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Mit 89 Jahren
Aids-Leugner Peter Duesberg gestorben
Professor Peter Duesberg war so etwas wie der Haupt-Querdenker während der Aids-Krise. Weil die Politik teilweise auf ihn hörte, mussten hunderttausende Menschen sterben.

Peter Duesberg verbreitete seine Thesen weltweit, etwa in TV-Wissenschaftssendungen (Bild: Screenshot SRF)
- 30. Januar 2026, 16:13h 3 Min.
Der deutsche-amerikanische Molekularbiologe Peter Duesberg ist bereits am 13. Januar im Alter von 89 Jahren im kalifornischen Lafayette gestorben. Er litt zuletzt an Nierenversagen und hatte in den letzten Jahren seines Lebens mit den Folgen einer durch einen Schlaganfall ausgelösten Aphasie, einer Hirnschädigung, zu kämpfen.
Der Professor für Molekular- und Zellbiologie ist vor allem durch seine Leugnung der Immunschwächekrankheit Aids bekannt. Viele Fachleute gehen davon aus, dass Duesbergs Thesen indirekt zu mehr Aids-Toten beigetragen und das Leid durch die Immunschwächekrankheit insbesondere in der schwulen Community verlängert zu haben.
Duesberg war 1936 in Münster geboren worden und galt in den Sechziger- und Siebzigerjahren als brillanter Wissenschaftler. Als Professor an der renommierten University of California in Berkeley erhielt er internationale Anerkennung für seine Arbeit zu Retroviren und genetischen Einflüssen auf Krebs. So war er einer der ersten, die ein krebsverursachendes Gen in einem Virus identifizierten, und seine Forschung trug zur Aufklärung der Rolle von Retroviren in der Onkologie bei.
Duesberg sah Aids als Lebensstilproblem an
Doch er zerstörte sein wissenschaftliches Erbe: Ende der Achtzigerjahre stellte Duesberg die schon damals etablierte Verbindung zwischen dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) und Aids in Frage. Er vertrat über Jahrzehnte die Position, HIV sei ein "harmloser Passagier", und suchte die Ursachen von Aids in Drogenkonsum, "exzessivem Sexualverhalten" und anderen Faktoren – etwa dem Konsum von Poppers. Viele queerfeindliche Kräfte nahmen seinen Vorwurf, dass Aids keine Infektionskrankheit, sondern ein "Lebensstilproblem" insbesondere von Schwulen sei, dankbar auf. Er wurde etwa zu einer Ikone der religiösen Rechten in den USA, die seine Thesen dazu nutzten, um Sexualaufklärung oder die Gleichbehandlung von queeren Menschen – für sie Menschen mit einem "kranken" Lebensstil – zu bekämpfen.
Die Einnahme antiretroviraler Aids-Medikamente bezeichnete Duesberg zudem als gefährlich – und machte eine regelrechte Medien-Kampagne dagegen. Dabei retteten laut seriösen Forschenden genau diese Medikamente in den letzten Jahrzehnten Millionen von HIV-Positiven das Leben.
Duesbergs Haltung führte zu heftigen Auseinandersetzungen. Seine Hypothesen isolierten ihn zunehmend. Kolleg*innen beschuldigten ihn auch, aus Geltungssucht zu handeln. "Er liebte das Rampenlicht, und Reporter strömten wegen seiner ungeheuerlichen Haltung zu ihm", so zitiert die "New York Times" (Bezahlartikel) seinen Berkeley-Kollegen Professor Randy Schekman.
Die Verbreitung seiner Theorien hat direkten Einfluss auf die Politik gehabt. In Südafrika hörte etwa der damalige Präsident Thabo Mbeki um die Jahrtausendwende auf seine Argumente und verzögerte HIV-Therapien. Nach Einschätzung von Expert*innen war das Ergebnis Hunderttausende vermeidbarer Aids-Todesfälle.
Duesbergs Taktik wird etwa von der AfD kopiert
Duesbergs Positionen beeinflussten über die Jahre auch andere Gegner*innen etablierter medizinischer Wissenschaften und wurden später von Gruppen aufgegriffen, die Impfungen oder andere evidenzbasierte Gesundheitsmaßnahmen ablehnen. Er lieferte praktisch die Blaupause für Scharlatane in der öffentlichen Debatte über Gesundheit. Er hatte etwa behauptet, Forschende würden HIV als Ursache von Aids verteidigen, um sich Fördergelder zu sichern, ihre Karrieren zu schützen und institutionelle Macht zu erhalten. Während der Corona-Krise griffen Impf-Gegner*innen oder die AfD als ihr politischer Arm derartige Verschwörungstheorien auf.
Die Universität Berkeley würdigte Duesberg in einer Mitteilung als eine "öffentliche, kontroverse Persönlichkeit", die es in späteren Jahren genossen habe, "als Querdenker (Maverick) im Zentrum von Kontroversen" zu stehen. Gleichzeitig betonte die Universität, dass der wissenschaftliche Konsens nach wie vor eindeutig sei: HIV ist die Haupt-Ursache von Aids und antiretrovirale Therapien sind wirksam. (dk)














