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27. Januar
Erinnerung an die "vergessenen" Opfer des Nationalsozialismus
Rund um den Holocaust-Gedenktag erinnern Veranstaltungen in mehreren Städten und eine Bundestagsdebatte an die queeren NS-Opfer.

Mahnmal "totgeschlagen – totgeschwiegen" am Kölner Rheinufer
- 23. Januar 2026, 18:10h 3 Min.
Anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (Holocaust-Gedenktag), der jährlich am 27. Januar begangen wird, finden rund um den Tag Veranstaltungen in mehreren deutschen Städten statt, die auch an die queeren Opfer der Verfolgung erinnern.
So gibt es Kranzniederlegungen und Gedenken etwa in Berlin und Köln an Denkmälern, die den Opfern gewidmet sind. In Bremen befasst sich die jährliche von der Landeszentrale für politische Bildung organisierte Gedenkveranstaltung im Rathaus in diesem Jahr mit den queeren Opfern. Eine Auswahl der Termine findet sich unter dem Artikel.
Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Seit Jahren erinnert daran auch der Bundestag mit einer Gedenkstunde. In diesem Jahr ist die Holocaust-Überlebende Tova Friedman die Gastrednerin der Veranstaltung am Mittwoch, den 28. Januar um 12.30 Uhr. Vor zwei Jahren standen in der Gedenkstunde erstmals queere Opfer im Mittelpunkt (queer.de berichtete).
Debatte im Bundestag
Mit der Verfolgung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten befasst sich der Bundestag an diesem Mittwoch dann im "regulären" Betrieb, mit einer halbstündigen Debatte zu einem Antrag der Linken zu den "'vergessenen' Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung" (PDF, nach aktueller Tagesordnung gegen 19.15 Uhr).
In dem Antrag erinnert die Partei an die Verfolgung queerer Menschen, die nach 1945 anhielt und lange nicht anerkannt und nur teilweise in Rehabilitationen, Entschuldigungen und Entschädigungen aufgegriffen wurde, und die Zerschlagung von Einrichtungen wie dem Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Das führe zu der Verantwortung, "heute entschlossen gegen wieder zunehmende Vorurteile, Diskriminierungen und Hassgewalt gegen queere Menschen sowie gegen strukturelle Diskriminierung und Gewalt (u. a. durch Armut, Wohnungslosigkeit und prekäre Gesundheitsversorgung) einzutreten", so der Antrag. Auch müsse der "grundgesetzliche Schutz auf Asyl- oder Bleiberecht für queere Geflüchtete aus Verfolgerstaaten konsequent umgesetzt" werden.
Mit dem Antrag solle der Bundestag um Verzeihung bitten für das Unrecht und "das damit verbundene Leid, u.a.durch unterbliebene Entschädigungszahlungen für Haft- und Konzentrationslageraufenthalt, Sterilisation und Kastration bzw. 'freiwillige Entmannung' sowie verweigerte Rentenansprüche". Die Bundesregierung soll er unter anderem dazu auffordern, "den Wiederaufbau eines Instituts für Sexualwissenschaften zum 100. Jahrestag der Verwüstung durch die Nationalsozialisten im Jahr 2033 zu unterstützen" und mit Forschungsaufträgen und der Entwicklung von Ausstellungen und anderen Gedenkformen an die Verfolgung zu erinnern.
Nach der Debatte soll die Vorlage dem federführenden Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz zur weiteren Beratung überwiesen werden. Der Antrag geht nicht auf die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ein, die 2011 mit ähnlicher Begründung und Zielen errichtet wurde (queer.de berichtete). (cw)
Veranstaltungen in Deutschland
Lübeck
23.1., 18 Uhr
Gedenkminute am Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle
Magdeburg
24.1., 14 Uhr
Stolpersteinspaziergang, um 17 Uhr auch Film und Panel "Verbotene Liebe" und bis 27. Januar Ausstellung "Nie wieder still – Queere Verfolgung gestern und heute"
Düsseldorf
26.1., 17.30 Uhr
Stolpersteinspaziergang, am 27.1. zudem Film und Talk "Klänge des Verschweigens"
Köln
27.1., 17 Uhr
Gedenken am Mahnmal "totgeschlagen – totgeschwiegen"
Frankfurt am Main
27.1., 18 Uhr
Veranstaltung der AHF und Regenbogencrew mit Schwerpunkt Antisemitismus
Bremen
27.1., 19 Uhr
Gedenkveranstaltung im Rathaus in diesem Jahr mit Schwerpunkt Schicksale queerer Menschen im Nationalsozialismus
Berlin
27.1., 18 Uhr
Gedenkveranstaltung an der Tafel "Rosa Winkel" am U-Bahnhof Nollendorfplatz
28.1., 15 Uhr
Kranzniederlegung am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen














