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Evangelische Kirche

Vernetzung, Sichtbarkeit und Werben um Akzeptanz

Die Arbeitsgemeinschaft "Kreuz und Queer" bringt neuen Wind in die Evangelische Kirche der Pfalz. Der Hauptaugenmerk liegt auf praxisnaher Hilfe, doch bei Gottesdiensten wird schon mal das Vaterunser abgewandelt.


Fußgruppe der Arbeitsgemeinschaft "Kreuz und Queer" im vergangenen Jahr beim CSD Kaiserslautern. Mit dabei auch Dorothee Wüst (2. v.r.), Präsidentin der Landeskirche (Bild: AG "Kreuz und Queer")
  • Von Sebastian Jung
    25. Januar 2026, 13:06h 4 Min.

Schon seit geraumer Zeit sprießen Interessengruppen zum Thema Queerness und Kirche wie Pilze aus dem Boden, sei es die Initiative #OutInChurch, sei es die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK e.V.), die LesBiSchwule Gottesdienstgemeinschaft oder der Dachverband, unter dem sich diese und weitere Gruppen vor knapp zehn Jahren vernetzten, nämlich im Regenbogenforum. Inzwischen treibt ein solcher, neuer Geist sein Unwesen auch in der Evangelischen Kirche der Pfalz, nämlich die Arbeitsgemeinschaft "Kreuz und Queer" Die ging im Jahr 2022 aus dem in Speyer präsentierten Ableger einer Wanderausstellung zum Thema "Nanu? Geschlechtliche Vielfalt in der Pfalz gestern und heute" hervor, die ihrerseits auf eine Kooperation des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde (IPGV) in Kaiserslautern mit Akteuren der Stadt Zweibrücken zurückging. Noch handelt es sich bei "Kreuz und Queer" aber nicht um eine fest etablierte Institution, sondern um einen losen Verbund Gleichgesinnter innerhalb der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Entsprechend hat die AG auch noch keine verbindlich definierten Ziele, aber es gibt durchaus ein geteiltes, einvernehmliches Gefühl dafür, wofür die Gruppe gebraucht wird. Es geht natürlich um Vernetzungen queerer Menschen innerhalb der Kirche, aber auch darum, dem Thema Sichtbarkeit innerhalb der Gemeinden zu verschaffen, präsent zu sein, Akzeptanz zu schaffen und zu sensibilisieren. Dass es hier noch viel zu tun gibt, bekam die AG beispielsweise schon auf dem offiziellen Instagram-Auftritt der Evangelischen Landeskirche (@wersglaubt.wirdselig) zu spüren: Das Moderationsteam des Kanals war lange damit beschäftigt, Hasskommentare unter Beiträgen zu queeren Sachverhalten zu löschen.

Aktuell bemüht sich die Koordinationsstelle in Person von Laura Moser (der Referentin für Gleichstellung der Evangelischen Landeskirche) beispielsweise auch darum, Pfarrer*innen innerhalb der Landeskirche zu suchen und zu vernetzen, die dem Thema offen und wertschätzend gegenüberstehen. In Zukunft stünde damit eine auf die speziellen Bedürfnisse queerer Menschen gemünzte Anlaufstelle für etwa seelsorgerische Belange zur Verfügung.

Hauptaugenmerk auf alltagsorientierter, praxisnaher Hilfe

Entsprechend liegt das Hauptaugenmerk der AG zurzeit eher auf alltagsorientierter, praxisnaher Hilfe und Angeboten für Menschen, nicht unbedingt auf theologischen Fragestellungen. Die AG kommt bisher ganz ohne interne Positionierung zu strittigen und polarisierenden Bibelstellen aus – was auf der einen Seite sympathisch wirkt, insofern Akzeptanz und Schutz für queere Lebensentwürfe als Selbstverständlichkeit erachtet werden, aber letztlich doch eine Leerstelle markiert. Denn die Existenz queerphober Strömungen innerhalb der evangelischen Kirchen ist unbestritten, deren historisch gewachsenen Glaubenssätzen (die bis vor nicht allzu langer Zeit noch dem Mainstream entsprachen) die Arbeitsgemeinschaft bisher noch keine gemeinsame Argumentation entgegenstellt.

Außerdem fehlt die Stimme der AG (und der Landeskirche) bisher auch in einem erweiterten Kontext, in dem das Thema Queerness in der Mehrheitsgesellschaft nach wie vor polarisiert und auf Widerstände stößt. So gab es etwa zur Polykül-Segnung in Berlin zwar eine interne Orientierung, aber keine öffentliche Positionierung. Damit blieben Landeskirche und AG leider ziemlich blass in einem medial breit ausgeschlachteten Konflikt, der reichlich Möglichkeiten zur Stellungnahme in alle erdenklichen Richtungen bot.

Das Vaterunser wird abgewandelt

Vielleicht braucht es einfach Zeit, bis die evangelischen Landeskirchen mehr Mut und Selbstbewusstsein für eine ausgeprägtere und lautere Solidarisierung mit queeren Lebensentwürfen entwickelt haben. Immerhin sind sie bisher auf einem guten Weg: "Kreuz und Queer" marschiert nicht nur aus Überzeugung bei Pride-Veranstaltungen mit – 2025 beim allerersten CSD in Kaiserslautern unter dem Motto "Liebe tut der Seele gut" – sondern gestaltet auch queere Gottesdienste. Beispielsweise organisiert "Kreuz und Queer" inzwischen regelmäßig zum IDAHOBIT am 17. Mai einen queeren Gottesdienst in Ludwigshafen und hielt auch den Eröffnungsgottesdienst der letzten Landessynode der Kirche.

In solchen Settings geht es dann durchaus auch an die theologische Substanz, wenn etwa das Vaterunser, eines der zentralen Fundamente christlicher Bekenntnis und Lithurgie, gemäß den Ansprüchen geschlechtergerechter Sprache und eines neuen, nicht mehr patriarchalen Gottesbildes abgewandelt wird. Darüber hinaus stehen die Türen der Arbeitsgemeinschaft auch der Konkurrenz offen: Im E-Mail-Verteiler der AG haben sich auch schon katholische Akteur*innen eingetragen.

Auch für die Zukunft plant die Arbeitsgemeinschaft schon vor: Zur Landesgartenschau 2027 will man sich im ökumenischen Vorbereitungsteam engagieren, vorher blickt man aber der queeren Hochzeitsmesse "love*" in Heidelberg schon mit reger Vorfreude entgegen.

-w-