwendig".
Als Sexualwissenschaftler und Professor an der Technischen Hochschule Hannover war Helmut Kentler, der drei Adoptivsöhne und einen Pflegesohn hatte, früher hoch angesehen. Heute wird er als "einer der Hauptakteure pädosexueller Netzwerke betrachtet, der seine Position und Macht ausnutzte, um die Kontrolle über Fallführungen im Berliner Jugendamt zu übernehmen, mit der Folge der vielfachen 'Kindeswohlgefährdung (…)'". Er soll über seine berufliche Position mehrere 13- bis 15-jährige Jungen bei ihm bekannten und vorbestraften Pädophilen untergebracht haben (Wikipedia). Mit diesem Hinweis möchte ich aber keinesfalls Mehrgenerationen-Wohnkommunen an sich delegitimieren. Diese frühen Projekte entstanden aus der Studierendenbewegung und gehörten zu den neuen Wohn- und Lebensformen. Es handelt sich um eine frühe – mehr kollektive und nicht paarzentrierte – Variante von dem, was heute als "Regenbogen-Familien" bezeichnet wird.

Über die Vorstellungen von schwulen Wohnkommunen der Zukunft
Haben Homobars eine Zukunft? ("Him", 1974)
Aus dem Artikel "Homobars – ohne Zukunft?" ("Him", 1974, Januar): "Seit die Homosexuellen sich ihrer neuen Bewegungsfreiheit bewusst geworden sind, machen die Mutigen ihre Bekanntschaften lieber" an anderen Orten. In den Bars blieben die älteren Jahrgänge zurück, die "auf die Jugend nicht unbedingt anziehend wirken". "Spezielle Homo-Jugend-Discotheken" gebe es nicht, weil die (sogenannte) Schutzaltersgrenze erst seit dem 1. Januar 1974 bei 18 Jahren liege. So bleibe der Nachwuchs in den Kneipen aus. In gewisser Weise sei diese Entwicklung aber auch erfreulich, denn wenn die Jugend "das Ghetto ablehnt" und sich im Kreise von Gleichaltrigen "zur eigenen Homosexualität bekennen" könne, ohne diskriminiert zu werden, so lasse dies in der Zukunft die "Befreiung des Homosexuellen, seine Gleichberechtigung und Emanzipation erhoffen. So (…) braucht der gleichberechtigte Homosexuelle in einer vom Vorurteil befreiten Gesellschaft auch weder Parks, Toilettenbetätigung noch Homo-Lokale."
Die sogenannte "Schutzaltersgrenze" lag von 1969 bis 1973 bei 21 Jahren. Der damalige Befund, es gebe keine Discotheken für die schwule Jugend, hat sich wenig später schnell geändert – mit einer eigenen Disco- und Party-Kultur für junge Schwule. Der Grundgedanke, dass sich die Homosexuellenbewegung selber überflüssig mache, indem die zunehmende Akzeptanz dazu führen werde, dass man überall andere Männer kennen lernen könne, wurde damals häufig geäußert. Nach den Siebzigerjahren gab es noch viele Anlässe, darüber zu reflektieren, welche Bedeutung die schwulen Kneipen hatten: beim Aufkommen von Aids in den Achtzigerjahren, beim Aufkommen von Online-Dating-Möglichkeiten in den 2000er Jahren und während der Corona-Pandemie Anfang der 2020er Jahre. Durch Faktoren wie vor allem die neuen Online-Kontaktmöglichkeiten, aber auch durch Gentrifizierung in traditionellen "Szene"-Vierteln sind bisherige "analoge" schwule Treffpunkte stark in die Krise geraten und zum Teil gefährdet. Bisher haben sich die traditionellen Treffpunkte, von Toiletten einmal abgesehen, jedoch weitgehend erhalten.

