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Interview
Wie wichtig ist eine queere Hauptrolle in einer Mainstream-Serie, Zachary Quinto?
Die US-Krankenhausserie "Brilliant Minds" über einen schwulen Neurologen ist jetzt auf RTL+ zu sehen. Bei einer virtuellen Pressekonferenz konnten wir dem ebenfalls queeren Hauptdarsteller einige Fragen stellen.

Zachary Quinto als Dr. Oliver Wolf in "Brilliant Minds" (Bild: NBC)
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4. Januar 2026, 04:39h 4 Min.
Während in den USA bereits die zweite Staffel läuft, ist "Brilliant Minds" in Deutschland erst vor einigen Wochen gestartet (und bei RTL+ zu sehen). Die Krankenhausserie basiert auf den Werken des schwulen Neurologen und Bestseller-Autors Oliver Sacks ("Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte") und handelt von dessen ebenso brillantem wie exzentrischen Quasi-Alter Ego Oliver Wolf, der in einem fiktiven Krankenhaus in New York arbeitet. Im Rahmen des US-Starts von "Brilliant Minds" beantwortete uns der schwule Hauptdarsteller Zachary Quinto bei einer virtuellen Pressekonferenz ein paar Fragen.
Zachary, waren Sie sofort Feuer und Flamme, als sich bei "Brilliant Minds" mal wieder die Chance bot, eine feste Serien-Hauptrolle zu übernehmen?
Ehrlich gesagt habe ich erst einmal gezögert. Ich hatte gerade eine Weile in London auf der Bühne gestanden, wo ich in einem Stück Gore Vidal gespielt hatte, und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Aber eine Serie fürs amerikanische Free-TV, mit wöchentlich einer neuen Folge – so etwas hatte ich seit mehr als einem Dutzend Jahre nicht gedreht. Davon, dass diese Art des Arbeitens das Richtige für mich sei, war ich nicht auf Anhieb überzeugt. Doch nach einem persönlichen Treffen mit Michael Grassi, dem Schöpfer und Showrunner der Serie, war ich dann doch schnell Feuer und Flamme.
Grassi, der als Autor auch an "Schitt's Creek" beteiligt war, ist selbst schwul, produziert wird die Serie unter anderem von Greg Berlanti. War der starke LGBTI-Bezug dieser Mainstream-Serie für Sie ein entscheidender Faktor?
Zunächst einmal war das Wichtigste, dass "Brilliant Minds" eine Verneigung vor der Arbeit und der Menschlichkeit von Oliver Sacks ist. Sein Blick auf die Welt und uns Menschen ist derart hoffnungs- und verständnisvoll. In Zeiten wie diesen ist das wichtiger denn je!
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Dass der Protagonist einer so dezidiert für die breite Masse produzierten Serie ein queerer Mann ist, hat doch aber auch eine besondere Signifikanz, oder?
Das Bedeutende an der sexuellen Identität dieser Figur ist für mich eigentlich die Tatsache, dass sie praktisch unbedeutend ist. Dass Oliver Wolf schwul ist, ist nicht das Thema der Serie und keine Schlagzeile wert, sondern einfach nur einer von vielen Aspekten seines Lebens. Es geht uns vor allem darum, dreidimensionale Menschen zu zeigen, die mehr als nur eine Facette haben und gleichzeitig sowohl einzigartig, aber eben auch selbstverständlich Teil einer Gemeinschaft sind. Als Gegen-Botschaft zum aktuellen Schwarz-Weiß-Denken in unserer gespaltenen Gesellschaft ist das meiner Meinung nach eine wichtige Botschaft, gerade für Menschen in den USA abseits der Metropolen.
Sie haben für die Rolle sicherlich das eine oder andere über Neurologie gelernt. Auch irgendetwas ganz Praktisches?
Oh ja, ich habe gelernt, Motorrad zu fahren. Oliver Sacks war ja bekanntermaßen ein begeisterter Motorradfahrer, deswegen wollten wir Oliver Wolf ihm auch in dieser Hinsicht nachempfinden. Ich kann nun nicht unbedingt behaupten, dass ich mich auch privat auf so eine Maschine setzen werde. Aber die Fahrstunden waren schon ziemlich aufregend.
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Die Bandbreite Ihrer Arbeit reicht von Theater bis Synchron, von Horror bis Komödie. Wonach suchen Sie sich eigentlich Ihre Rollen aus?
Das Genre oder das Medium eines Projekts ist für mich immer zweit- bis drittrangig. Ich horche einfach immer in mich hinein, ob sich eine Rolle passend dafür anfühlt, wo ich gerade in meinem Leben stehe. Kann und will ich eine Figur oder eine Geschichte so nah an mich heranlassen? Solche Fragen stelle ich mir bei jedem Drehbuch.
Es gab eine Zeit in meiner Karriere, in der ich viele böse, düstere und abgründige Männer verkörpert habe. Aktuell fühlt es sich für mich richtiger an, jemanden wie Oliver Wolf zu spielen, dessen Tun in Mitgefühl, Optimismus und Akzeptanz verwurzelt ist. "Brilliant Minds" hätte zu keinem besseren Zeitpunkt in mein Leben treten können. Und zu wissen, dass ich damit auch Oliver Sacks die Ehre erweise, der in Sachen Medizin, Wissenschaft und Literatur so unglaublich viel geleistet hat, macht mich doppelt dankbar.
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