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Teil 4 von 4
Zurück in die schwule Zukunft: 1969-2000 (Filme)
Wie hat man sich früher homosexuelles Leben in der Zukunft vorgestellt? Im letzten Teil unserer Serie blicken wir auf Filme aus mehreren Jahrzehnten, die auch Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes sind.

In seinem Film "Der Schläfer" aus dem Jahr 1973 präsentierte Woody Allen einen schwulen Roboter in stereotyper Darstellung mit Knickhändchen
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4. Januar 2026, 03:43h 12 Min.
Weil sich Filme, die sich mit der Zukunft der Homosexualität beschäftigen, nur äußerst schwer in die Sachliteratur zum Thema einreihen, behandle ich sie separat. Die Thematisierung der schwulen Zukunft erfolgt in Filmen sehr unterschiedlich, was wohl auch daran liegt, dass die Zukunft als Thema so etwas ist wie eine leere Leinwand – ganz offen für menschliche Hoffnungen, Ängste und Spekulationen.
Diese Vielseitigkeit fängt schon beim Genre an: Es gibt aufrüttelnde Doku-Dramen ("Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", 1971), unterhaltsame Komödien ("Der Schläfer", 1973) und Dystopien in futuristischer Kulisse ("Metropolis 2000", 1982). Die Vorstellungen von der Zukunft können utopisch oder dystopisch sein. Filme können eine idealisierte Zukunft darstellen, in der die Menschheit Probleme gelöst hat, oder eine alarmierende Zukunft zeigen, die als Warnung für die Gegenwart dient.
Raus aus den Klappen, rein in die Straßen (Rosa von Praunheim, 1971/1998)
Im Herbst 1969 wurde der § 175 StGB bedeutend reformiert und homosexuelle Handlungen unter erwachsenen Männern waren nicht mehr strafbar. Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (1971) setzt sich insofern mit der Zukunft von Schwulen auseinander, als in der Schlussszene (ab 54:00 Min.) zur politischen Selbstorganisation aufgerufen wird. Unter anderem wegen dieses Aufrufs wurde der Film zu einem wichtigen Auslöser der modernen deutschen Schwulen- und Lesbenbewegung. Der Slogan "Raus aus den Klappen, rein in die Straßen!" war eine zentrale Parole der frühen Homosexuellenbewegung und wurde durch den Film popularisiert.
Auch später befasste sich Rosa von Praunheim regelmäßig mit der Geschichte der Homosexuellenbewegung. In seinem Film "Schwuler Mut. 100 Jahre Schwulenbewegung" (1998) hat er nicht nur die schwule Vergangenheit, sondern auch die Zukunft behandelt. Er nennt hier San Francisco als Vorbild für eine "schwule Zukunft". Der Film endet mit dem Satz: "Danke, San Francisco, denn eine schwule Zukunft ist undenkbar ohne schwule Geschichte. Für die nächsten 100 Jahre wünsche ich alles Gute."

Der Aufdruck "Homo 2000" auf einem Rosa Winkel, den Schwule während der NS-Zeit im KZ tragen mussten, verbindet Gegenwart und Zukunft. Filmszene aus "Schwuler Mut. 100 Jahre Schwulenbewegung" (1998)
Woody Allen trifft im Jahr 2170 auf einen schwulen Roboter ("Der Schläfer", 1973)
In dem Film "Der Schläfer" (1973) von und mit Woody Allen wird Miles Monroe (D: Woody Allen) nach einem 200-jährigen künstlichen Tiefschlaf wieder ins Leben zurückgeholt. Was Monroe im 22. Jahrhundert erlebt, stellt Allen als satirische Komödie bzw. als Science-Fiction-Parodie vor. Dazu gehört auch eine Szene von rund zwei Minuten, in der Monroe auf einen stereotyp dargestellten Homosexuellen trifft. Dieser wohnt elegant, hat eine künstlerische Inneneinrichtung, spricht mit leicht höherer Stimmlage, sucht den körperlichen Kontakt mit Monroe und bewegt sich recht feminin. Mit einem anderen Mann wohnt er offenbar zusammen. Dann ruft er nach "Reagan" und es tritt ein nicht minder klischeehaft schwuler Roboter mit einer Schürze, Knickhändchen und einem wiegenden Gang in den Hüften auf.