Über die Zukunft der "Homobars"
Über den Tag, an dem Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen (Du & Ich, 1975)
Von drei Autoren stammt der Artikel "Adoption" (Du & Ich, 1975, Dezember), der eigentlich nur die aktuellen rechtlichen Grenzen aufzeigt. Zitiert wird eine Dame vom Fürsorgeamt: "Wo kämen wir hin, wenn wir solchen Leuten ein Kind anvertrauen würden?" Unklar bleibt leider die Aussage, dass zur Frage der Adoption "Experimente in einzelnen Bundesländern gewagt (werden). In (der Bundeshauptstadt) Bonn freilich ist man skeptisch, ob der Tag, an dem Homosexuelle ohne Schwierigkeiten ein Kind adoptieren und zum Alleinerben einsetzen können, tatsächlich kommen wird." Ein Ministerialbeamter zu "Du & Ich": "Für eine solche Idee kann doch nur ein Verrückter eintreten."
Homosexuelle konnten schon früh Pflegekinder aufnehmen, da dies nur von der Prüfung der Jugendämter abhängig war. Bei der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare hat sich in den letzten Jahrzehnten nach langen Kämpfen ein Wechsel von der durchweg ablehnenden Haltung hin zu einer überwiegend unterstützenden Sicht vollzogen. Mit der Ehe für alle gibt es seit 2017 auch für Schwule und Lesben die Möglichkeit, gemeinsam ein Kind zu adoptieren. Lesben-Paare sind hier aber immer noch gesetzlich benachteiligt, weil die nicht gebärende Frau (anders als verheiratete Männer, die automatisch als Väter gelten) nicht automatisch als Mutter anerkannt wird, sondern in einem aufwendigen bürokratischen Verfahren extra eine Stiefkind-Adoption beantragen muss (siehe z. B. hier).
Das Verhalten der Homosexuellen wird ihre Zukunft bestimmen (1975)
Der Schweizer Journalist André Ratti (1935-1986) veröffentlichte am 8. November 1975 in der Basler "National-Zeitung" den Artikel "Ueber die Zukunft der Homosexualität". Nach Ansicht des Autors liege die Zukunft der Homosexuellen "ausschließlich in ihrem eigenen Verhalten" – d. h. darin, wie sie ihre Beziehungen und ihre Sexualität gestalteten und wie sie "die heterosexuelle Gesellschaft in ihr Leben mit einbeziehen". Sie hätten "die Chance, neue Muster zwischenmenschlicher Beziehungen" zu entwickeln, wenn Sexualität nicht zum Selbstzweck werde, sondern im Kontext von "Emotionalität und Beziehung" praktiziert werde. Den Umgang mit Sexualität könne man ganz unabhängig von Leistung und Konsum lernen. "Die Homosexuellen könnten beweisen", dass man geschlechtsspezifisches Rollenverhalten "hinter sich zurücklassen" und Begriffe wie Liebe und Toleranz vollkommen neu erfinden könne. Unter den Leser*innenbriefen zu diesem Artikel wurde am 29. November 1975 auch der Beitrag eines "Homos" aus St. Gallen abgedruckt, der den damals bekannten Journalisten Hans Habe mit den Worten zitiert: In "zwanzig Jahren werde sich kein Mensch mehr darum kümmern, ob jemand homosexuell sei".
Über die breite Rezeption von Rattis Artikel habe ich vor rund zwei Monaten hier auf queer.de einen Artikel verfasst. Zunächst provoziert der Text und fordert im weiteren Verlauf die Homosexuellen zum Handeln auf. Damit ähnelt er vom Aufbau her vielleicht nicht ganz zufällig Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (1973), der kurz zuvor erschienen war. Rattis Forderungen sind jedoch zahmer und entsprechen mehr bürgerlichen Wertvorstellungen.

Der Artikel von André Ratti "Ueber die Zukunft der Homosexualität"
Im Jahre 2000 werden die Heterosexuellen verfolgt werden (Schülerzeitung, 1975)
Im Oktober 1975 erschien in einer Bielefelder Schülerzeitung der zweiseitige Science-Fiction-Comic "Gay Liberation". Er erzählt eine Geschichte aus dem Jahr 2000: Die Welt ist überbevölkert. Alle Heterosexuellen werden verfolgt und müssen sich in "dunklen Ecken, Klos oder Parks verstecken, um bumsen zu können". Aber die unterdrückten Heteros lassen sich dies nicht gefallen und kämpfen mutig für ihre Rechte. Sie demonstrieren öffentlich mit Transparenten wie "Ich bin froh und hetero". Dabei wird betont: "Heterosexualität könnte doch auch ein Teil der Sexualität sein." Und schließlich "siegte die Liebe über das Gesetz".
