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Interview

Sarah Engels: "Wer tritt bei einem Wettbewerb an, ohne den Sieg als Ziel zu haben?"

In wenigen Wochen entscheidet sich, ob sie Deutschland beim ESC 2026 vertreten darf: Mit queer.de spricht Sarah Engels über ihre ESC-Connection, die Bedeutung der LGBTI-Community für sie und ihren Umgang mit Hate.


Die DSDS-Sängerin und Musicaldarstellerin Sarah Engel gehört zu den neun Acts, die am 28. Februar beim deutschen ESC-Vorentscheid antreten (Bild: Marcel Brell)

Seit ihrer Teilnahme an der achten Staffel von DSDS, in der sie 2011 den zweiten Platz belegte, ist Sarah Engels aus der deutschen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Seither veröffentlichte sie regelmäßig neue Musik mit soliden Chartplatzierungen und blieb auch abseits davon präsent – auf Social Media ebenso wie im Fernsehen, etwa als Jurorin bei "Das Supertalent", als Schauspielerin auf dem ZDF-"Traumschiff" oder als Moderatorin der Sat.1-Show "United Voices".

Nun, rund 15 Jahre nach ihrem ersten großen TV-Auftritt, bietet sich ihr erneut die Chance, vor einem Millionenpublikum aufzutreten: beim deutschen Vorentscheid für den ESC 2026 am 28. Februar. Dort gehört sie zu den neun Acts, die musikalisch kaum unterschiedlicher sein könnten (queer.de berichtete). Setzt sie sich durch, steht sie schon bald auf der Bühne vor ganz Europa – und darüber hinaus.

Mit queer.de spricht sie darüber, was diese Chance für sie bedeutet, wie sie die Debatte um mögliche Risiken für etablierte Künstler*innen bewertet – und weshalb sie beim Thema Dschungelcamp eine sehr deutliche Haltung zu einer eigenen Teilnahme hat.

Herzlichen Glückwunsch, Sarah. Du gehörst zu den neun Acts, die im deutschen Vorentscheid um das ESC-Ticket für 2026 antreten. Wie fühlt es sich an, Teil dieses Auswahlprozesses zu sein? Und was bedeutet dir diese Chance persönlich?

Es fühlt sich unglaublich an, und ist alles andere als selbstverständlich. Ich bin unendlich dankbar für diese Chance. Es ist für mich nicht nur ein musikalischer Schritt, sondern auch eine persönliche Reise.

Wie schätzt du deine Chancen ein – sowohl im Wettbewerb um das Ticket als auch für den ESC selbst, falls du Deutschland vertreten solltest?

Im Moment bin ich einfach nur glücklich und unglaublich stolz, beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest antreten zu dürfen. Für mich steht aktuell die Freude an der Musik und an dieser besonderen Chance im Vordergrund. Zusammen mit den anderen großartigen Acts werden wir einen unvergesslichen Abend verbringen. Aber natürlich will ich gewinnen und wünsche mir, mit meinem Song Deutschland in Wien vertreten zu dürfen. Wer tritt denn bei einem Wettbewerb an, ohne den Sieg als Ziel zu haben?

Welche Rolle spielt der ESC in deinem Leben, und hast du den Wettbewerb in den vergangenen Jahren aktiv verfolgt?

Ich habe den ESC schon als kleines Mädchen verfolgt. Wir haben den Abend mit der ganzen Familie gemeinsam verbracht, mitgefiebert, diskutiert und daraus ein richtiges, kleines Ritual gemacht. Und als Halbitalienerin haben wir eine sehr, sehr große Familie – da könnt ihr euch sicher vorstellen, dass da richtig was los war im Wohnzimmer. Dass ich jetzt beim deutschen Vorentscheid antreten darf, kann ich immer noch nicht glauben.

Deutschland hatte in den letzten Jahren beim ESC oft mit schlechten Platzierungen zu kämpfen. Viele etablierte Künstler*innen zögern deshalb, sich dem Wettbewerb zu stellen. Hast du selbst darüber nachgedacht, ob dir eine ESC-Teilnahme möglicherweise auch schaden könnte?

