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Roman
Wie geht eine Gesellschaft mit Deserteuren um?
In seinem neuen Roman "Eine vergessene Schuld" thematisiert Arne Jensen Desertion im Nationalsozialismus sowie die Aufarbeitung der NS-Justiz in der Bundesrepublik.

Autor Arne Jensen (Bild: Florian Läufer)
- 19. Januar 2026, 09:36h 2 Min.
Der pensionierte Verfassungsrichter Rudolf Heppner gerät durch rechtsradikale Äußerungen über Deserteure und die NS-Justiz in den Fokus der Öffentlichkeit. Strafrechtliche Konsequenzen stehen im Raum, doch die Ermittlungen von Verfassungsschutz und BKA kommen nicht voran. Schließlich wird die junge Kriminalpsychologin Jasina Behrens beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, das Heppners geistigen Zustand bewerten soll.
Für Jasina ist der Fall mehr als ein beruflicher Auftrag. Sie floh als Kind mit ihren Eltern aus Syrien nach Deutschland, während ihr jüngerer Bruder im Herkunftsland blieb. Er verweigerte später den Wehrdienst in der syrischen Armee – und gilt seitdem als verschwunden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Desertion berührt sie daher persönlich. In zahlreichen Gesprächen entwickelt sich zwischen ihr und dem ehemaligen Richter eine vorsichtige Annäherung, die nicht nur Heppners eigene Familiengeschichte freilegt, sondern auch weit in die Vergangenheit zurückführt.
Einblicke in das Rechtssystem der 1960er-Jahre

"Eine vergessene Schuld" ist als Taschenbuch und E-Book erschienen
"Eine vergessene Schuld" (Amazon-Affiliate-Link ) schlägt einen historischen Bogen zu Raimund Bach, der als sogenannter "Halbjude" im Spätsommer 1944 seinen Versetzungsbefehl verweigert. Über Monate hinweg lebt er versteckt in Amsterdam, stets bedroht von Entdeckung und Tod. Diese zweite Erzählebene verbindet individuelles Überleben mit der Gewalt eines Systems, das Desertion als Verrat brandmarkte – und dessen juristische Nachwirkungen bis in die junge Bundesrepublik reichten.
Historisch fundiert und geprägt von medizinischem Fachwissen entfaltet der Text ein vielschichtiges Bild der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Er gibt Einblicke in das Rechtssystem der 1960er-Jahre und beleuchtet den von Versäumnissen geprägten Prozess der Entnazifizierung. Zugleich stellt der Roman eine grundsätzliche Frage: Wie geht eine Gesellschaft mit Deserteuren um – und mit den Motiven ihres Handelns?
Arne Jensen war viele Jahre als Arzt und Traumatherapeut tätig und beschäftigte sich früh mit der jüngeren deutschen Geschichte sowie ihren Folgen für nachfolgende Generationen. In seinem Debütroman "Etwas verborgen Schönes", erschienen im Heyne Verlag, fließen seine Erfahrungen mit familiären Kriegstraumata erstmals in literarischer Form zusammen. Jensen lebt mit seiner Familie in Hamburg und Schleswig-Holstein. (dd/pm)
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