Der Comic war Len Richmonds Buch "The gay liberation book" (1973, hier einige Seiten online) aus den USA entnommen und der Text ins Deutsche übersetzt worden. Mit seiner Ironie und der Umkehrung der Realität wurde er als geeignet angesehen, um die aktuelle Situation von Schwulen auch in Deutschland zu verdeutlichen und so emanzipatorisch zu wirken. Der Abdruck in der Schülerzeitung löste einen Skandal aus, den ich ebenfalls hier auf queer.de erläutert habe. Dieser Skandal wurde auch von Joachim S. Hohmann in seinem Buch "Homosexualität und Subkultur" (1976, S. 106-110) gut dokumentiert.

Ein Comic, der in der Übersetzung in Deutschland für einen kleinen Skandal sorgte
Die Ehe für alle und die Endzeit ("Du & Ich", 1976)
In dem Artikel "Heiratserlaubnis für Homosexuelle" ("Du & Ich", 1976, April) wird zunächst darauf eingegangen, dass es in den USA in bestimmten christlichen Gemeinden kirchliche Trauungen auch für Homosexuelle gebe. Der übrige Artikel besteht fast nur aus Zitaten aus einem Artikel in der deutschen christlichen Zeitung "Klar und Wahr": "Und heute im endzeitlichen 20. Jahrhundert sind wir vom Regen in die Traufe gekommen." Die christliche Zeitung kritisierte, dass für eine "Heiratsvermittlung des Deutschen Fernsehens, III. Programm, (…) auch gleichgeschlechtliche Paare gesucht" wurden.
Der lange und homophobe Text wurde in "Du & Ich" offenbar dokumentiert, um den Autor oder die Autorin damit zu diskreditieren. Eine solche Vorgehensweise halte ich nicht für konstruktiv. Zu der angeblichen "Heiratsvermittlung des Deutschen Fernsehens" habe ich keine Hinweise recherchieren können und ich halte dies vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Situation auch für äußerst unwahrscheinlich. Mehr als andere Forderungen nach Gleichberechtigung scheint über lange Zeit die Forderung nach einer Ehe für alle Heterosexuelle getriggert zu haben – und zwar bereits seit den 1860er Jahren (s. Teil 1 dieser Artikelserie). Erst ein Vierteljahrhundert nach der Veröffentlichung des Textes in "Du & Ich" wurde in Deutschland das Lebenspartnerschaftsgesetz verabschiedet (2001), das bis zur Einführung der Ehe für alle (2017) gültig war.
Zukünftige Wohnkommunen, in denen "getanzt und gebumst" wird ("Du & Ich", 1976)
In dem "Du & Ich"-Artikel "Geteiltes Glück – doppeltes Glück" wird eine Kommune von neun Homosexuellen zwischen 20 und 43 Jahren vorgestellt ("Du & Ich", 1976. November, S. 10-13), die in einem Düsseldorfer Vorort in einer Zwölfzimmervilla seit anderthalb Jahren besteht. Die Miete werde proportional zum Einkommen gezahlt und einmal in der Woche werde diskutiert. Unter allen Bewohnern sei keiner, dem man "seine Veranlagung auf den ersten Blick ansieht". Die Homosexualität der Bewohner werde im Mietvertrag festgehalten, zum Schutz, damit ihnen nicht später mit Hinweis auf ihre Homosexualität gekündigt werden könne. Es sei vereinbart, dass keine Stricher mit nach Hause genommen werden dürften. Einmal pro Woche gebe es eine Fete: "Wir haben festgestellt, daß diese Feste, bei denen natürlich auch getanzt und gebumst wird, eine befreiende Wirkung für jeden einzelnen von uns haben." Für die Zukunft sei ein Fonds eingerichtet worden, denn: "Wir stehen zueinander – in guten und schlechten Tagen." Eine Voraussetzung, um dort wohnen zu können, sei eine bedingungslose Kameradschaft. Die Kommune sah sich offenbar als Zukunftsmodell: Der 36-jährige Martin äußert sich überzeugt, dass die "Homo-Kommune in zwanzig oder dreißig Jahren zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft gehören wird."