Natürlich nimmt man solche Stimmen wahr, aber ich habe mir darüber bewusst keine Angst gemacht. Für mich überwiegt ganz klar die Chance, meine Musik und meine Message auf einer großen Bühne zu zeigen. Ich gehe diesen Schritt aus Überzeugung und mit einem guten Gefühl. Wenn man Entscheidungen nur aus Angst trifft, hält einen das eher zurück – und genau davon möchte ich mich lösen.

Worum geht es in deinem Song "Fire", und welche Botschaft möchtest du damit transportieren?

"Fire" handelt von Befreiung aus belastenden Situationen und davon, wieder zu sich selbst zu finden. Der Song soll Mut machen, für sich einzustehen, klare Grenzen zu setzen und den eigenen Träumen zu folgen – auch dann, wenn der Weg nicht immer leicht ist. Ich möchte zeigen, dass Heilung ein Prozess ist – ein Zurückfinden zur eigenen Stärke und zu dem Gefühl, genug zu sein, auch mit Ängsten und Narben. Wenn sich Menschen, besonders Frauen, darin wiederfinden, Mut daraus schöpfen und wieder mehr an sich glauben, dann bedeutet mir das unendlich viel.

Wenn du an frühere ESC-Jahre denkst: Gibt es Künstler*innen oder Auftritte, die dich besonders geprägt oder beeindruckt haben – vielleicht sogar so sehr, dass sie dir als Inspiration dienen?

Eine Performance, die mich bis heute besonders inspiriert, ist Loreen mit "Euphoria". Eine Frau, ganz allein auf dieser riesigen Bühne, ohne große Effekte oder Tänzer – und trotzdem füllt sie den gesamten Raum nur mit ihrer Präsenz, ihrer Energie und ihrer Entschlossenheit. Sie zeigt, wie stark eine Künstlerin sein kann, wenn sie vollkommen in ihrer Kunst aufgeht. Diese Mischung aus Stärke, Emotionalität und absoluter Kontrolle berührt mich bis heute sehr.

Der ESC hat eine große Bedeutung für viele queere Menschen und ist fest in der
LGBTI-Community verankert. Welche persönliche Verbindung hast du zur Community?


Der ESC war für mich schon immer ein Ort, an dem Vielfalt ganz selbstverständlich dazugehört. Die LGBTI-Community lebt genau diese Offenheit, diesen Mut und diese Freiheit, sich selbst treu zu sein – und das berührt mich sehr. Ich habe großen Respekt davor und empfinde viel Dankbarkeit für die Energie, die die Community dem ESC und der Musik insgesamt gibt. Für mich ist Musik ein Raum ohne Schubladen, in dem jeder Mensch willkommen ist und sich gesehen fühlen darf.

Du hast bereits an verschiedenen TV-Formaten teilgenommen. Seit einigen Jahren sieht man immer häufiger Musiker*innen – wie zuletzt Lucy von den No Angels – in Reality-Formaten wie dem Dschungelcamp. Könntest du dir vorstellen, selbst einmal an einem solchen Format teilzunehmen?

(lacht) Nein, alles, was mit Spinnen zu tun hat, da bin ich wirklich raus.

Als öffentliche Person wirst du immer wieder mit Hass und Hetze konfrontiert. Durch die zusätzliche ESC-Aufmerksamkeit könnte das noch stärker werden. Wie gehst du mit solchen Angriffen um, und wie schützt du dich emotional davor?

Natürlich bekommt man als öffentliche Person auch negative Stimmen mit, das lässt sich nicht komplett vermeiden. Ich habe aber gelernt, mir sehr bewusst auszusuchen, wie viel Raum ich dem gebe. Mir helfen meine Familie, mein enges Umfeld und die Musik selbst, um geerdet zu bleiben. Ich versuche, mich auf das Positive zu konzentrieren und auf die Menschen, die mich unterstützen. Am Ende ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten und sich nicht von Hass definieren zu lassen.

Abseits des ESC-Vorentscheids: Gibt es weitere Projekte oder Pläne, auf die sich deine Fans in nächster Zeit freuen können

Ja, da sind auf jeden Fall noch einige Dinge in Planung, auf die ich mich sehr freue und über die ich bald auch drüber sprechen darf. Aber im Moment liegt mein voller Fokus ganz klar auf dem ESC und dieser unglaublichen Reise.

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