https://queer.de/?56482
Gleichbehandlung
USA: Supreme Court wird wohl trans Rechte im Sport beschneiden
Bei einer Anhörung beschäftigten sich das höchste Gericht der USA mit Sportverboten für trans Menschen – und deutete an, dass es wohl auf Trump-Linie ist.

Vor dem Höchstgericht in Washington protestierten auch queere Aktivist*innen (Bild: IMAGO / Light Studio Agency)
- 14. Januar 2026, 11:26h 3 Min.
Die konservative Mehrheit beim höchsten US-Gericht in Washington hat am Dienstag bei einer dreistündigen Anhörung durchblicken lassen, dass es transfeindliche Gesetze in 27 der 50 US-Bundesstaaten wohl unangetastet lassen wird. Konkret geht es um Verbote für trans Mädchen und Frauen, an Schulen oder Universitäten bei Frauensportteams teilzunehmen. Beim Supreme Court stellen die regierenden Republikaner sechs der neun Richter*innen – und entscheiden oft auf Basis ihres Parteibuches. Eine Entscheidung des Gerichts wird zwischen März und Juni erwartet.
Geklagt hatte die Mutter eines jetzt 15-jährigen trans Mädchens aus West Virginia, dem der Zugang zum Sportunterricht verwehrt worden war. Außerdem klagte eine 24-jährige trans Frau aus Idaho, die nicht am Unisport teilnehmen durfte. Während der Anhörung setzten sich die neun Richter*innen mit Fragen der Fairness, wissenschaftlicher Unsicherheiten und Diskriminierung auseinander und wirkten laut "New York Times" (Bezahlartikel) "entlang ideologischer Linien gespalten".
Die republikanischen Richter*innen betonten, dass das Bundesrecht seit Langem getrennte Sportmannschaften für Jungen und Mädchen erlaube, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Sie äußerten Bedenken, dass die Ziele des US-Bundesgesetzes Title IX untergraben werden könnten – jenes Bürgerrechtsgesetzes aus dem Jahr 1972, das die Teilnahme von Frauen am Sport maßgeblich gefördert hatte.
Die drei demokratischen Richterinnen deuteten bereits an, dass sie wohl überstimmt werden würden. Sie setzten sich dafür ein, dass die Klägerinnen ein untergeordnetes Gericht anrufen sollte, um nachzuweisen, dass sie keine unfairen Wettbewerbsvorteile besitzen.
"Sport ist für ALLE da"
Vor dem Supreme Court protestierten Befürworter*innen und Gegner*innen der trans Verbote. Die LGBTI-Organisation Human Rights Campaign erklärte auf Facebook: "Sport ist für ALLE da! […] Jetzt müssen wir mehr denn je unsere Stimme erheben, die Lügen konfrontieren und trans Jugendliche lautstark unterstützen."
LGBTI-Organisationen erklärten, das Sportverbot für trans Frauen verstoße gegen den 14. Zusatz der US-Verfassung, das die Gleichbehandlung aller Menschen vorschreibt. Diese Klausel war zentral für viele Urteile gegen Diskriminierung, zum Beispiel aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht und später auch sexueller Orientierung. Deshalb entschied der Supreme Court etwa 2015, dass das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen verfassungswidrig sei (queer.de berichtete). Allerdings war das Gericht damals ausgeglichener besetzt gewesen.
Trump entfesselte Kulturkampf gegen trans Menschen
Die Regierung von Donald Trump hatte seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr trans Rechten den Kampf angesagt – etwa mit einem pauschalen Verbot für geschlechtliche Minderheiten, im Militär zu dienen (queer.de berichtete). Zudem machte Trump trans Menschen als Sündenböcke für viele Fehlentwicklungen verantwortlich. Letztes Jahr warf er ihnen etwa vor, am Shutdown schuld zu sein (queer.de berichtete). Schon im Wahlkampf 2024 hatte Trump vermehrt auf Transfeindlichkeit gesetzt – und in dessen letzten Tagen für entsprechende Spots Millionen von Dollar ausgegeben (queer.de berichtete). Mit dieser Taktik konnte er laut Analysen viele konservative Wähler*innen an die Wahlurnen locken.
Insbesondere im Sport setzt die Regierung auf Transfeindlichkeit – und wirft trans Frauen pauschal vor, Wettbewerbsvorteile zu haben. Dies führte unter anderem dazu, dass nicht nur das Olympische Komitee der USA trans Frauen ausgeschlossen hat, sondern auch Universitäten untersagten trans Breitensportlerinnen die Teilnahme an Veranstaltungen (queer.de berichtete).
Bislang gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen, ob trans Frauen wirklich pauschal Vorteile gegenüber cisgeschlechtlichen Frauen haben. Mehrere Studien deuten eher darauf hin, dass sich Vor- und Nachteile ausgleichen. Eine IOC-Studie aus dem vergangenen Jahr kam etwa zu dem Ergebnis, dass trans Sportlerinnen nicht generell anderen Athletinnen überlegen sind (queer.de berichtete). 2021 hatte eine im "British Journal of Sports Medicine" veröffentlichte Studie erklärt, dass sich die Leistungsfähigkeit von trans Frauen nach zwei Jahren der von cis Frauen angleiche (queer.de berichtete). Beide Studien sind aber wegen einer begrenzten Stichprobengröße nur bedingt aussagekräftig. Größere Untersuchungen existieren bislang nicht. (dk)