Dieser Artikel über eine schwule Wohnkommune ist eine gute Ergänzung zu dem oben zitierten Artikel über intergenerationelle Wohn-Kommunen mit Kindern ("Him", 1971). Schwule Wohnkommunen entstanden oft als Reaktion auf gesellschaftliche Ausgrenzung und waren sichere Rückzugsorte, in denen Schwule ihre Identität und Sexualität frei ausleben konnten und sich nicht erklären mussten. Einige Wohnkommunen waren eng mit der politischen Schwulenbewegung verbunden und fungierten auch als Zentren für Aktivismus und gegenseitige Unterstützung.
Die Utopie eines Zentrums in München ("Südwind", 1987)
In seinem Artikel "Utopie und Subkultur" in der Münchner Schwulenzeitung "Südwind" (1987, Nr. 3, hier online) übt der Autor Rüdiger Berg sehr scharfe Kritik an der schwulen kommerziellen Szene in München: Die meisten Homosexuellen flüchteten sich "in den schönen Schein der Alkoholismus- und Glitzerwelt und verspielen damit ihre Chancen, zu wirklicher, politisch bedeutender Solidarität zu gelangen". "Ich rede nicht einmal unbedingt jener Utopie das Wort, daß es dereinst eine 'bisexualisierte' Gesellschaft geben möge, in welcher einen Freund und Sexualpartner zu finden geradezu alltäglich möglich und selbstverständlich sei, unabhängig von der Ghetto-Welt (…). Stattdessen denke ich mir eine näherliegende, 'konkrete' Utopie: Daß die Schwulen ein Einsehen gewännen in ihre soziale Isolierung innerhalb der Subkultur." Der Autor wünscht sich mehr Beteiligung an der Gruppe "SchwuKK", für die ein eigenes Haus wünschenswert sei. Von diesem Zentrum aus würden dann Impulse weiterwirken. Die bisherigen Bars wären dann gezwungen, sich weniger kommerziell auszurichten.
"SchwuKK" ist der Verein "Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München", der sich einige Monate vorher am 4. September 1986 gegründet hatte. 1988 bezog der Verein eigene Räume und war maßgeblich an der Entwicklung der schwulen Infrastruktur in München beteiligt. Das heutige queere Zentrum "Sub" ging aus dem SchwuKK e. V. hervor und führt dessen Arbeit fort. Die Etablierung nicht-kommerzieller schwuler Strukturen als Alternative für die von vielen als unbefriedigend empfundene kommerzielle Szene, in der Schwulenbewegung zunächst als "Utopie" formuliert, konnte hier wie auch an vielen anderen Orten verwirklicht werden.
Zur Überlebenschance schwul-lesbischer Medien ("Dorn Rosa", 1989)
Gabriela Lünsmann setzt sich in der Zeitschrift "Dorn Rosa" mit ihren "Gedanken zur schwul-lesbischen Medienzukunft. Jetzt oder nie?" ("Dorn Rosa", 1989, April) mit der "Überlebenschance schwul-lesbischer Medien" auseinander. Leider werden von ihr vor allem nur wichtige Fragen gestellt: "Ist unsere Überflüssigkeit vorprogrammiert? (…) Warum schreiben wir weiterhin in vergleichsweise selten erscheinenden Zeitungen mit lächerlich niedrigen Auflagen?" Ihre Antworten fallen eher dünn aus: Zweckmäßige Informationsverarbeitung werde gerade in "nicht-kommerziellen politisch linken Medien ihre Zukunft haben. Dafür müssten diese Medien jedoch wesentlich von der Lesben- und Schwulenbewegung getragen (…) und zur Erhaltung der eigenen Handlungsfähigkeit verstanden werden".
Der Verweis auf politisch linke Medien weist darauf hin, dass in den Achtzigerjahren fast die gesamte Bewegung politisch links verortet war, was heute nicht mehr der Fall ist. Er passt auch besonders zu "Dorn Rosa", denn das war die Zeitschrift der "Demokratischen Lesben- und Schwuleninitiative" (DeLSi), einer DKP-nahen Schwulen- und Lesbengruppe. Die Frage, ob mit der steigenden Akzeptanz auch Nachteile für die Szene verbunden sein könnten, wurde nicht nur in Bezug auf Printmedien, sondern auch für andere Bereiche wie Kneipen (s. o. 1974) gestellt und ist bis heute aktuell. Die Überlebenschance von schwul-lesbischen Medien wird wohl davon abhängen, wie gut sie sich an die sich ändernden Mediennutzungsgewohnheiten anpassen und ob finanziell tragfähige, innovative Modelle entwickelt werden. Damit hängen sie von einer Reihe gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Faktoren ab.
"Gay 2000. Die schwule Welt im 21. Jahrhundert" ("Adam", 1995)
Die Schwulenzeitschrift "Adam" erschien mit unterschiedlichen Titeln von 1972 bis 2011. Im Jahr 1995 erschien darin der Artikel "Gay 2000. Der Zukunftsreport. Die schwule Welt im 21. Jahrhundert" ("Adam", 1995, Oktober). Darin geht es um die "Trends für das Gay-Life" der nächsten 20 bis 25 Jahre, wobei die Autoren nicht nur Science-Fiction bieten möchten, sondern auch auf Forschungsinstitute und Trend-Scouts verweisen. Die Prognosen: "Schwule werden wesentlich ungezwungener leben, (eigene) Freizeitparks haben und heiße Cybererotik entwickeln. Ihre Beziehungsmodelle werden auch von den Heteros nachgeahmt." Schwule Männer würden "zum Alltag des alles bestimmenden TV-Programms" gehören und als ganz "normal" wahrgenommen. "Schwule Paare bekommen im Steuer-, Renten-, Erb- und Versicherungsrecht dieselben Freiheiten wie die Heteros. Es wird wahrscheinlich keine staatlichen Homo-Ehen geben", weil die Ehe als überholt gelten werde. Ein Psychologe geht für die Zukunft von "serieller Monogamie" (zeitlich begrenzte treue Partnerschaften) aus. Durch einen Impfstoff gegen Aids "werden wir eine neue sexuelle Befreiung" und einen neuen "Experimentierschub" erleben. "Der Sex wird sich immer mehr von der Liebe abkoppeln." Poppers werde u. a. von der schwulen Sexdroge GHB abgelöst werden. "Was vielen unvorstellbar erscheint, wird bald Realität: Man kann sich mit dem Einlegen einer Diskette oder CD-Rom alle nur denkbaren Sexträume erfüllen. Nicht mehr Jean-Daniel Cadinot, sondern wir selbst bestimmen die Handlung. Wir werden uns online in Live-Sex einklinken. (…) 2020 ist das ein Samstagsabend-Vergnügen wie jetzt 'Wetten, dass …'." Online werde jeder Sex mit Brad Pitt haben können. Die "Gayszene" werde noch mehr entpolitisiert werden. Weil keine Todesanzeigen von Aids-Toten mehr erscheinen würden, werde der CSD die einzige "Erinnerung an vergangene Befreiungsschlachten sein". Mit einem Zentralcomputer in der Disco würden One-Night-Stands gebucht. Die Lederszene oder die "neue Gummivariation" würden neue Machtrituale erfinden. Mode werde wichtiger und "die gesellschaftlich bestimmende Kraft" werden. Zu den neuen Fetischen werde auch eine neue Blütezeit der Androgynität gehören, "Crossdressing wird zum Partyspaß".
