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Filmfestival
Schwuler Kicker und "Hanteln für Heten" an der Saar
Auch in diesem Jahr präsentiert das Filmfestival Max Ophüls Preis, das am Montag in Saarbrücken beginnt, vielversprechende queere Filme. Viele Werke kann man sich auch online anschauen.

Szene aus dem schwulen Fußballerfilm "Champions und wir" (Bild: Richard Barthel)
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18. Januar 2026, 12:22h 8 Min.
Vom 19. bis 25. Januar findet in Saarbrücken das 47. Filmfestival Max Ophüls Preis statt. Der Talentschuppen des deutschen Kinos präsentiert traditionell queere Filmkunst. Die Namen reichen von Frank Ripploh über Wieland Speck bis David Wagner oder Tucké Royale. Vor sechs Jahren wurde Rosa von Praunheim mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet (queer.de berichtete). Im Vorjahr wurde das rigorose Kammerspiel "Scham" von Lukas Röder prämiert (queer.de berichtete, Kinostart am 29. Januar).
Auch bei dieser Ausgabe finden sich vielversprechende Titel. Allen voran "Champions und wir" – ein schwuler Fußballer-Film, gefördert von der DFB-Kulturstiftung. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die queeren Filme in diesem Jahr. Wer es nicht an die Saar schafft, kann viele Filme online abrufen. Die Verfügbarkeit ist auf der Festival-Homepage zu finden.
Champions und wir
Coming-out unter Kickern ist nach wie vor kein leichtes Thema. Umso erfreulicher, dass die DFB-Kulturstiftung dieses sinnliche Drama von Paul Hordych gefördert hat. Erzählt wird die Geschichte von Josh (Tommes Diallo) und seinem besten Kumpel Chicco (Rafael Luis Klein-Hessling). Die beiden sind heimlich ineinander verliebt. Als Josh in der Umkleidekabine seiner Fußballmannschaft homophob angemacht wird, muss sich der Teenager entscheiden, wie er auf die Entwürdigung reagiert. "Hier geht es nicht um Fußball. Die Kabine ist viel mehr Stellvertreter für einen Ort der Gruppendynamik zwischen jungen Männern", sagt Regisseur Paul Hordych. "Wir wollen eine Geschichte über Männlichkeit erzählen, die nicht plakativ in schwarz und weiß unterteilt, sondern Nuancen von Nähe und Intimität zwischen Jungs schafft – eine Männlichkeit, die auch von Sensibilität und Sanftheit leben darf." Die Chemie zwischen Tommes Diallo und Rafael Luis Klein-Hessling stimmt perfekt. Für "Sonne und Beton" bekam Rafael bereits den Deutschen Schauspielpreis im Ensemble. Hier kann der 20-Jährige mit italienisch-chilenischen Wurzeln abermals mit charismatischer Leinwandpräsenz in Großaufnahmen glänzen. Einiger Wermutstropen: Der Film dauert nur 37 Minuten, wird also kaum ins Kino kommen.
Hygge

"Szene aus Hygge" (Bild: Antonia Pepita Giesler / Klinkerfilm)
Das Regie-Duo Lena Fakler und Zarah Schrade erzählt von der titelgebenden Reality-Show, in der die Welt noch in Ordnung scheint. Gemeinsam mit anderen Kandidat*innen führen Levi und ihre Partnerin Minu auf einer idyllischen Insel ein Leben als perfekte Kleinfamilie. Mit der Teilnahme will sich das Paar die Chance auf eine künstliche Befruchtung sichern. Während Minu in der Show perfekt funktioniert, kann sich Levi nur schwer anpassen. Als ihr eines Tages die Flucht gelingt, werden die Karten neu gemischt. Für die Macherinnen ist ihr Film "ein Plädoyer für Solidarität und Gemeinschaft, für Community und Akzeptanz in einer spätkapitalistischen Welt, die sich genau wie Levi erst noch von neoliberalen Werten wie Wettkampf, Konkurrenz und Konsum befreien muss, um zu erkennen, dass sie der Lüge aufgesessen ist, Wachstum und Reichtum seien für alle da".
Vom Bösen Blick
Der Suizid eines Jungen aus dem Jugendclub Q3 reißt die Sozialarbeiterin Luca aus dem Gleichgewicht. Als ihr Freund und Kollege Kiran unter Verdacht gerät, eine unangebrachte Nähe zu dem Jungen gehabt zu haben, kämpft sie für seine Unschuld. Zerrissen zwischen Verantwortung, Vertrauen und ihren eigenen moralischen Überzeugungen beginnt eine schmerzhafte Suche nach der Wahrheit. Regisseur Yann Rehberg sagt: "Mein Abschlussfilm ist eine persönliche Geschichte über Ausgrenzung, Vorurteile und die Verantwortung, füreinander einzustehen. Inspiriert von meinen Erfahrungen als queere Person lotet der Film die Grenzen sozialer Arbeit aus und wirft grundlegende Fragen über unser Zusammenleben auf."
Mein Name Akim

