https://queer.de/?56715
Queerfilmnacht
Wenn die Lust an risky Sex die Karriere gefährdet
Ein aufstrebender Schauspieler und ein Politiker haben gerne Sex miteinander an öffentlichen Orten. Das wird nicht nur für ihre Karrieren gefährlich. Der Erotikhriller "Night Stage" erkundet die Lust am Risiko – und ist dabei sexy und sinnlich.

Matias und Rafael stehen auf Sex an öffentlichen Orten (Bild: Salzgeber)
- Von
1. Februar 2026, 07:08h 4 Min.
Eine Nachricht von Discreet 35. Dass der auf einer Dating-App nicht gerade die große Liebe sucht, versteht sich von selbst. Er ist vorsichtig, das macht er Matias gleich klar. Als der Theaterschauspieler neugierig fragt, ob er denn verheiratet sei, antwortet er ausweichend: "Und wenn ich es bin?" Matias steigt ins Auto.
Der Sex ist gut, richtig gut. Doch Rafael, so heißt der diskrete Mann, sagt deutlich: Zweite Dates gibt es mit ihm nicht. Aber die Lust ist größer als die Vernunft. Die zwei treffen sich wieder. Nach und nach merken sie, dass sie besonders auf Sex an öffentlichen Orten stehen. Im Auto mit Aussicht auf die Stadt, wenn daneben ein paar Jugendliche feiern? Ein sexy Videocall, während Rafael ein wichtiges Meeting hat? Macht die beiden richtig geil.
Beide müssen sich verstecken

Poster zum Film: "Night Stage" startet am 26. Februar 2026 regulär im Kio und läuft zuvor bereits den ganzen Monat in der Queerfilmnacht
So diskret, wie Rafael sein will, bleibt er nicht. Matias erfährt, dass er gar kein Geschäftsmann ist, wie er ihm anfangs erzählt hat. Nein, Rafael ist Politiker, und er will Bürgermeister ihrer Heimatstadt Porto Alegre im Süden Brasiliens werden. Deshalb also die Heimlichtuerei.
Doch auch Matias arbeitet an seiner Karriere. Gerade ist er Schauspieler in einer Theatergruppe, doch in der Millionenstadt Porto Alegre soll eine neue, große Serie gedreht werden. Sein Kollege Fabio wird zum Casting eingeladen. Doch Matias hat eine Idee, wie er sich auch ins Rennen bringen könnte – auch wenn das heißt, weniger von sich preiszugeben. Er soll einen Frauenschwarm spielen, Küsse mit Männern auf Social Media passen da nicht, wird ihm freundlich, aber unmissverständlich gesagt.
Das Risiko, entdeckt zu werden
Der Erotikthriller "Night Stage" führt die Handlungsstränge seiner zwei Hauptfiguren geschickt zusammen. Je wilder und riskanter ihr Sex wird, desto katastrophaler wären die Konsequenzen, für den Bürgermeisterkandidaten genauso wie für den Darsteller, der bald jeden Abend auf Millionen Fernsehern zu sehen sein wird. Doch kann Matias und Rafael das davon abbringen?
"Night Stage" ist der dritte Film der zwei brasilianischen Regisseure Filipe Matzembacher und Marcio Reolon, nach ihrem Debut "Seashore" und dem Teddy-Gewinner von 2018, "Hard Paint". Ihr Erotikthriller schafft es, die Lust am Risiko zu übertragen: Dafür sorgen sinnliche Bilder von Kamerafrau Luciana Baseggio, die nicht nur das ästhetische Spiel aus Licht und Schatten so beherrscht wie Caravaggio im Frühbarock.
|
Der Kontrast aus Gefahr und Geilheit
Auch die Neontöne, in die der Film getaucht ist, verstärken als Anlehnung an Neonoir-Filme den Kontrast aus Gefahr und Geilheit. Prägnante Zooms machen das Publikum zudem selbst zum Voyeur – und das Wissen, dass die eigene Schaulust genau das ist, was den Figuren gefällt, wird zum selbstverstärkenden Effekt. Laura Mulvey, die wichtige feministische Filmtheoretikerin, die über die Lust am Schauen schrieb, hätte ihre Freude an "Night Stage".
Den visuellen Eindruck verstärken die fast romantischen Streicherklänge, die hier und da ins Unheimliche, Angstvolle kippen (Musik: Thiago Pethit, Arthur Decloedt und Charles Tixier). Schließlich funktioniert auch die Chemie der zwei Hauptdarsteller Gabriel Faryas – ein Newcomer, den man im Auge behalten sollte – und Cirillo Luna.
Ein Plädoyer für Lust
Für eine reaktionäre Moral interessiert sich "Night Stage" dabei glücklicherweise nicht. Es geht nicht darum – wie früher oft in der Filmgeschichte -, die schwulen Männer für ihre Lust zu bestrafen. Im Gegenteil: Wer die beiden davon abhalten will, so wie der Geldgeber der Bürgermeister-Kampagne, wird das bereuen müssen. Das macht den Erotikthriller zu einer zeitgenössischen Umkehrung einer filmischen Konvention aus dem vergangenen Jahrhundert.
"Night Stage" ist vielmehr ein Plädoyer für selbstbestimmte Lust und ein Abgesang an hergebrachte Moralvorstellungen. Matias noch Rafael lassen einander erkennen, dass sie keine Lust auf Versteckspiel haben – sondern aufeinander.
Night Stage. Erotikthriller. Brasilien 2025. Regie: Marcio Reolon, Filipe Matzembacher. Cast: Gabriel Faryas, Cirillo Luna, Henrique Barreira, Ivo Müller, Kaya Rodrigues, Larissa Sanguiné. Laufzeit: 119 Minuten. Sprache: portugiesische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 26. Februar 2026. Im gesamten Februar 2026 bereits in der Queerfilmnacht
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine im Rahmen der Queerfilmnacht
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
23:15h, BR:
What a Feeling
Warmherzige lesbische Rom-Com über die Ärztin Marie-Theres, die von ihrem Mann verlassen wird und sich in einer Lesbenbar in Tischlerin Fa verliebt.
Spielfilm, A 2023- 4 weitere TV-Tipps »