Nur einige Anmerkungen zu diesem Text: Das Wort "gay" war im deutschen Sprachraum vor allem in den Achtziger- und Neunzigerjahren populär. GHB war bis zu seinem Verbot – in Deutschland ab 2002 – legal für jede*n erhältlich. Disketten waren bis in die frühen 2000er Jahre Standard und wurden danach durch CDs, DVDs und USB-Sticks abgelöst. Der Regisseur Jean-Daniel Cadinot (1944-2008) war Kult und drehte seit 1980 schwule Pornos.

Die Vorstellungen von einem schwulen Leben im Jahre 2000 in "Adam"
"Schwule Zukunft. Visionen für das Jahr 2000" ("Magnus", 1996)
In dem Beitrag "Schwule Zukunft. Visionen für das Jahr 2000" in der Schwulenzeitschrift "Magnus" (1996, Heft 1) kommen viele auch prominente Homosexuelle zu unterschiedlichen Themenbereichen zu Wort. Die Prognosen: "Es wird wohl eher das schwule 'Herzblatt' geben als die Homo-Variante von 'aspekte'." Bisher sei der Homosexuelle eher campes Beiwerk, schriller Pausenfüller oder "Betroffener". Jean-Daniel Cadinot über Pornos: "Ich (…) habe überhaupt keine Visionen für die Zukunft." Die neuen technischen Möglichkeiten machten den Sex künstlich und "die Phantasie verkümmert". Über Musik: "Erasure, Abba, die Pet Shop Boys und Gloria Gaynor bleiben uns (…) erhalten" – genauso wie Madonna. Über Sex: Die Esoterik werde sich "noch weiter ausbreiten", wie beispielsweise der Tantra-Sex. "Interaktive Pornos werden wie selbstverständlich in den Recorder geschoben: Der Zuschauer bestimmt die sexuelle Handlung per Mausklick selbst." Die Sehnsucht nach einem festen Partner werde bleiben und Fetische würden an Bedeutung gewinnen. "Schwule in Hollywood-Filmen werden entweder so plötzlich verschwinden, wie sie über uns hereingebrochen sind, oder aber als political-correctness-Anteil im Drehbuch ihr Dasein fristen." Über Aids: "Für die Schwulen des Jahres 2000, die möglicherweise genügend finanzielle Ressourcen haben", sähen die Prognosen vielversprechend aus, für andere nicht. Herbert Rusche über Politik: Viele Freiheiten seien bereits erkämpft worden und politische "Gruppen und Organisationen werden daher zwangsläufig zu netten Kaffeekränzchen". Über Sport: Die Anerkennung der Lesben und Schwulen durch den Sport "wird sich im Jahre 2000 durchgesetzt haben". Er setze große Hoffnungen auf die baltischen Staaten, Weißrußland, Ungarn und Polen.
Auch zu diesem zweiten großen Beitrag zur damals wenige Jahre bevorstehenden Jahrtausendwende einige Anmerkungen: Am 3. Januar 2003 gab es tatsächlich eine schwule Ausgabe der ARD-Dating-Show "Herzblatt" – moderiert von Jörg Pilawa. Mit dem Hinweis auf Schwule in Hollywood-Filmen sind Werke wie "My Own Private Idaho" (1991), "Philadelphia" (1993) und "The Birdcage" (1996) gemeint. Herbert Rusche war von 1985 bis 1987 der erste offen schwule Abgeordnete des Deutschen Bundestages gewesen.

Weitere Vorstellungen von einem schwulen Leben im Jahre 2000 in "Magnus"
Eine Traumreise zu einem Veteranentreffen im Jahre 2053 ("Box", 1997)
Die Schwulenzeitschrift "Box" veröffentlichte 1997 den Artikel "Wir freuen uns auf unsere Zukunft" (Box, 1997, November). Darin geht es um die erste schwule Zukunftswerkstatt, in der sich Jugendliche mit ihren "Perspektiven auf die Zukunft" austauschen konnten. Einen Ausblick auf die eigene Zukunft bot z. B. eine "Traumreise" zu einem "Veteranentreffen 2053". Beim Thema "Zukunft" hatten sich viele Jugendliche zunächst nur auf ihre berufliche Zukunft beschränkt, nun hatten sie auch die Möglichkeit, sich mit ihrer "persönlichen Zukunft auseinanderzusetzen, dabei wurde ihnen Angst genommen und sie kamen auch zu Erkenntnissen wie, daß sie ihre Forderungen nicht ausformulieren, sondern einfach leben wollten".
Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, dass junge Menschen mit dem Thema Zukunft anders umgehen als ältere. Bei jüngeren Menschen hat das Leben im Hier und Jetzt eine höhere Priorität und das Interesse an der Zukunft äußert sich weniger in traditionellen Formen wie Bausparen oder langfristigen Planungen, sondern eher durch Engagement in sozialen Bewegungen.
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In zehn Jahren ist Aids heilbar ("Siegessäule", 1997)
Der Artikel "The next generation" in einem Sonderheft des Berliner schwulen Stadtmagazins "Siegessäule" zum Thema Aids ("Siegessäule", 1997, Dezember) behandelt verschiedene Generationen von schwulen Männern, die unterschiedlich von Aids betroffen waren. Aus einem Interview mit zwei jungen Schwulen stammt das Zitat: "Wenn wir uns jetzt anstecken, werden wir vielleicht in zehn Jahren krank, dann ist Aids doch längst heilbar." In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass sich das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mit seinem Titel "Das Aids-Wunder" und dem Hinweis auf das "Ende des Sterbens" eine öffentliche Missbilligung des Deutschen Presserates eingehandelt habe. Auch wenn inzwischen weniger Menschen an Aids stürben, betont der "Siegessäule"-Autor: "Das völlige Verschwinden des Virus aus dem Blut Infizierter bleibt vorerst Utopie", und weiter: "Möglicherweise erleben wir gerade den Anfang vom Ende. Oder bloß das Ende vom Anfang." Der 21-jährige Sascha, der an seinem 18. Geburtstag ein positives Testergebnis erhalten hat, gibt im Interview an: "Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, nur das Positive zu sehen. (…) Meine Hoffnung ist es, 30 zu werden." In demselben Sonderheft erschien auch ein Artikel mit der Überschrift: "Wird Aids normal?"
Dieser Artikel wie auch der darin genannte "Spiegel"-Artikel sind bestimmt von der Einführung der Kombinationstherapien, die in westlichen Ländern ab 1997 erstmals breit zur Verfügung standen. Sie hatten einen erheblichen Einfluss auf die Zukunft von Aids, weil sie die HIV-Infektion von einem fast sicheren Todesurteil hin zu einer chronischen, handhabbaren und behandelbaren Erkrankung veränderten. Diese an sich gute Nachricht führte aber auch zu einer neuen Sorglosigkeit im Umgang mit Aids und einem (früher und heute) spürbaren Legitimationsdruck auf die deutschen Aids-Hilfen.

