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Netflix-Serie
In den Fängen einer Psycho-Sekte
In "Wayward – Unberechenbar" zieht ein junger trans Polizist mit seiner schwangeren Partnerin in deren alten Heimatort. Als er verdächtige Vorgänge zu untersuchen beginnt, realisiert er schon bald, dass hier nichts so ist wie es scheint – inklusive seiner Partnerin.

Die nichtbinäre Person Mae Martin als trans Polizist Alex Dempsey in der achtteiligen Netflix-Serie "Wayward – Unberechenbar". Mehr Szenenbilder zeigen wir in der unten verlinkten Galerie (Bild: Netflix)
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17. Januar 2026, 06:49h 3 Min.
Wenn Toni Collette irgendwo mitspielt, lohnt es sich fast immer, genauer hinzusehen. Das begann 1994 mit der großartigen ABBA-Dramödie "Muriel's Wedding" und ging dann weiter über "The Sixth Sense" (1999), "Little Miss Sunshine" (2006), "United States of Tara" (2009-2011), "Juror #2" (2024) oder "Mickey 17" (2025).
In der Netflix-Serie "Wayward – Unberechenbar" spielt die inzwischen 53-jährige Australierin die zwielichtige Direktorin eines Heims für schwierige Jugendliche in einem kleinen Ort in Vermont namens Tall Pines. Und Evelyn Wade kontrolliert nicht nur alles, was in ihrem Institut vor sich geht, sondern scheint auch erheblichen Einfluss auf die Bewohner*innen des Dorfs zu haben.
Trans ist gar kein Problem
Das zumindest realisiert Alex Dempsey (Mae Martin) allmählich, nachdem er sich mit seiner schwangeren Partnerin Laura (Sarah Gadon) neu in dem Ort eingerichtet hat, in dem Laura aufgewachsen ist. Dass Alex trans ist, scheint dabei niemanden zu stören, im Gegenteil: Er wird von allen äußerst wohlwollend aufgenommen, inklusive den Kolleg*innen in seinem neuen Job auf der lokalen Polizeistation.
Weil Laura einst selbst Evelyn Wades Tall Pines Academy absolviert hat, wird das junge Paar auch gleich von der Direktorin selbst im neuen Heim besucht. Sie wirkt durchaus freundlich, aber auch ein wenig seltsam. Umso misstrauischer wird Alex, als er nachts draußen auf einen panischen Teenager stößt, der behauptet, aus der Academy geflohen zu sein, weil dort furchtbare Dinge passieren.
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Wenig subtil, aber überraschende Wendungen
Parallel dazu verfolgen wir mit, wie Abbie (Sydney Topliffe) und ihre bisexuelle beste Freundin Leila (Alyvia Alyn Lind) in die Fänge des Instituts geraten und dort Evelyn Wades einigermaßen seltsames Programm durchlaufen müssen – gemeinsam mit anderen Jugendlichen, die alle eine schwierige Vergangenheit hinter sich haben. Dabei werden sie von einer ganzen Horde Betreuer*innen überwacht, die offenbar als Jugendliche alle selbst die Tall Pines Academy durchlaufen haben. Aber sind sie dadurch wirklich wertvolle Mitglieder der Gesellschaft geworden, die heute anderen in ihrer Situation helfen wollen? Abbie und Leila ahnen: Etwas stimmt da nicht, und sie müssen hier raus. Nur wie?
"Wayward" ist nicht sonderlich subtil, und man ahnt schon bald, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird, dennoch gibt's die eine oder andere überraschende Wendung auf dem Weg. Und Toni Collettes Schauspiel balanciert geschickt zwischen ehrlich um Unterstützung bemühter Pädagogin und psychotischer Kultführerin.
Mae Martin spielt in der Serie nicht nur den trans Polizisten, der 38-jährige nichtbinäre kanadische Comedy-Star, der schon mit 13 das erste Mal auf einer Bühne stand, hat "Wayward" auch geschrieben – inspiriert von einer engen Jugendfreundin, die einst in ein ähnliches Heim eingewiesen wurde und dann ausriss.
Absichtlich eher beiläufig queer
Dabei wollte Martin die queeren Aspekte der Story möglichst nebenbei einarbeiten. "Es ist wichtig, queere Figuren zu zeigen, ohne dass dies die definierende Eigenschaft ihres Charakters ist", sagte Martin in einem Interview. "Ich denke, das ist auch typisch für die meisten trans Menschen: Ihre Identität ist nicht pausenlos Thema im täglichen Leben."
Dies führt zwar dazu, dass die queeren Elemente bei "Wayward" letztlich gar nicht so wichtig sind. Doch genau das müsste doch Ziel sein für alle Filme und Serien: Dass Queerness mit entspannter Selbstverständlichkeit genauso präsent ist wie es heute hetero Paare und Familien sind, egal in welchem Genre und ob es für den Kern der Story relevant ist oder nicht. Und natürlich auch, ohne dass sich die Macher*innen sorgen müssen, dass dies den Erfolg beim Publikum oder an der Kinokasse schmälert.
Davon sind wir wohl leider noch ziemlich weit entfernt, aber träumen darf man ja. Und bei "Wayward" hat es wohl ganz gut funktioniert.
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