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Kinostart
Der Schwulenjäger, der sich beim Cruising verliebt
Der junge Undercover-Polizist Lucas soll Schwule verführen, um sie dann festnehmen zu können. Doch einer der Männer hat es ihm selbst angetan. Der spannende Liebesthriller "Plainclothes" spielt 1997 – ist aber erstaunlich aktuell.

Szene aus "Plainclothes" (Bild: Cinemien)
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14. Januar 2026, 04:43h 4 Min.
Kein Wort sagen und die Toilettenkabine nicht betreten: Das sind die wichtigsten Regeln für die Undercover-Polizisten. Sie sitzen in der Mall von Syracuse im Staat New York und flirten mit Männern. Verstohlene Blicke, ein zaghaftes Lächeln, ein kaum wahrnehmbares Nicken – dann geht der Lockvogel zur Toilette.
Dort geht das Spiel weiter. Doch sobald das schwule, bisexuelle oder neugierige Opfer seine Hose öffnet, stürmt der Undercover-Polizist nach draußen, gibt seinem Kollegen Bescheid, und schon klicken die Handschellen. Wieder einen erwischt. Erregung öffentlichen Ärgernisses würde das auf Deutsch heißen.
Der Schönling ist ein guter Verführer

Poster zum Film: "Plainclothes" startet am 15. Januar 2026 im Kino
Lucas ist einer der Beamten, die so ihren Arbeitsalltag verbringen. Er, gespielt von Tom Blyth, ist ein junger, glatter Schönling. Natürlich ist er erfolgreich, seinen Chef freut das. Nur er selbst bekommt die Bilder der erschrockenen Gesichter der Verhafteten nicht aus dem Kopf. Sie sind voller Scham und Demütigung. Außerdem hat er selbst gerade erst entdeckt, (auch) auf Männer zu stehen. Wie kann er seinen Job damit vereinbaren?
Männer, die auf öffentlichen Toiletten Sex suchen, und die Polizei, die solche Treffpunkte im Visier hat: Das hat eine lange Tradition. Doch der US-amerikanische Liebesthriller "Plainclothes" – übersetzt "in Zivil" – spielt nicht etwa in den 1980er Jahren, als Ronald Reagan Präsident war, sondern 1997. Und doch ist er traurigerweise besonders aktuell.
Cruising fasziniert das queere Kino
Denn im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die Polizei der US-Bahn Amtrak in der bekannten New Yorker Penn Station genau so agiert. Die Rede ist von rund 200 Männer, die verhaftet wurden. Die meisten von ihnen wurden zwar nicht angeklagt. Doch einige Fälle wurden an die mittlerweile berüchtigte US-Einwanderungsbehörde ICE weitergegeben. Den betroffenen Männern droht die Abschiebung.
Die Thematik in "Plainclothes" ist also gleichzeitig uralt und brandaktuell. Auch homosexuelles Cruising, mit seinen vielen Codes und Konventionen eine aussterbende schwule Kulturtechnik, beschäftigt immer wieder das Kino: Vom gleichnamigen Thriller von William Friedkin mit Al Pacino als Polizist, der in die Szene eintaucht, um eine Mordserie aufzuklären, bis zu "Beach Rats" über einen Teenie, der am Strand von Coney Island nach Sex sucht – es bleibt faszinierend. Und schließlich ist auch der zentrale Konflikt von Lucas einer, der sich durchs queere Kino zieht: Aus Angst vor der eigenen sexuellen Orientierung handelt er dagegen. Ein aussichtsloser Kampf, immer.
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Lucas fühlt sich selbst beobachtet
Dieser Gewissenskonflikt spitzt sich zu, als er bei seiner Arbeit in Zivil auf Andrew trifft. Der Mann, etwas älter als er, gefällt ihm. Er lockt auch ihn zur Toilette. Er könnte ihn verhaften, doch er tut es nicht. Stattdessen wollen sie sich wiedersehen. Doch so wie Lucas sein Geheimnis hat, trägt auch Andrew eines in sich.
"Plainclothes", der im vergangenen Jahr seine Premiere in Sundance feiert, wechselt geschickt zwischen Thriller und Liebesgeschichte. Das schafft Regisseur Carmen Emmi in seinem Debüt auch, indem er immer wieder Szenen in wackeligen Camcorder-Bildern filmt, als stammten sie von einer Überwachungskamera. Denn Lucas, der das heimliche Beobachten in seinem Job perfektioniert hat, fühlt sich jetzt selbst ständig überwacht und verfolgt – auch wenn er dabei vor allem an sich denkt und nicht an die Männer, die er als Cop in Schwierigkeiten gebracht hat.
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Es könnte alles so einfach sein
Seine Familiengeschichte und -konflikte sind nur holzschnittartig und sehr erwartbar angelegt, nehmen dafür aber erstaunlich viel Raum ein. Kaum eine der Nebenfiguren hebt sich vom Klischee ab: Der fiese Onkel, die verzweifelte Mutter, die um den toten Vater trauert, und deshalb nicht noch mit seiner Homosexualität konfrontiert werden soll.
Das ist schade, weil in der Geschichte zwischen dem Polizisten Lucas und Andrew bereits genug Spannung und Konflikt steckt. Die beiden Darsteller harmonieren miteinander. Es könnte alles so einfach sein, denkt man zwischendurch, wenn die Umstände anders wären. Die Anziehung der beiden füreinander ist spürbar, vor allem in Momenten, in denen sie plötzlich in Zerrissenheit kippt. Genau dann ist "Plainclothes" besonders stark.
Plainclothes. Drama. Großbritannien, USA 2025. Regie: Carmen Emmi. Cast: Christian Cooke, Maria Dizzia, Russell Tovey, Sam Asa Brownstein, Tom Blyth. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Cinemien. Kinostart: 15. Januar 2026
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