Szene aus "Mein Name Akim" (Bild: Jonas Thibaut)
Trans Mann Akim ist nach Deutschland geflüchtet und lebt in einer Geflüchtetenunterkunft. Aus Angst vor seinen Zimmernachbarn hält er seine Trans-Identität geheim. Seine Tage bestehen aus Warten und dem Kampf gegen die bürokratischen und sozialen Hürden. Abgeschoben in die Wäscherei, lebt er in einer Welt der Sprachlosigkeit. Denn sein Wunsch, Deutsch zu lernen, wird ihm verwehrt, da Sprachkurse nur anerkannten Geflüchteten zustehen. Und so beginnt Akim, sich auf eigene Faust Deutsch beizubringen, um endlich gehört zu werden. Aleksandr Kimm, geboren 1983 in Kirgisistan, gründete die erste LGBTI-Organisation in Zentralasien, in der er bis 2015 als Jurist tätig war. 2016 begann er ein Regiestudium an der VGIK Filmschule in Moskau, das er aufgrund seiner Transidentität abbrechen musste. 2019 floh er nach Deutschland. 2021 bis 2025 Regiestudium an der ifs Internationale Filmschule Köln. "Mein Name Akim" ist sein Abschlussfilm.
Bleifrei 95
Drei Freund*innen Mitte 20, die sich schon lange kennen: Aino, Toni und Lolly. Zum Junggesellinnenabschied von Aino treffen sie am Ort ihrer Jugend wieder aufeinander und müssen zwischen Tankstellen-Cruising, Autobahnen und der ältesten Lesbenbar der Welt ihre Freundschaft neu verhandeln. Das Regie-Duo Emma Hütt und Tina Muffler erzählt: "Wir haben uns Anfang unserer 20er während unseres Studiums in Gießen kennengelernt. Wer queer ist und in Gießen eine gute Zeit haben will, muss sich sein eigenes Universum bauen. Wir sind regelmäßig in die selbsternannte älteste Lesbenbar der Welt in Frankfurt gepilgert. Das La Gata verschließt sich vor der Außenwelt und eröffnet seine eigene Welt und genau diese Magie wollten wir filmisch einfangen. Deshalb drehten wir dort und mit der queer-lesbischen Community: mit unseren Freund*innen, den La Gata-Stammgästen, den berüchtigtsten Dykes aus Berlin, den Queer Bikes Berlin, mit allen, die cruisen wollten."
Run Me Wild

Szene aus "Run Me Wild" (Bild: Lea Dähne)
Toni (Luna Jordan) spricht nicht über ihre Vergangenheit. Sie stemmt lieber Gewichte, bis die Hände zittern. Oder lenkt sich mit der Arbeit in der Gärtnerei ihrer Eltern (Johanna Wokalek und Thomas Loibl) ab. Doch immer öfter holen ihre traumatischen Erinnerungen sie ein. Als Toni die abenteuerlustige Anna kennenlernt, entwickelt sich zwischen beiden mehr als Freundschaft. Anna bringt Leichtigkeit in Tonis Alltag. Aus Vertrautheit wird Anziehung, aus Anziehung etwas, das Toni kaum zuzulassen wagt. Während sich Toni vorsichtig auf Anna einlässt, macht in der Gegend ein Gerücht die Runde: Ein Tiger streunt frei herum – und es ist nicht klar, woher er stammt und wohin er geht. Für Toni ein alberner PR-Gag, für Anna ein Abenteuer. Doch je mehr Anna Toni herausfordert, desto häufiger schleicht sich der Tiger in Tonis Träume. "Ich wollte einen Film machen, der nicht immer eindeutig und leicht zu greifen ist. Ein Film, der weh tut, ehrlich ist und trotzdem die schönen Momente des Lebens gegenüberstellt", sagt Regisseurin Catharina Lott.
Bleistiftstriche

Szene aus "Bleistiftstriche" (Bild: Bleistiftstrichefilm)
Eine Urlaubspension am Rande der Stadt: Sehnsucht und Sommerhitze drücken auf Cora und suchen in Farben ihren Ausdruck. Als die Französin Emma einzieht, verschwimmen die Linien von Coras Porträt wie die Grenze zwischen Du und Ich. Zwischen Sprachlosigkeit und Verständnis suchen die beiden Frauen einander und finden im Liebeskummer zu sich selbst. Die Wienerin Alice Posser, die als Schauspielerin in "Corsage" zu sehen war, sagt über ihr Regiedebüt: "Unerfüllte Lieben sind intensive Lernaufgaben. Der damit einhergehende Liebeskummer ist der ehrlichste Weg zu uns selbst. Er bietet die Chance, mehr über uns zu erfahren, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln, wenn man das will."
Wie Welse jagen
Ein alternder Dichter und ein junger Beamter kreisen im Dunkel des Hafens umeinander, getrieben von Instinkt und Begehren. Der brasilianische Regisseur João Pedro Prado sagt: "Mein Film entstand aus meiner langen Freundschaft mit dem brasilianischen Lyriker Ricardo Domeneck. Durch seine Gedichte – eine Verbindung aus spiritueller Sehnsucht und radikaler Sinnlichkeit des männlichen Körpers – begann ich, Bilder zu sehen, die nach einem Film verlangten. Im Zentrum stehen Bonito, ein alternder Dichter aus Brasilien, der nun auf dem Fischmarkt arbeiten muss, und Finn, ein junger Deutscher im Fischereiamt, der sich in seiner eigenen Haut fremd fühlt. Der Wels wurde zum Leitmotiv: ein zäher Eindringling, der im Dunkeln schlecht sieht, aber sich anpasst, überlebt. So fühlt sich übrigens Migration an. Und auch das Älterwerden in einer Community, die Jugend glorifiziert."
Hanteln für Heten

Szene aus "Hanteln für Heten" (Bild: Esma Günesoglu / HFF München)
Die 19-jährige Fabi ist aufgeregt: Zum ersten Mal geht sie in ein queeres FINTA-Gym. Mit Seitenstechen und Unsicherheit kämpft sich die junge Lesbe durch das Training – in der Hoffnung, dazuzugehören. Doch Fabi wird von manchen argwöhnisch als Hetero gelesen. Als sie beginnt, sich zu öffnen, findet sie Stück für Stück in eine Gemeinschaft, die sie herausfordert und gleichzeitig annimmt. Regisseurin Laura Schinzel sagt: "Wenn ich an Queerness im Film denke, sehe ich eine bunte Party voller Glitzer – ein traumhaftes, aber zu einfaches Bild. Communities sind komplexe Gruppen, die sich über Zugehörigkeiten und Codes definieren. Auch queere Räume sind Orte, an denen man neu sein kann, Codes (noch) nicht kennt, falsch gelesen und als nicht zugehörig wahrgenommen wird. Der erste Besuch ein zweites Outing. Anders als Fabi habe ich mir irgendwann die Haare abgeschnitten, als ich zu oft hörte, ich sähe 'nicht lesbisch aus'. Doch Identität ist nicht lesbar. Genau das erzählt 'Hanteln für Heten'. Dass auch Queers Fehler machen. Dass Queers ihre Orte schützen müssen. Und dass queere Identität ein Prozess sein darf, in dem man sich ausprobiert. Der Film macht queere, nicht-binäre Körper sichtbar und zeigt eine Community, die Safe Space sein will, es aber nicht immer sofort sein kann."
Links zum Thema:
» Homepage des Filmfestivals Max Ophüls Preis
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» auf sissymag.de
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