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Sober Dating
Junge queere Menschen verzichten beim Dating besonders gern auf Alkohol
Früher ging man in die Kneipe, bestellte sich ein paar Cocktails und ging dann – wenn es gut lief – mit jemandem heim. Heutzutage ist dagegen vermehrt Sober Dating angesagt, besonders in der queeren Community.
- 15. Januar 2026, 15:18h 3 Min.
Für viele gehört Alkohol beim Dating praktisch dazu. Jüngere Menschen wenden sich aber von Cocktails und Co. ab: Laut dem aktuellen "Gen Z D.A.T.E. Report" wollen in Deutschland 75 Prozent der Gen Z (18- bis 28-Jährige) und 69 Prozent der Millennials (29- bis 42-Jährige) im kommenden Jahr romantische Beziehungen aufbauen, ohne dass promillehaltige Getränke dabei eine Rolle spielten. Damit liegt der Anteil sogar höher als im internationalen Durchschnitt (67 Prozent der Gen Z und 63 Prozent der Millennials).
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei queeren Datenden: Unter den 18- bis 28-Jährigen aus der queeren Community, die gerade auf der Pirsch sind, ist es weniger beliebt, beim ersten Date Alkohol zu trinken als unter heterosexuellen Gleichaltrigen (21 Prozent gegenüber 27 Prozent). Am höchsten ausgeprägt ist die Ablehnung von Alkohol unter nichtbinären Menschen.
In den letzten Jahren hat der Begriff "Sober Dating" für die alkoholkritischen Flirt-Fans an Popularität gewonnen. Zwar gab es Dating ohne Alkohol schon vorher – aber wer schon länger queere Treffpunkten besucht hat, wird wissen, dass das Gläschen Prosecco oft einfach dazugehörte.
Inzwischen hat sich aber einiges geändert: Das Kneipensterben, das durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt wurde, dürfte dazu beigetragen haben. Auf Dating-Apps gibt es inzwischen Filter wie "no alcohol". Durch Beiträge auf Social Media wurde dieser Trend noch bestärkt – etwa durch Gruppen wie die Berliner "Lemonade Queers".
Viele queere Menschen aus diesen Gruppen geben an, sie sehnten sich nach einem sicheren, stressarmen Umfeld fürs Kennenlernen. Dies sei insbesondere deshalb wichtig, da sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nach wie vor Minderheitenstress ausgesetzt seien, wie auch eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigte (queer.de berichtete). Alkohol erzeuge dann zusätzlichen Stress – etwa durch Abstürze oder Kontrollverlust, was zu gefährlicheren Sexpraktiken führen kann. Auch finden es viele schön, sich an das Date vom Vortag erinnern zu können.
Der Trend hängt eng mit der sogenannten Sober-Curious-Bewegung zusammen. Anders als bei traditioneller Alkohol-Abstinenz steht hier eine neugierige Erkundung des Lebens ohne Alkohol im Vordergrund, nicht eine strikte Verpflichtung oder religiöse Gründe. Eine bewusste Lebensführung und der Wunsch nach authentischen, klaren Begegnungen ist für viele wichtiger als der Rausch.
Der Alkoholkonsum pro Kopf ist in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig. Zudem wird Alkoholismus inzwischen als größeres Problem angesehen. Mehr als 1,4 Millionen Menschen sind laut Studien hierzulande etwa wegen Alkoholsucht in medizinischer Behandlung oder diagnostiziert. Laut einer Untersuchung der Barmer-Krankenkasse seien hauptsächlich Männer und die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen davon betroffen. (dk)














