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Hamburg

Wegen CSD-Teilnahme: AfD sauer auf städtisches Verkehrsunternehmen

Die AfD ist empört, weil die Hamburger Hochbahn am CSD teilgenommen hat. Das Verkehrsunternehmen verteidigt dagegen sein "Engagement für ein diskriminierungsfreies Umfeld".


Die Haltestelle Jungfernstieg war der AfD während der CSD-Saison zu bunt (Bild: Hamburger Hochbahn AG)

Die AfD ätzt gegen die Teilnahme der Hamburger Hochbahn AG, des größten Verkehrsunternehmens in der Hansestadt, beim letztjährigen CSD. AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann spricht dabei von "grotesker Geldverschwendung" für "links-ideologische Genderkampagnen".

Anlass ist die Antwort auf eine Kleine Anfrage der rechtsextremen Bürgerschaftsfraktion zu den CSD-Kosten für das städtische Unternehmen (PDF). Demnach betrugen die Gesamtkosten rund 33.000 Euro. Der größte Kostenpunkt war die Teilnahme am Straßenfest, die mit 12.500 Euro zu Buche schlug, etwa für die Standgebühr oder Ausstattung und Technik. Die Teilnahme an der CSD-Demo kostete rund 8.000 Euro, eine Regenbogen-Haltestellenbeklebung am Jungfernstieg schlug mit rund 5.700 Euro zu Buche.

"Die Hochbahn schreibt regelmäßig Verluste und wird mit Millionenzuschüssen der Stadt gestützt, gibt aber dennoch Steuergelder für links-ideologische Genderkampagnen aus", empörte sich Nockemann, der sich offenbar von einem queerfeindlichen Verkehrsunternehmen mehr Pünktlichkeit verspricht: "Während Pendler unter vollen Zügen und steigenden Preisen leiden, fordert die AfD ein Ende derartiger Ausgaben und einen klaren Fokus auf bezahlbare, funktionierende und zuverlässige Verkehrsmittel."

Die Hochbahn macht derzeit massive Verluste: Dieses Jahr müssen 390 Millionen Euro zugeschossen werden. Grund seien insbesondere teure Elektrobusse und das vergleichsweise günstige Deutschlandticket. Um den Verlust nur mit Einsparungen bei der CSD-Beteiligung auszugleichen, müsste die Hochbahn die nächsten 12.000 (!) Jahre auf die Pride-Teilnahme verzichten.

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Hochbahn: Wir bekennen uns zu Vielfalt und Chancengleichheit

Das Verkehrsunternehmen ließ die Kritik nicht gelten: "Die Hochbahn bekennt sich als öffentliches Unternehmen klar zu einer Haltung der Vielfalt und Chancengleichheit", erklärte Unternehmenssprecher Andreas Ernst gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" (Bezahlartikel). "Die Teilnahme an der jährlichen Pride Week stellt einen bewussten Ausdruck des Engagements für ein diskriminierungsfreies Umfeld sowie für die Förderung von Respekt und Gleichbehandlung dar." Er stellte klar, dass "die Vielfalt innerhalb der Mitarbeitenden bei der Hochbahn" ein zentraler Erfolgsfaktor für das Unternehmen sei.

In der Antwort korrigierte die Hamburger Regierung auch den Vorwurf der AfD, dass es sich beim CSD lediglich um eine "Parade" handle: "Am 2. August 2025 fand eine Demonstration im Rahmen der Pride Week statt. Hierbei handelte es sich nicht um eine Parade", heißt es in der Antwort.

Übrigens: CSD-Teilnehmende der Hochbahn wurden nicht dafür bezahlt, sondern mussten dies in ihrer Freizeit tun. Lediglich wenn die Teilnahme Kosten verursachte, sei eine Aufwandsentschädigung gezahlt worden, teilte die Hochbahn mit. Als Arbeitszeit habe die Veranstaltung ausschließlich für die Diversity-Beauftragte gegolten.

Kritik: "Alice Weidel und ihr Tino" kosten pro Monat mehr Geld

Die AfD-Empörung über das CSD-Engagement des Verkehrsunternehmens stieß auf Social Media auf scharfe Kritik. Ein Nutzer schrieb etwa auf Facebook: "Für dumme AfD-Wähler: eine Pride-Woche sprudelt Millionen an Steuereinnahmen in die Stadtkasse. Wo soll das Verschwendung sein? Ihr seid alle keine Betriebswirte." Ein anderer merkte an: "Alice Weidel und ihr Tino kassieren pro Monat 48.000 Euro, DAS nenne ich Verschwendung! Denn außer Schreien und Unwahrheiten verbreiten schaffen diese beiden auch nichts."


(Bild: Facebook)

Die AfD macht immer wieder Stimmung gegen CSDs und setzt sich teilweise sogar für ein Demo-Verbot für queere Anliegen ein (queer.de berichtete). Laut Studien macht die gesamte rechtsextreme Szene derzeit mehr Stimmung gegen LGBTI-Demonstrationen: So sei letztes Jahr jeder fünfte CSD von rechten Gegenversammlungen und Störaktionen betroffen gewesen (queer.de berichtete). Die AfD heizt die Stimmung auch von den Parlamenten aus an: In einer Debatte über CSD-Gewalt im November 2025 bezeichnete ein AfD-Redner im Bundestag queere Menschen etwa als "pervers" (queer.de berichtete). (dk)

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