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Schlammbad im texanischen Sündenpfuhl

Sonntags treffen sie sich alle in der Megachurch, den Rest der Woche wird hemmungslos gesündigt: Im Zentrum von "The Hunting Wives" steht eine Gruppe schießwütiger Frauen, angeführt von der bisexuellen Gattin eines ehrgeizigen Politikers.


Malin Akerman als Margo Banks und Brittany Snow als Sophie O'Neil in "The Hunting Wives". Alle acht Folgen der ersten Staffel können in Deutschland exklusiv bei MagentaTV+ gestreamt werden. Eine zweite Staffel befindet sich in der Produktion (Bild: MagentaTV)

Nichts repräsentiert den konservativen Kampf um Amerika besser als Gott, Waffen und Homosexuelle ("god, guns and gays"): Gott soll verehrt werden, Waffen sollen möglichst frei verfügbar sein und queere Rechte um jeden Preis bekämpft werden. Mit diesen Prinzipien macht die republikanische Partei seit Jahrzehnten immer wieder sehr erfolgreich Politik, und Texas gehört zum Kernland der US-Konservativen.

Da ist es politisch beinahe schon ein bisschen subversiv, die Serie "The Hunting Wives" gerade in diesem südlichen Bundesstaat anzusiedeln. Nicht nur wegen dem ausgiebigen lesbischen Sex und der offensichtlichen Scheinheiligkeit der diversen Megachurch-Besucher*innen, nein, auch weil die fatalen Folgen des freizügigen Waffentragens unübersehbar sind.

Eine Ostküstenfamilie im tiefsten Texas

Aber von vorne. Sophie O'Neil (Brittany Snow) und ihr Mann Graham (Evan Jonigkeit) sind mit ihrem kleinen Sohn kürzlich von der liberalen Ostküste ins texanische Maple Brook gezogen – aus beruflichen Gründen, aber wohl auch, weil sie etwas Unerfreuliches hinter sich lassen wollen. Nun sind sie bei Grahams neuen Chef Jed Banks (Dermot Mulroney) zu einer großen Party eingeladen, und zumindest Sophie ist ziemlich nervös deswegen, weil ihr diese ganze Welt schon ziemlich fremd ist.


"The Hunting Wives" ist ein wilder Mix aus Satire, Seifenoper, Drama und Krimi (Bild: MagentaTV)

Doch kaum angekommen, lernt sie eine zuvorkommende, nette Frau kennen, die sich kurz darauf prompt als Jeds Gattin Margo (Malin Akerman) herausstellt und sie sofort unter ihre Fittiche nimmt. Derweil Jed bei der Party ankündigt, dass er darüber nachdenkt, als Gouverneur zu kandidieren, stellt Margo Sophie ihre Damen-Clique vor, darunter Jill (Katie Lowes), Frau des Megachurch-Pastors und Mutter des lokalen Schul-Sportstars Brad (George Ferrier), sowie Callie (Jaime Ray Newman), Gattin des lokalen Sheriffs.

Gebete, Sex und zahllose Affären

Brad derweil ist auch auf der Party, allerdings in einem der Schlafzimmer des riesigen Anwesens, wo er gerade versucht, seine Freundin Abby (Madison Wolfe) zu überzeugen, mit ihm Sex zu haben. Die jedoch wehrt ihn erfolgreich ab und betet neben dem Bett knieend um Gottes Unterstützung im Kampf gegen sündige Gedanken, während der enttäuschte Brad sich im Bett vor ihr einen runterholt – genau in dem Moment, als Margo zufälligerweise in der halb offenen Tür erscheint.


Die US-Serie bietet viel nackte Haut (Bild: MagentaTV)

Während Abby sie nicht mal bemerkt, scheint Margos Präsenz Brad eher noch mehr zu stimulieren, und schon bald ist klar: Sie hat eine heimliche Affäre mit dem Teenager-Sohn ihrer guten Freundin Jill. Und nicht nur das: Sie hat auch eine Affäre mit der Gattin des Sheriffs, regelmäßige Dreier mit ihrem Mann und offensichtliches Interesse an Sophie, die durchaus nicht abgeneigt scheint.

Die Serie kommt auch bei Konservativen an

In den Tagen danach wird Sophie außerdem in das liebste Hobby des Clubs der befreundeten Ehefrauen eingeführt: die Jagd – und damit verbunden natürlich Waffen. Es dauert denn auch nicht lange, bis sie selbst ein Jagdgewehr und – sicher ist sicher – auch noch einen Revolver für die Handtasche besitzt, beides sorgsam geheim gehalten vor ihrem Mann. Als dann kurz darauf Brads Freundin Abby erschossen im Wald aufgefunden wird, führen die Ermittlungen ziemlich schnell zu Sophies Revolver als Tatwaffe. Derweil sie noch entsetzt ihre Unschuld beteuert, zieht sich die Schlinge um ihren Hals immer weiter zu, denn es gibt gleich mehrere Leute, die ein Interesse daran haben, sie als Mörderin aus dem Verkehr zu ziehen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zur ersten Staffel
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"The Hunting Wives" macht Spaß und ist ein wilder Mix aus Satire, Seifenoper, Drama und Krimi mit reichlich nackter Haut. Die auf einem Roman basierende Serie kam beim Publikum so gut an, dass bereits eine zweite Staffel in Produktion ist, die Ende 2026 oder Anfang 2027 laufen dürfte. Dem Erfolg zuträglich war, dass auch viele Konservative eingeschaltet haben, obwohl der satirische Teil vor allem sie trifft. Aber letztlich kommt das liberale Ostküsten-Ehepaar nicht viel besser weg als alle anderen.

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Überhaupt gibt es nur wenige sympathische Figuren in der Serie. Dazu gehören die clevere Polizistin Salazar (Karen Rodriguez), die hartnäckig ermittelt und am Ende die entscheidenden Hinweise findet, sowie Starr (Chrissy Metz), die schwer übergewichtige Mutter des Mordopfers Abby. Anders als die intriganten, fitten Schönheitsköniginnen rund um Margo, ist sie erfrischend bodenständig und repräsentiert wohl ein bisschen das "normale" Amerika – nicht zuletzt auch mit ihrem enormen Körperumfang.


Eine der wenigen sympathischen Figuren: Chrissy Metz als Starr (Bild: MagentaTV)

Satire vs. Realität

In US-Medien wurde spekuliert, dass ein zentrales Element der Geschichte von einem realen Skandal inspiriert sein könnte, der 2023 die republikanische Partei in Florida erschüttert hatte. Damals begann es mit Vergewaltigungsvorwürfen gegen Parteipräsident Christian Ziegler, der ebenso wie seine Frau Bridget äußerst queerfeindliche Positionen vertrat. Offiziell jedenfalls. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich nämlich heraus, dass die beiden regelmäßige Dreier mit anderen Frauen hatten, und sie ihn in Bars schickte, um potenziell interessante Kandidatinnen dafür zu finden und dann per Foto ihr Einverständnis einzuholen. Die Vergewaltigungsvorwürfe konnten letztlich nicht erhärtet werden, aber Ziegler wurde von der Partei aus dem Amt geworfen.

"The Hunting Wives" mag also eine fiktionale Satire sein, aber bezüglich Waffen-Wahnsinn und Scheinheiligkeit ist die Serie wohl nicht allzu weit entfernt von der Realität.

-w-