Diese Szenen sind typisch für Woody Allens satirischen Humor, der natürlich nicht den Anspruch erhebt, die Realität darzustellen. Seine Darstellung kann – je nach individueller Wahrnehmung – als unterhaltsam und enttabuisierend oder als negativ-klischeehaft angesehen werden. Solche stereotypen Darstellungen sind in Filmen der vorigen Jahrzehnte seltener geworden, aber z. B. in "Das Kanu des Manitu" (2025) bis heute präsent.
Ein bisexueller Außerirdischer ("The Rocky Horror Picture Show", 1975)
Der Film "The Rocky Horror Picture Show" (1975) ist eine "bizarr-groteske Pop-Parodie auf Horror-, Monster-, Science-Fiction- und Musikfilme" und ein Klassiker der Siebzigerjahre ("Lexikon des internationalen Films"). Hauptprotagonist ist der bisexuelle Dr. Frank N. Furter, stets gekleidet in Mieder, Strapse und mit hochhackigen Schuhen. Der Film beinhaltet verschiedene Science-Fiction-Elemente. Dazu gehört der Titelsong "Science Fiction / Double Feature", der am Anfang zu hören ist. Am Ende des Films geben sich Riff Raff und Magenta als Außerirdische vom Planeten "Transsexual" zu erkennen, das Schloss verwandelt sich in ein Raumschiff und fliegt in den Weltraum.
Der Film hat eine kraftvolle Botschaft, die sich um sexuelle Befreiung, Individualität und die Akzeptanz des eigenen Selbst dreht. Sie lässt sich im Satz aus dem Song "Don't Dream It, Be It" zusammenfassen: "Träume es nicht, sei es." Der Film stellt gesellschaftliche Normen und Konventionen in Bezug auf Geschlecht, Kleidung und Verhalten und auch die bürgerliche heteronormative Welt (repräsentiert durch Brad und Janet) infrage, wobei durch den Protagonisten Frank N. Furter Bisexualität besonders präsent ist.

Riff Raff und Magenta sind Außerirdische vom Planeten "Transsexual" (Filmszene aus "The Rocky Horror Picture Show" von 1975)
"Metropolis 2000" (1982)
Der italienische Actionfilm "Metropolis 2000" (1982) zeigt eine postapokalyptische Welt nach einem Atomkrieg. Der Held des Films ist der Einzelkämpfer Scorpion, der im Jahr 2019 friedliche Menschen zu beschützen versucht. Sein Gegenspieler ist One, der Anführer einer brutalen Bande namens "Templer". In einer Filmszene (54-56 Min.) wird angedeutet, wie der gefesselte Scorpion von One gefangen genommen und anal vergewaltigt werden soll.
Die Charaktere und die Handlung konzentrieren sich auf Action, Gewalt und eine einfache Gut-gegen-Böse-Dramatik. Dabei ist die sexualisierte Gewalt als Machtdemonstration das Einzige, das auf Sexualität verweist. Außer diesen zwei Minuten gibt es im Film keine Hinweise auf Homosexualität, womit ich Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft. Das Lexikon Homosexualität in Film und Video", 1989, S. 121) bei seinen Ausführungen widerspreche, der allerdings auch keine positiven Worte findet, um diesen Film zu beschreiben. Weil der gute Protagonist heterosexuell und der böse Antagonist offenbar homosexuell ist, wird der Film in "Out im Kino. Das lesbisch-schwule Filmlexikon. (2003. S. 248-249) als denunziatorisch bezeichnet. Das stimmt, wenn diese Filmszene auch zu kurz und zu unklar ist, um überhaupt denunziatorisch zu wirken.
"Caught Looking" (1991)
In dem britischen Kurzfilm "Caught Looking" (1991, 35 Min.) lebt der schwule Steven mithilfe des interaktiven Virtual-Reality-Spiels "Caught Looking" seine sexuellen Phantasien aus und steuert über seinen Bildschirm sein virtuelles Alter Ego durch verschiedene Szenarien. Zu den virtuellen erotischen Begegnungen, die er erlebt oder in Betracht zieht, gehören Treffen mit Matrosen und einem schnurrbärtigen "Klon", Sex in einer öffentlichen Toilette und Szenen im Stil von Muskelmann-Filmen der Fünfzigerjahre.
