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Queer Cinema
So queer war das Sundance Film Festival 2026
Die Festival-Ikone für das Indie-Kino ist traditionell ein Füllhorn für das LGBTI-Cinema. Auch in diesem Jahr fand der Queerdance bei Sundance statt – mit Horror sowie schrägen Storys.

Eine toughe Taxifahrerin lernt eine Gruppe schillernder Sexarbeiterinnen kennen: Szene aus "Lady" (Bild: Sundance)
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2. Februar 2026, 07:11h 5 Min.
Anno 1978 gründete Hollywood-Rebell Robert Redford in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah sein eigenes Filmfestival, das bald in den noblen Skiort Park City umzog. Schnell avancierte die Veranstaltung, die seit 1991 als Sundance Film Festival bekannt ist, zum wichtigsten Showcase für das Indie-Kino.
Und entwickelte sich zur Top-Adresse für das Queer Cinema: Bei Sundance gab es etwa die Weltpremieren von "Poison" von Todd Haynes, von "Call Me By Your Name" von Luca Guadagnino oder im Vorjahr von "The Wedding Banquett" von Andrew Ahn.
Auch in diesem Jahr gehörten zahlreiche queere Filme zum Programm, darunter der Preisträger "Lady" (World Cinema Dramatic Special Jury Award for Acting Ensemble). Acht Highlights stellen wir im Folgenden näher vor.
I Want Your Sex

Szene aus "I Want Your Sex" (Bild: Sundance)
Gregg Araki ist mittlerweile Sundance-Veteran. Zehn Mal hat er hier schon seine Premieren gefeiert. Nun folgt der nächste Streich, dessen Titel allemal preiswürdig wäre. Erzählt wird vom jungen Elliot (Cooper Hoffmann), der einen Job bei der Künstlerin und Provokateurin Erika Tracy (Olivia Wilde) annimmt. Madame macht ihn zu ihrer sexuellen Muse. Doch der Zauberlehrling ist bald überfordert, als ihn Erika auf eine Reise in eine Welt voller Sex, Besessenheit, Macht, Verrat und Mord mitnimmt. Zum einen bietet sich eine spitzzüngige Satire auf die Kunstwelt. Zum anderen eine Reflexion über den aktuellen Stand der Sexualität. Einen deutschen Kinostart gibt es bislang noch nicht, aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Leviticus

Szene aus "Leviticus" (Bild: Sundance)
Homo-Horror aus Australien: Zwei Teenager müssen vor einem gewalttätigen Wesen fliehen, das die Gestalt der Person annimmt, die sie am meisten begehren – nämlich einander. Drehbuchautor und Regisseur Adrian Chiarella erzählt von Naim (Joe Bird) und Ryan (Stacy Clausen), die in einem abgelegenen Kaff aufwachsen, in dem religiöser Fanatismus dominiert. Kein Ponyhof für ein Coming-out. Als die beiden Jungs ihre Sexualität entdecken, sehen sie sich bald mit physischer und psychischer Gewalt konfrontiert. Die Grusel-Geschichte erweist sich als Reflexion darüber, was es bedeutet, trotz der anhaltenden Gefahren von innen und außen queer zu lieben.
The Incomer

Szene aus "The Incomer" (Bild: Sundance)
Für schrullige Storys sind die Briten immer gut. Erzählt wird von den Zwillingen Isla und Sandy, die seit immer schon auf einer einsamen schottischen Insel leben. Besucher*innen, die titelgebenden Incomer, werden rigoros vertrieben. Doch dann kommt Daniel, ein schüchterner Bürokrat vom Festland, dessen Mission lautet: Die Geschwister von ihrer Insel zu holen. Die wehren sich zunächst nach Kräften. Doch irgendwann erwacht bei Sandy das Interesse am ersten Mann in seinem Leben. Klingt lustig, die Umsetzung wirkt allerdings allzu holprig und langatmig. Da kann auch ein Domhnall Gleeson nicht mehr viel retten. Oder doch? Immerhin gab es dafür den NEXT Innovator Award.
Barbara Forever

