https://queer.de/?56644
Textilarme Sportler*innen
"Ich bin kein Porno-Star": Viele Sport-Asse präsentieren sich auf OnlyFans
OnlyFans gilt als Pornoportal. Doch auch viele olympische Sportler*innen verdienen sich dort ein paar Groschen dazu.

Bob-Champion Georg Fleischhauer bei der Arbeit – online zeigt er sich mit weniger Klamotten (Bild: IMAGO / Eibner)
- 26. Januar 2026, 15:57h 4 Min.
Bob-Anschieber Georg Fleischhauer beteuert zwar: "Ich bin kein Porno-Star." Allerdings finanziert sich der frühere Weltmeister vor den olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina teilweise mit Hilfe des Portal OnlyFans, auf dem sich reichlich Darsteller*innen aus dem Porno-Geschäft tummeln. 19,99 US-Dollar (knapp 17 Euro) verlangt der Spitzensportler für einen Monatszugang. Dort habe er die Chance, "einen Einblick in das Leben eines Spitzensportlers" zu geben. Fans können sich dabei auch auf freizügigere Bilder freuen, denn er und seine Kolleg*innen zeigten dort "natürlich auch unseren Körper und unsere Muskeln".
Instagram | Auch auf Instagram zeigt Fleischhauer, was er im Sommer so macht
|
Haut zeigten auch sechs Eisschnellläufer*innen aus Erfurt. Hendrik Dombek, Max Strübe, Stefan Emele, Felix Maly, Konstantin Götze und Sophie Warmuth standen für den Akt-Kalender "Eis, Eis, Baby 2026" Modell. Mit einer ähnlichen Aktion hatte das Sextett im Vorjahr etwa 3.500 Euro eingenommen. Damit konnte eine Finanzierungslücke bei den Sportler*innen geschlossen werden.
Auch Lisa Buckwitz zeigt auf OnlyFans gern, was sie hat – nur eben nicht alles. "Ich werde mich auf keinen Fall nackt zeigen", betont die Bobfahrerin. Und das nicht nur, weil sie eher extrovertiert und mit ihrem Körper sehr zufrieden ist. "Es ist auch ein Glücksfall für mich, da ich so mein Team finanzieren kann", sagte die Weltmeisterin von 2024 der Deutschen Presse-Agentur. Die vor einem Jahr begonnene Zusammenarbeit mit OnlyFans sei daher "das Beste, was mir hätte passieren können".
|
Nur mit der Akquise von herkömmlichen Sponsoren hätten Buckwitz und Co. längst nicht die finanziellen Möglichkeiten, die sie nun auch mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar in Italien nutzen kann. Die Gelder von der Sporthilfe, aus öffentlichen Töpfen und von lokalen Sponsoren reichten allein oft nicht aus.
Es sei "ein bisschen traurig", sagte Buckwitz, "dass ich nicht einfach nur meinen Leistungssport machen kann". Sie müsse sich parallel auch vermarkten – selbst nach Olympia-Gold 2018 als damalige Anschieberin. "Klar, ich bin eine Olympiasiegerin. Aber nur mit der Goldmedaille interessiert sich keiner für Lisa Buckwitz. Das ist leider die Schattenseite der Medaille", sagte Buckwitz in der ZDF-Doku "OnlyBob – Mein Körper. Mein Kapital".
Sie rechnete vor, dass eine Bob-Saison mit Trainingslager, Flugtickets, Materialaufwand und Prämien für ihre Anschieberinnen rund 50.000 Euro verschlingt. Geld, dass sie auch durch ihre Bilder, Videos und Aktivitäten bei der Erotik-Plattform reinholt. "Für mich ist es ein Sponsor, der mir neben der Bundeswehr den Sport ermöglicht. Also was ganz Normales", sagt Buckwitz. Doch sie gibt zu, dass das Sexuelle "natürlich ein Thema" sei. Die Athletin sorgt – mal im Sport-BH, mal im Bikini, mal im knallengen Bobanzug – auf der Plattform beständig für Content und kommuniziert auch mit ihren Fans.
Crowdfunding rettete Weltmeister die Karriere
Nicht wenige Athleten sind schon mit dem Crowdfunding in Berührung gekommen. Dabei wird über das Internet für einen bestimmten Zweck Geld gesammelt. Die Schwarmfinanzierung rettete einst auch die Karriere des Schweizer Ski-Rennfahrers Franjo von Allmen, als dieser im Alter von 17 Jahren durch den Tod seines Vaters auch finanziell getroffen wurde. Fans spendeten so viel Geld, dass von Allmen sich eine weitere Saison finanzieren konnte. Daran dachte er zurück, als er sich im Vorjahr zum Doppel-Weltmeister kürte.
All diese Aktionen seien "absolut legitim", sagt Biathlet Danilo Riethmüller. Er und die meisten seiner Teamkolleg*innen müssen nicht darauf zurückgreifen, weil es im Biathlonsport vergleichsweise gut dotierte Sponsorenverträge und Prämien gibt. Außerdem sind die meisten bei der Polizei, Bundeswehr oder Zoll angestellt. Doch diese Bedingungen haben längst nicht alle Leistungssportler*innen – sie müssen kreativ sein. "Ich stelle da keinen an den Pranger, weil er sich da ein bisschen nackig macht oder irgendwas", sagt Riethmüller.
Auch international haben Athlet*innen das Porno-Portal Onlyfans schon entdeckt. Dabei gab es auch Kritik: So verteidigte der offen schwule frühere Olympia-Goldmedaillengewinner Matthew Mitcham aus Australien 2023 seine Aktivitäten: "Ich habe viel Zeit und viele Anstrengungen in meinen Body investiert", erklärte Mitcham damals. "Wenn die Leute das sehen wollen, wäre ich blöd, das umsonst zu präsentieren" (queer.de berichtete). (dpa/cw)