Der Film ist eine intelligente und nostalgische Betrachtung der sich wandelnden schwulen Cruising-Kultur vergangener Epochen, wobei er geschickt mit Szenen in Farbe, Schwarz-Weiß und Sepia-Tönung arbeitet. In der Form, wie der "echte" Steven die Geschehnisse ironisch aus dem Off kommentiert, ist der Film humorvoll und subversiv. Er entstand vor dem Beginn der breiten Nutzung des Internets und nimmt die Entwicklung von Online-Dating-Apps vorweg. Das Internet setzte sich erst ab Mitte der Neunzigerjahre als Massenmedium durch. Ausschlaggebend dafür war ab 1993 das World Wide Web, das ab 1997 die Nutzer*innenzahlen explodieren ließ. Der Film von 1991 wurde zu Recht 1992 mit dem Teddy für den besten schwulen Kurzfilm ausgezeichnet und ist heute immer noch sehenswert.

Steven schaut sich einen erotischen Film an, in dem er selber (Mitte) mitspielt (Filmszene aus "Caught Looking" von 1991)
"Gayniggers from Outer Space" (1992)
Der dänische Science-Fiction-Kurzfilm "Gayniggers from Outer Space" (1992, 28 Min.) ist eine satirische Blaxploitation-Parodie, die von einer Gruppe intergalaktischer, schwarzer Homosexueller vom Planeten "Anus" handelt. Beim Reisen durch die Galaxie entdeckt die Crew, dass auf der Erde weibliche Kreaturen existieren, die die männliche Bevölkerung unterdrücken. Mithilfe von Strahlenwaffen eliminiert sie systematisch alle Frauen auf dem Planeten, um die Männer zu "befreien" und eine rein homosexuelle Gesellschaft zu etablieren. Bevor die Gruppe die Erde verlässt, setzt sie einen "schwulen Botschafter" ein, der die verbleibenden Erdlinge über ihre neue Lebensweise aufklären soll.
Der Film ist eine Low-Budget-Komödie, die mit Klischees und politisch inkorrektem Humor spielt.
"Lipton Cockton in the Shadows of Sodoma" (1995)
Der Privatdetektiv Lipton Cockton ist der Protagonist des finnischen Noir-Films "Lipton Cockton in the Shadows of Sodoma" (1995). Der Film spielt im Jahr 2037 vor allem in der dystopischen Metropole Wladiwostok. Die "Schatten von Sodom" im Filmtitel beziehen sich auf die biblische und ebenfalls sündhafte Stadt Sodom, die von Gott zerstört wurde. Eine Filmszene spielt in einer schwulen Lederbar, in der Lipton Cockton von Männern vergewaltigt wird. Es ist auffallend, dass der Detektiv immer seinen Hahn dabei hat.
Als Kampfhahn verweist dieser auf toxische Männlichkeit, er hat aber wohl auch eine phallische Bedeutung (= cock), weil Cockton ihn sogar mit in sein Bett nimmt, wo er ihn liebevoll streichelt. Der Film ist in einem surrealistischen Stil gedreht und bietet absurden Humor in düsterer Atmosphäre. In erster Linie behandelt er das Leben in einer totalitären Welt, am Rande aber auch Themen wie Individualität und die sexuelle Selbstfindung des Protagonisten.
"Das fünfte Element" (1997)
Der Film "Das fünfte Element" (1997) ist ein bunter und actionreicher Mix aus Komödie, Science-Fiction- und Actionfilm, der im 23. Jahrhundert spielt. Er beginnt in einem ägyptischen Tempel, wo ein Archäologe Inschriften über das unfassbar Böse findet, das alle 5000 Jahre wiederkehrt, um alles Leben auf dieser Erde zu zerstören. Die einzige Waffe, die dieses Übel aufhalten kann, besteht aus vier Steinen, die die klassischen Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft repräsentieren, und einem mysteriösen fünften Element. Die beiden Protagonisten, die junge Leeloo und der ehemalige Elite-Soldaten Korben Dallas, versuchen, die vier elementaren Steine zu finden, um die Erde vor dem Untergang zu bewahren.
