Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?5665
  • 28. September 2006 22 2 Min.

Wissenschaftler: Keine zuverlässige Prognose über Krankheitsverlauf / Neue Diskussion über Therapiebeginn.

Von Michaela Monschein

Die Verdienste der Messung von HIV-Partikeln im Blut zur Vorhersage des Krankheitsverlaufes haben Wissenschaftler der Case Western Reserve University jetzt in Frage gestellt. Ihre Studie legt nahe, dass das Feststellen der Virenbelastung ein viel weniger zuverlässiges Verfahren zur Prognose des Verlustes der entscheidenden CD4-Immunzellen ist als bisher angenommen. Diese Forschungsergebnisse könnten zu einer Neueinschätzung des Zeitpunktes führen an dem eine Behandlung begonnen wird. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Association veröffentlicht.

Die Vorhersage des Fortschreitens der Krankheit ist für die Behandlung von HIV-Patienten von entscheidender Bedeutung. Vor allem geht es um die Entscheidung, wann mit der so genannten hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) begonnen wird. HAART hat Millionen Menschen das Leben gerettet. Die häufig auftretenden starken Nebenwirkungen führen jedoch dazu, dass mit ihrem Einsatz erst begonnen wird, wenn es unbedingt erforderlich ist. Die bestehenden Behandlungsrichtlinien weisen Mediziner an, für die Bestimmung dieses Zeitpunktes die Virenbelastung zu ermitteln. HIV greift vor allem die CD4-Zellen an. Nimmt die Anzahl dieser Art weißer Blutkörperchen im Körper ab, verliert der Körper die Fähigkeit die Infektion zu bekämpfen. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von krankheitsbedingten Komplikationen erhöht sich.

Diese Theorie geht davon aus, dass je größer die Virenbelastung ist, desto schneller auch der Verlust der CD4-Zellen stattfindet. Die aktuelle Studie ergab, dass die Virenbelastung nur rund fünf Prozent der Abweichung von einer Person zu der anderen beim Ausmaß des Verlustes an CD4-Zellen erklären kann. Daraus folgt laut BBC, dass die Zerstörung dieser Zellen nicht als einfache Folge der im Blut vorhandenen Virusmenge angesehen werden kann. Vielmehr deutet sich an, dass die für den Krankheitsverlauf entscheidenden Faktoren komplexer sind. Dazu dürfte auch der Schaden gehören, den das Virus direkt im Immunsystem anrichten kann.

Der leitende Wissenschaftler Benigno Rodriguez erklärte, dass die Ergebnisse dieser Studie umfangreiche Auswirkungen auf das Verständnis haben können, wie HIV eine Erkrankung verursacht und wie in der Folge die Behandlung der Patienten zu gestalten sein wird. Die Forscher bedienten sich eines ausgeklügelten statistischen Modellverfahrens zur Feststellung der Virenbelastung und des Verlustes von CD4-Zellen bei mehr als 2.800 HIV-Patienten, die nicht behandelt wurden.

28. September 2006

-w-

#1 RainerAnonym
  • 28.09.2006, 14:49h
  • Die aktuelle Studie findet man hier:

    jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/296/12/1498

    weiterführende Infos (auf englisch):

    www.aidsmap.com/en/news/796E5C58-223A-48E2-AE15-B2C6EB1130D4
    .asp


    Ein Kommentar dazu im gleichen JAMA-Heft:

    "Dr Keith Henry from the University of Minnesota and colleagues from the University of Pennsylvania and the National Institute of Allergy and Infectious Diseases, calls the study’s findings "provocative" and notes that "25 years into the HIV epidemic, a complete understanding of what drives the decay of CD4 cells – the essential event of HIV disease – is still lacking."

    Vieles bleibt nach wie vor völlig unklar. Weder wissen die Wissenschaftler wie HIV eigentlich übertragen wird, noch ist bekannt, wie denn HIV diejenigen Krankheiten verursacht, die man unter dem Sammelbegriff AIDS zusammenfasst.

