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Warnung von queeren Organisationen

Holocaust-Gedenktag: "Hört uns zu, wenn wir Alarm schlagen"

Heute ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Anlässlich des Gedenktages warnen queere Organisationen davor, dass sich Geschichte wiederholt.


Vor genau 81 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit, das größte der deutschen Todeslager. Seit 2005 wird daher der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen (Bild: Daniel BRIOT / flickr)

LGBTI-Organisationen rufen am Dienstag anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zu mehr Engagement gegen Spaltung und Hass auf. "Erinnerungspolitik ist so gefährdet wie schon lange nicht mehr", attestierte etwa der Bundesvorstand des queeren Dachverbands LSVD+ in einer Erklärung. Dabei wird darauf verwiesen, dass es fast täglich einen Angriff auf Gedenk- oder Erinnerungsorte gebe.

"Umso wichtiger ist es, dass alle damals verfolgten und heute weiterhin oft marginalisierten Gruppen gemeinsam sichtbar gegen Ausgrenzung einstehen", forderte der Verband. "Denn wenn Hass, Hetze und Gewalt sich wieder ausbreiten, sind LSBTIQ* und andere oft zuerst betroffen. Unsere Sicherheit und reale Chance auf politische und gesellschaftliche Teilhabe sind ein Gradmesser für Demokratie."

Der LSVD+ richtete daher eine eindringliche Forderung an die Gesellschaft: "Also hört uns zu, wenn wir Alarm schlagen. Wir alle müssen dem demokratiefeindlichen Backlash entgegentreten. Der beste Zeitpunkt dafür ist bereits verstrichen, der nächstbeste Zeitpunkt ist jetzt."

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Aufarbeitung der Verfolgung von geschlechtlichen Minderheiten gefordert

Insbesondere müsste auch die Verfolgung geschlechtlicher Minderheiten im Nationalsozialismus aufgearbeitet werden. Der LSVD+ weist dabei auf "bestehende Forschungslücken" hin. Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) erklärte, dies sei auch mit Blick auf das gegenwärtige Wiedererstarken rechtsextremer Kräfte wichtig: "Wir mahnen davor, wie unsere Zukunft aussehen kann, wenn wir uns nicht täglich in unserem Alltag gegen Faschismus, Hass und Menschenfeindlichkeit positionieren. Wir alle dürfen uns unserer historischen Verantwortung niemals entziehen."

Robin Ivy Osterkamp, Bundesvorstandsmitglied des Bundesverbandes Trans* (BVT*), fügte hinzu: "Trans und nichtbinäre Personen sind keine homogene Gruppe Viele von uns leben in Armut sind behindert oder von Rassismus betroffen. Diese Mehrfachdiskriminierungen müssen auch im historischen Gedenken sichtbar werden. Erinnerung, die diese Verschränkungen ausblendet, bleibt unvollständig."

Kritik an Bundesregierung

Das Queere Netzwerks Baden-Württemberg kritisierte anlässlich des Gedenktages auch die Bundesregierung. Die Erinnerung an das Menschheitsverbrechen, heißt es in einer Pressemitteilung, sei nicht nur ein jährliches Ritual, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag: "Und dieser Auftrag wird aktuell politisch und finanziell unter Druck gesetzt. Der Bundestag verabschiedete 2024 den 'Aktionsplan der Bundesregierung für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – Queer leben'; ein wesentlicher Bestandteil war ausdrücklich die Stärkung der Erinnerungskultur sowie der Schutz vor Gewalt und Anfeindungen. Obwohl der Aktionsplan nur teilweise umgesetzt wurde, gilt er nun unter der Bundesregierung Merz als beendet", kritisierte das Netzwerk. Gegen das Ende des Aktionsplans gibt es bereits eine Petition (queer.de berichtete). Diese wurde bislang von knapp 70.000 Menschen unterzeichnet. (dk)

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