In einer Nebenrolle ist die extravagante und schillernde Person Ruby Rhod zu sehen (Auszüge 2:16 Min. auf Deutsch und 10:07 Min. auf Englisch), die aufgrund ihres Auftretens und ihrer Kleidung als genderfluid bezeichnet werden kann. Sie wird von einem Gefolge männlicher Bewunderer begleitet, aber auch von Frauen begehrt. Die Darstellung von Ruby Rhod bricht erkennbar mit traditionellen Geschlechterstereotypen in Mainstream-Actionfilmen und trägt zur Vielfalt der im Film gezeigten futuristischen Welt bei. Damit ist Diversity als Teil der futuristischen Gesellschaft im 23. Jahrhunderts erfahrbar, auch wenn dies nicht das Hauptthema oder -anliegen dieses Films ist.

Die schillernde Person Ruby Rhod in "Das fünfte Element" (1997)
Die queere Zukunft bei den "Simpsons" (1995-2012)
Einige Folgen der US-Zeichentrickserie "Simpsons" spielen in der Zukunft und erlauben zum Teil mehrere mögliche Sichtweisen, wie sich die Figuren in der Zukunft noch verändern könnten. So werden in einer Zukunftsvariation die beiden Kinder Rod und Todd junge schwule Männer, die ihr Coming Out haben (2000. 11/17). Martin Prince nennt sich später Martia Princess und hat sich vielleicht einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen (2011. 23/9). Von Smithers gibt es zwei unterschiedliche Zukunftsversionen. In einer ist er weiterhin in Mr. Burns verliebt (1995. 6/19). In einer anderen betont Smithers: "Ich bin hetero – solange ich mir alle zehn Minuten diese Spritze gebe". Danach setzt er sich eine Spritze und schreit er rum: "Ich liebe Möpse" (2005. 16/15), was – im Kontext dieser Folge – eine gelungene Parodie auf Konversionstherapien ist. Auch bei Lisa gibt es unterschiedliche Zukunftsvorstellungen. In einer davon ist sie auf einem Familienfoto mit zwei Frauen zu sehen, mit der sie offenbar eine Beziehung führt (2011. 23/9). Einige Figuren werden auch in ihrer Vorliebe für gleichgeschlechtliche Roboter gezeigt. Auf einem Ball mit lauter Liebespaaren tanzt Martin Prince mit einem männlichen Roboter und fragt ihn "Hast du schon Pläne, was Du nach der Schule machst?" (2005. 16/15). Die lesbische Patty ist mit ihrem weiblichen und ihre heterosexuelle Schwester Selma mit ihren männlichen Liebesroboter zu sehen. Die beiden Liebesroboter sind aber offenbar heterosexuell und brennen gemeinsam durch (2011. 23/9). Zwei andere Roboter werden schwul, nachdem sie sich mit Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" beschäftigt haben (2012. 23/17).
Auch die queeren Anspielungen in der Zukunft leben von dem typischen "Simpsons"-Humor, sind von einer inneren Sensibilität getragen und werden mit unaufdringlicher gesellschaftspolitischer Satire verbunden. Die Idee von schwulen und lesbischen Liebesrobotern ist zwar nicht neu, wird in der Serie aber unterhaltsam variiert.

Eine mögliche Zukunft bei den "Simpsons": Die Kinder Lisa, Rod und Todd werden ihr Coming Out haben
Sechs Kurzfilme seit dem Jahr 2000
Mein Artikel sollte ursprünglich mit dem Jahr 2000 enden. Von den vielen Kurzfilmen, die seit diesem Jahr die schwule Zukunft behandeln, möchte ich dennoch sechs besonders kreative Beispiele kurz vorstellen.
"Hirsute" (2007, 14 Min.) handelt vom schwulen Wissenschaftler Kyle, der von sich selbst aus der Zukunft besucht wird. Der Film nutzt das Konzept der Zeitreise, um Fragen der Selbstakzeptanz und der persönlichen Entwicklung der Protagonisten zu erforschen.
