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Vier Ehen, zwei Goldjungen und ein Flop
Queer-Ikone Geena Davis wird 70: Ihre Oscar-Höhen und ihre Meerestiefen
Am 21. Januar wird Geena Davis 70 Jahre alt. Ihre langjährige Karriere kann in zwei Hälften unterteilt werden: Prä- und Post-"Piratenbraut".

Geena Davis 2023 bei den queeren GLAAD Media Awards (Bild: IMAGO / UPI Photo)
- 21. Januar 2026, 12:53h 4 Min.
Ob als Vorreiterin des feministischen Kinos, ausdrucksstarke Nebendarstellerin oder weibliche Hauptfigur in mal mehr, mal weniger ernstgemeinten Horrorfilmen: An Geena Davis (70) war in den Achtziger- und Neunzigerjahren genreübergreifend kaum ein Vorbeikommen. Im Jahr 1995 sollte eigentlich endgültig ihr Stern als strahlende Blockbuster-Heldin aufgehen – doch stattdessen versenkte der Jahrhundert-Flop "Die Piratenbraut" nicht nur Abermillionen Dollar an den Kinokassen. Auch die Filmkarriere der Schauspielerin, die am heutigen Mittwoch ihren 70. Geburtstag feiert, ging jäh in den Meerestiefen baden.
Nach mehreren kleineren Parts in Filmen wie die campe Komödie "Tootsie" mit Dustin Hoffman oder diversen TV-Serien landete Davis ihre erste Hauptrolle sogleich in einem oscarprämierten Kultklassiker des Horrorkinos. 1986 musste sie in David Cronenbergs Body-Horror-Meisterstück "Die Fliege" hautnah miterleben, wie sich ihr Partner Seth Brundle (Jeff Goldblum) nach einem Laborunfall in einen schauerhaften Hybriden aus Mensch und Insekt verwandelt. Noch immer gilt "Die Fliege" als Ekel-Referenz Hollywoods, bei der nicht nur Zartbesaitete immer wieder den Blick abwenden müssen (Stichwort: Fingernägel).
Ein längeres Happy End als im Film war den beiden übrigens im echten Leben vergönnt. 1987 heirateten Davis und Goldblum, die Ehe – es war Davis' zweite von bislang vieren – wurde 1991 geschieden.
Bereits 1988 dann die nächste schaurige Kultrolle, wenn auch ungleich komödiantischer: In "Beetlejuice" bekam sie es an der Seite von Alec Baldwin als frisch dahingeschiedenes Pärchen mit dem titelgebenden Lottergeist (Michael Keaton) zu tun. Nach "Die Fliege" bereits der zweite Streifen, der im Folgejahr bei den Academy Awards in der Kategorie "Bestes Make-up" ausgezeichnet wurde.
Apropos Oscars: Wie für "Beetlejuice" gab es auch für Davis 1989 einen der begehrten Goldjungen. Das Filmdrama "Die Reisen des Mr. Leary" war im gleichen Jahr wie Tim Burtons Horrorkomödie erschienen, Davis spielt im Film mit William Hurt und Kathleen Turner in den Hauptrollen die Nebenfigur Muriel Pritchett. In ihrer charmanten Dankesrede widmete sie den Oscar "meinem wundervollen Schauspiellehrer Roy London sowie meinem anderen wundervollen Schauspiellehrer und geliebten Ehemann, Jeff Goldblum".
Beinahe wäre drei Jahre später noch ein Oscar als beste Hauptdarstellerin gefolgt. Doch weder sie noch ihre ebenfalls in dieser Kategorie nominierte "Thelma & Louise"-Kollegin Susan Sarandon durften am Ende auf die Bühne. Die Konkurrenz war in diesem Jahr mit Jodie Foster und ihrer bahnbrechenden Darbietung in "Das Schweigen der Lämmer" einfach zu groß.
Geschichte schrieb "Thelma & Louise" dennoch. Schließlich handelte es sich dabei um ein Roadmovie, in dem erstmals zwei Frauen die alleinigen Hauptrollen spielten. Männer waren nur in Nebenrollen zu sehen, darunter unter anderem der blutjunge Brad Pitt.
Mehrere Filme und ihr Engagement machten sie zur queeren Ikonen
Mit Filmen wie "Thelma & Louise", "Die Reisen des Mr. Leary" oder auch "Eine Klasse für sich" (1992) etablierte sich Davis auch als eine queere Kultfigur. Die Filme zeigen Frauen, die sich patriarchalen Erwartungen widersetzen. "Thelma & Louise" wurde besonders in queeren Lesarten zu einem Kultfilm – wegen seiner feministischen, rebellischen und anti-konservativen Haltung. Ihre Rollen, ihr Auftreten und ihre Mischung aus Ernsthaftigkeit und Exzentrik haben ihr in queeren Communitys – besonders bei lesbischen und feministischen Zuschauer*innen – einen festen Platz eingebracht.
Zudem hat Davis auch einiges für queere Rechte und Frauenrechte getan: Mit dem Geena Davis Institute on Gender in Media setzt sie sich seit Jahren für bessere Repräsentation von Frauen und marginalisierten Gruppen ein. Ein Einsatz, der 2020 honoriert wurde: Geena Davis wurde mit dem Ehren-Oscar Jean Hersholt Humanitarian Award für ihre humanitären Verdienste im Sinne der Filmindustrie ausgezeichnet. Öffentlich sprach sich Davis immer wieder für LGBTI-Rechte aus, auch als dies in Hollywood noch unpopulär war – inklusive der Forderung nach der Ehe für alle, Schutz vor Diskriminierung und Sichtbarkeit queerer Menschen.
Das "Piratenbraut"-Debakel
Wer hoch fliegt, droht zuweilen besonders tief zu fallen. Das musste Davis 1995 auf schmerzliche Weise am eigenen Leib erfahren. Mit "Die Piratenbraut" legte sie einen der größten Flops in der Filmgeschichte hin. Rund 115 Millionen Dollar gab die Produktionsfirma Carolco Pictures für den aufwendigen Piratenfilm aus – doch nur etwas über zehn Millionen Dollar konnte er an den weltweiten Kinokassen einspielen. Carolco Pictures musste danach sogar Insolvenz anmelden.
Die Filmkarriere von Davis lag danach für mehrere Jahre brach, erst mit der familienfreundlichen "Stuart Little"-Reihe meldete sie sich ab 1999 zaghaft auf der Leinwand zurück. Im TV lief es da schon besser: Ihre Rolle der US-Präsidentin Mackenzie Allen in der Serie "Welcome, Mrs. President" (2005-2006) verschaffte ihr einen Golden Globe sowie eine Emmy-Nominierung.
Zuletzt war Davis in Zoë Kravitz' Regiedebüt "Blink Twice" aus dem Jahr 2024 im Kino zu sehen. Drei Jahre zuvor hatte sie sich nach 17 Jahren Ehe von ihrem vierten Mann Reza Jarrahy getrennt. Für das aktuelle Jahr steht eine vielversprechende Netflix-Serie an: "The Boroughs" ist das neue Projekt der Duffer-Brüder, sprich der "Stranger Things"-Macher. Davis ist in der Sci-Fi-Serie neben Bill Pullman, Jena Malone und Alfred Molina zu sehen. Ein starker Ensemble-Cast also – und ein würdiges Rollen-Geschenk zum 70. Geburtstag. (spot/cw)
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