Eine neue Generation schwuler Männer trifft auf Veränderungen im Umgang mit Aids
Man wird uns daran messen, was wir erreicht haben ("Lambda-Nachrichten", 1997)
In der österreichischen Schwulenzeitschrift "Lambda-Nachrichten" (1997, Nr. 3) veröffentlichte Jürgen Ostler-Ganzmüller seinen Artikel "Die nächste Generation" – ebenfalls vor dem Hintergrund des kurz bevorstehenden 21. Jahrhunderts. Weil Schwule mit der Gesellschaft "oft unzufrieden sein müssen, üben Utopien und Science Fiction (auf sie) eine noch nicht näher geklärte Anziehungskraft aus". Die Hoffnung sei: "Eine zukünftige Gesellschaft, in der Schwule so viel wert sind wie jedes andere beliebige Gesellschaftsmitglied auch – mit absolut gleichen Rechten und Pflichten. (…) Es gibt nichts, was in der Utopie nicht längst vorgedacht worden wäre." Dabei nimmt der Autor mehrfach Bezug auf die Science-Fiction-Serie "Star Trek", unter anderem auf den Schauspieler Patrick Stewart, der in "Star Trek: The Next Generation" den Captain Jean-Luc Picard und in dem Film "Jeffrey" (1995) eine schwule Figur verkörperte. Warum sollte "nicht auch in der Zukunft (…) ein Schwuler die Enterprise kommandieren können?" Vielleicht werde es auch ein lesbisches Besatzungsmitglied geben. "Wir werden es noch erleben!" Es bedürfe Visionen, die den "Schwulen und Lesben den Weg ins nächste Jahrtausend ebnen müssen". Zu den offenen Forderungen gehöre immer noch die "Homo-Ehe". Die Zielrichtung sei die absolute Gleichstellung, bei der Österreich immer noch hinterherhinke. In Zukunft werde ein Coming-out selbstverständlich sein und es werde keine Diskriminierung mehr geben. "Doch bis ins 24. Jahrhundert gilt es noch viele Vorurteile, eingefahrene Denkschemata, Barrieren auszuräumen." "Und die nächsten Generationen werden uns an dem messen, was wir weitergebracht haben." Illustriert wurde der Artikel u. a. mit einer Fotomontage. in der die "Star Trek"-Charaktere Data und William T. Riker beim Oralverkehr zu sehen sind.
In Österreich gibt es die Ehe für alle seit 2019. Zu homosexuellen Charakteren in "Star Trek" lässt sich ergänzen, dass es zwar bis heute keinen offen schwulen Captain gab, dafür aber andere Entwicklungen, die die vorsichtige Öffnung der Serie erkennen lassen: Mit Lieutenant Paul Stamets und Dr. Hugh Culber in "Star Trek: Discovery" wurde das erste offen schwule Paar in einer "Star Trek"-Serie vorgestellt (s. queer.de: "'Star Trek: Discovery' stellt schwules Paar vor", 16. Oktober 2017) und eine ehemalige Borg-Drohne wurde zu einer lesbischen Figur entwickelt (s. queer.de: "Seven of Nine darf endlich lesbisch sein", 22. Februar 2020).

Über die Zukunft in "Star Trek" und in homosexuellen Zusammenhängen
Die Utopie einer schwulen Wohnsiedlung ("Adam", 1997)
Wolfgang Fey beschreibt in seinem Artikel "Schwules Wohnen – als Utopie?" ("Adam", 1997, Juni) die Gründe für das Scheitern einer schwulen Mehrgenerationen-WG in Köln unter Beteiligung des SVD (heute LSVD+) und der Gruppe "Gay and Gray". Das Wohnprojekt bzw. die "Muster-WG" war auch darauf ausgerichtet, die Möglichkeiten ähnlicher Projekte für die Zukunft auszuloten. Am Schluss des Artikels werden die "Adam"-Leser gefragt, was sie "von einer größeren 'Schwulen-WG', von einem 'Schwulen-Haus' mit mehreren Wohnungen unterschiedlicher Größe oder – größenwahnsinnig, wie man manchmal sein kann – von einer kleinen 'Schwulen-Siedlung' halten? Letzteres ist sicher Zukunftsmusik, alles andere aber eigentlich realisierbar."
Wie sich die Vorstellungen über schwule Wohnkommunen von politisch motivierten Rückzugsorten zu stärker in die Gesellschaft integrierten Wohnmodellen in den letzten Jahrzehnten verändert haben, ist gut durch einen Vergleich mit den oben aufgeführten Artikeln zu Wohnkommunen (s. 1971 und 1976) zu erkennen. Heute gibt es u. a. seit 2009 in Köln ein funktionierendes intergeneratives queeres Wohnprojekt. Die "Villa anders" ist ein Projekt der GAG Immobilien AG, das von der Stadt Köln unterstützt wird. Um eine soziale Mischung zu gewährleisten, umfasst es sowohl öffentlich geförderte als auch frei finanzierte Wohnungen (für weitere Infos s. die Website der "Villa anders").
Mehr zum Thema:
» Teil 1: Zurück in die schwule Zukunft – 1840-1918
» Teil 2: Zurück in die schwule Zukunft – 1919-1968
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