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- 27. September 2006 2 Min.
Wien (queer.de) - Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel von der konservativen ÖVP hat sich in einem Radiointerview gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben gewandt. "Ich setze mich dafür ein, dass Ehe und Familie einen besonderen Schutz erfahren", so der 61-Jährige in einer Ö3-Sendung. Eine Familie, die er nur als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert, könnte deswegen in Feldern wie dem Erb- oder Steuerrecht anderen Lebensformen gegenüber bevorzugt werden. "Wenn wir für Förderung eintreten, dann können Sie nicht gleichzeitig die totale Gleichheit fordern", wirft er Kritikern entgegen. Als der Moderator fragte, ob es Schüssel störe, dass Österreich in punkto Gleichstellung europaweit im letzten Drittel liege, antwortete der Kanzler: "Ich weiß nicht, was Sie für ein Ranking im Auge haben. Ich glaube, dass Österreich eines der freisten und tolerantesten Länder ist und darauf bin ich stolz."
Homo-Gruppe kritisiert Schüssel scharf
Die Homosexuelle Initiative (HOSI Wien) warf Schüssel vor, er bestrafe mit seiner Politik Kinder für die sexuelle Orientierung ihrer Eltern. "Diese Gleichsetzung von Ehe, Familie und Kindern ist nicht nur völlig weltfremd angesichts des Umstands, dass in Österreich rund ein Drittel der Kinder unehelich geboren wird, sondern auch eine Verhöhnung allein erziehender Mütter und Väter", kommentiert Bettina Nemeth, Vorsitzende der HOSI Wien, die Ansichten des Kanzlers. "Zusätzlich bedeutet diese Gleichsetzung aber auch, dass Schüssel alle Eltern zur Heirat zwingen will, falls sie und ihre Kinder in den vollen Genuss jener Privilegien kommen wollen, die an die Ehe geknüpft sind." In Österreich wird am Sonntag ein neuer Nationalrat gewählt. (dk)
Links zum Thema:
» Das Interview anhören auf der Ö3-Seite















Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre
Joseph Card. Ratzinger
Präfekt