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Timothy Radcliffe
Britischer Kardinal: Es gab schon mal einen schwulen Papst
Gab es mal einen schwulen Pontifex? Karidal Timothy Radcliffe ist davon überzeugt. Gleichzeitig erklärte er, dass die sexuelle Orientierung nicht wichtig sei.

Kardinal Timothy Radcliffe unterstützt eine Willkommenskultur für Menschen, die sich oft von der Kirche abgelehnt fühlen (Bild: Mariusz Kubik / wikipedia)
- 8. Januar 2026, 09:52h 2 Min.
Der 80-jährige Londoner Kardinal Timothy Radcliffe hat sich in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Londoner Zeitung "The Telegraph" (Bezahlartikel) überzeugt gezeigt, dass es unter den bisher 267 Päpsten auch mindestens einen Schwulen gegeben habe. "Ich bin sicher, es hat schon einen gegeben! Ich habe keine Ahnung, wer."
Gleichzeitig glaube er aber nicht, "dass die sexuelle Identität von Menschen besonders wichtig" sei. "Ich mache mir keine Sorgen, wenn jemand schwul ist – Sorgen würde ich mir machen, wenn jemand niemanden liebt", so Radcliffe.
Radcliffe will trans Menschen "willkommen heißen"
Anders als viele seiner Kollegen zweifelte Radcliffe in dem Interview auch die Existenz von trans Menschen nicht an: "Ich glaube, dass es eine sehr kleine Zahl von Menschen gibt, die unter Geschlechtsdysphorie leiden. Man muss sie willkommen heißen." Gleichzeitig sprach er sich gegen ein Selbstbestimmungsgesetz aus, sondern verlangte hohe Hürden bei der Änderung des Geschlechtseintrags: "Ich glaube nicht, dass einfach irgendjemand sagen kann: 'Ich habe das Recht zu sagen, dass ich eine Frau bin', weil unsere Biologie grundlegend ist", erklärte er. "Man steht nicht auf und sagt: 'Ich habe beschlossen, dass ich dies oder das sein werde.' Das ist eine falsche, illusionäre Vorstellung von Freiheit."
Der Brite Radcliffe, der im Dezember 2024 vom damaligen Papst Franziskus zum Kardinal ernannt wurde, hatte sich in der Vergangenheit intensiv für HIV-Positive und queere Menschen engagiert. So feierte er jahrzehntelang Gottesdienste in London, die sich ausdrücklich an Schwule wandten.
Dennoch vertritt er queerfeindliche katholische Positionen, etwa das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben. So sagte er 2012: "Die katholische Kirche lehnt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nicht ab. Sie hält sie für unmöglich. Die Ehe gründet auf der grundlegenden Tatsache der geschlechtlichen Verschiedenheit und ihrer potenziellen Fruchtbarkeit." Freilich wird auch bei katholischen Ehen nicht überprüft, ob ein heterosexuelles Paar fruchtbar ist – auch wird Frauen, die die Wechseljahre durchlebt haben, eine Ehe nicht verweigert. Weiter erklärte Radcliffe, dass die Ehe "überall und zu allen Zeiten auf der Vereinigung in der Verschiedenheit von Mann und Frau begründet ist". (dk)