    Einiges deutet darauf hin, dass szenetypische Drogen (Meth, Poppers) hier einen wichtigen Einfluss ausüben. Neue Studien verschiedener Institute bestätigen das immer wieder. Aktuell nachzulesen in einem Aufsatz vom September 2006:

    www.springerlink.com/content/g14t6671r1203h22/

    ?p=7704e91b261b4453be15afa1b929faa3&pi=11

    Noch erschreckender: Die Kombinationstherapie HAART senkt zwar die Viruslast, verbessert aber nicht die Lebenserwartung. Sie beschleunigt sogar die AIDS-Progression (The Lancet, 2006):

    www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi

    ?db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=AbstractPlus&list_uids=16890831&query_hl=2&itool=pubmed_docsum

    "there was no corresponding decrease in the rates of AIDS, or death, up to 1 year of follow-up. Conversely, there was some evidence for an increase in the rate of AIDS in the most recent period."

    Fazit: Jeder Betroffene ist gut beraten, sich umfassend und eingehend zu informieren, bevor er eine HAART bzw. Kombinationstherapie startet. Auf jeden Fall alternative Behandlungsmöglichkeiten mit dem Arzt/der Ärztin erörtern!
  • Direktlink »
#2 YuiAnonym
  • 28.09.2006, 18:55h
  • @ Rainer: ist ja nett, dass du die wissenschaftlichen Artikel zitierst, aber dann solltest du sie auch komplett gelesen und verstanden haben... Der Artikel besagt nämlich, dass HAART die Viruslast im Körper verringern kann, jedoch keinen Einfluss auf die absolute Mortalitätsrate hat. Dein zitierter Satz ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen und hat nicht die Aussage, die du im zuschreibst.

    Nach Lesen des Artikels kommt man zur Erkenntnis, dass HAART die Lebenserwartung verlängert, jedoch keine HIV-Infektion heilen kann! Dennoch wirkt es sich positiv auf die Viruslast aus.

    Bezogen auf den oberen Artikel kann man dann nur noch feststellen, dass HAART bei einer HIV-Infektion immer noch das einzige Mittel der Wahl ist und auch tausenden von Schwulen in den Industrieländern das Leben deutlich verlängert und die Lebensqualität verbessert hat. Das einzig kritische ist hier immer noch der Zeitpunkt des Therapiebeginns - aber auch hier werden sich aufgrund neuer Forschungsergebnisse in den nächsten Jahren noch Änderungen ergeben.

    Fazit: AIDS ist nicht heilbar!!! Praktiziert Safer Sex!!!
  • Direktlink »
#3 RainerAnonym
  • 28.09.2006, 21:59h
  • @Yui

    Keine Sorge, den Lancet-Artikel habe ich an einem ruhigen Nachmittag mehrfach gelesen, weil ich von den Ergebnissen - gelinde gesagt - schockiert war. Ich zitiere mal nur aus dem Text und so gut es geht, auch im Zusammenhang:
    -----------
    "The results of this collaborative study, which involved 12 prospective cohorts and over 20,000 patients with HIV-1 from Europe and North America, show that the virological response after starting HAART has improved steadily since 1996. However, there was no corresponding decrease in the rates of AIDS, or death, up to 1 year of follow-up. Conversely, there was some evidence for an increase in the rate of AIDS in the most recent period."

    "The major findings are that, despite improved initial HIV virological control (<500 copies per mL at 6 months increased from 58% in 1995-96 to 83% in 2002-03) there were no significant improvements in early immunological response as measured by CD4-lymphocte count, no reduction in all-cause mortality, and a significant increase in combined AIDS/AIDS related death risk in more recent years".

    "An intriguing finding was a reduction in the median time to AIDS, with half of AIDS events in the 2002-3 cohort occurring in the first two months of the 12 month period."

    May MT et al.: HIV treatment response and prognosis in Europe and North America in the first decade of highly active antiretroviral therapy: a collaborative analysis. Lancet. 2006 Aug 5;368(9534):451-8.
    ---------

    Wenn man diese Ergebnisse auch noch im Lichte der neuen Viruslast-Studie bewertet, kommt man wirklich ins Grübeln, worin der Vorteil einer HAART bestehen soll. Mehr als große Zweifel haben uns 25 Jahre AIDS-Forschung bisher leider nicht gebracht.
  • Direktlink »