In "Hirsute" trifft Kyle sich selbst aus der Zukunft
In "Utopies" (2012, 21 Min.) erkunden Thomas und Julien die Vorstädte von Paris mit einer zum Teil avantgardistischen Architektur. Die zukunftsweisende Architektur wird im Film mit den eher unbestimmten persönlichen Utopien der beiden jungen Männer verbunden.

Utopische Architektur, wie hier in einer Filmszene, trifft auf persönliche Utopien
In "The Invention" (2013, 14 Min.) trifft ein Mann auf einen Studenten, der an einer Zeitmaschine arbeitet. Der Titel verweist auf Erfindung/Phantasie, was sich sowohl auf die Zeitmaschine als auch auf den Sex der beiden Männer bezieht, der vielleicht nur in der Phantasie stattfindet.
In "Closets" (2015, 19 Min., hier Trailer online) schließt sich der 16-jährige Henry 1986 in seinem Schlafzimmerschrank ein. Als er den Schrank kurz danach wieder verlässt, sind 30 Jahre vergangen und er trifft auf Ben, der 30 Jahre später dasselbe Schlafzimmer bewohnt und mit dem er vergangene und gegenwärtige Probleme besprechen kann.
In "Pink Moon" (2015, 17 Min.) geht es um eine dystopische Gesellschaft, in der Heterosexuelle verfolgt werden und aus einer heteronormativen Welt eine homonormative Welt geworden ist, wobei selbst der Mond in der schwulenpolitischen Signalfarbe Pink erscheint.
In "In Another Time" (2025. 17 Min.) begegnen sich zwei fremde Männer in einem Hotelzimmer; der eine Mann lebt im Jahr 1944, der andere im Jahr 2024. Es ist eine tragische und romantische Zeitreise-Liebesgeschichte, bei der auch das Buch "The Time Machine" eine Rolle spielt.
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Resümee
Manche Vorstellungen über die schwule Zukunft lassen sich über Jahrhunderte hinweg miteinander vergleichen. Dazu gehören unterschiedliche Utopien oder Dystopien über die freie Liebe (s. 1820, 1904, 1907) und über die Homo-Ehe (s. 1869, 1976). Vergleichen lassen sich auch unterschiedliche Vorstellungen gemeinsamen Lebens und Wohnens, wie sie in den Wünschen nach einem homoerotischen Männerorden (1920), schwulen Wohnkommunen (1970, 1971) und queeren Wohnprojekten (1997) deutlich werden. Manchmal sind es sogar dieselben Mittel, mit denen auf Diskriminierung hingewiesen wird, wenn z. B. auf satirische Weise die gesellschaftlichen Verhältnisse von Homo- und Heterosexualität in der Zukunft umgedreht werden – wie in dem Comic "Gay Liberation" (1975) und dem Kurzfilm "Pink Moon" (2015).
Aussagen über die Zukunft machen immer auch Aussagen über die Zeit, in der sie entstanden sind. Das fängt schon bei Begrifflichkeiten an: Es ging zunächst fast nur um schwule Männer, um "Homos" und "Gays" und erst später um Schwule und Lesben (der Begriff "queer" setzte sich in der breiteren Öffentlichkeit erst im 21. Jahrhundert durch). Einige Beiträge aus der wilhelminischen Zeit und den Fünfzigerjahren verdeutlichen auch die besonders schwierigen Emanzipationskämpfe und die Einsamkeit homosexueller Männer.
Sich mit früheren Vorstellungen einer schwulen Zukunft zu beschäftigen ist für mich nicht nur spannend, um die Vergangenheit zu verstehen. Die Beschäftigung mit der Frage nach schwuler Zukunft kann in einer unsicheren und sich ständig verändernden Welt auch Orientierung geben, um die gewünschte Zukunft aktiv zu gestalten, gute Entscheidungen im Hier und Jetzt zu treffen und nicht nur passiv auf Entwicklungen zu warten.
Mehr zum Thema:
» Teil 1: Zurück in die schwule Zukunft – 1840-1918
» Teil 2: Zurück in die schwule Zukunft – 1919-1968
» Teil 3: Zurück in die schwule Zukunft – 1969-2000
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