Szene aus "Barbara Forever" (Bild: Sundance)
Doku über Barbara Hammer (1939-2019), lesbische Experimentalfilmemacherin, Ikone und Pionierin. Regisseurin Brydie O'Connor webt aus Archivmaterial unter Begleitung von Hammers eigener Stimme ein dynamisches Bild und bietet einen intimen Einblick in die Gedankenwelt einer visuellen Poetin. Barbara Hammer beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wer Geschichte schreibt und wer dabei außen vor bleibt. Das motivierte sie, ihr Leben, ihren Körper, ihre Liebhaberinnen und die Freude an ihrer lesbischen Identität festzuhalten. Die Hommage kann auch auf der Berlinale gesehen werden.
Big Girls Don't Cry

Szene aus "Big Girls Don't Cry" (Bild: Sundance)
Coming-of-Age-Porträt einer queeren Jugend in Neuseeland. Teenagerin Sid Bookman entdeckt ihre Sehnsüchte, ihre Identität und das Internet, während sie die Menschen imitiert, von denen sie sich Liebe wünscht. Regisseurin Paloma Schneideman, die durch Jane Campions Filmprogramm gefördert wurde, erzählt auf wunderschöne Weise vom Grenzbereich zwischen Jugend und Erwachsensein, Begehren und Erfahrung.
Tell Me Everything

Szene aus "Tell Me Everything" (Bild: Sundance)
Inmitten des Pop-Booms der späten 1980er Jahre und der zunehmenden HIV-Epidemie entdeckt der 12-jährige Boaz ein verheerendes Geheimnis über seinen verehrten Vater, das seine Familie zu zerreißen droht. Auf einer jahrelangen Reise versucht er, die Wunde zu heilen und die Vater-Sohn-Bindung wiederherzustellen, nach der er sich immer gesehnt hat. Auf der Suche nach der Wahrheit lässt Boaz mit jedem Schritt seine Kindheit hinter sich und trägt seine Scham, seine Schuld und seine Wut mit sich ins Erwachsenenalter.
Lady

"Lady"-Regisseurin Olive Nwosu (Bild: Sundance)
In der weitläufigen afrikanischen Metropole Lagos trifft eine äußerst unabhängige junge Taxifahrerin auf eine Gruppe strahlend unbekümmerter Sexarbeiterinnen, deren Schwesternschaft sie in Gefahr und Freude stürzt und sie auf eine Reise zu ihrer eigenen Verwandlung schickt. Als Taxifahrerin verdient Lady genug Geld, um für sich und ihre Großmutter zu sorgen, während die meisten Nigerianer*innen sich zwischen Frühstück und Mittagessen entscheiden müssen. Das Debüt von Regisseurin Olive Nwosu bekam den World Cinema Dramatic Special Jury Award für das beste Schauspielensemble: In der Begründung heißt es: "Für einen Film voller Tiefe und Textur und mit einem ganz eigenen Rhythmus, mit einem elektrisierenden Ensemble, das Leben, Humor und Einsichten in eine Geschichte über alltägliche Herausforderungen und das Finden von Sicherheit in unerwarteten Freundschaften bringt." "Lady" läuft auch auf der diesjährigen Berlinale.
Jaripeo

Szene aus "Jaripeo" (Bild: Sundance)
"Ich habe dich hierher nach Penjamillo mitgenommen, damit du ein wenig davon mitbekommst, wie es ist, ein junger queerer Ranchero zu sein", erklärt Efraín Mojica, der zusammen mit Rebecca Zweig mit "Jaripeo" sein Spielfilmdebüt als Regisseur gibt. Mojica führt uns in die pulsierende Welt der "Jaripeos", ländlicher Rodeos, die machoistische Cowboys, betrunkene Feiernde und versteckte queere Begegnungen anziehen. Mit Verité- und Super-8-Aufnahmen fängt die Kamera heimliche Blicke und flüchtige Berührungen ein und verweilt liebevoll auf den Körpern der Reiter – Manifestationen des Machismo, gefiltert durch eine queere Linse. Die Pferdchen sind auch für die Berlinale gesattelt.
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