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Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt
Nach Heiratsantrag vor 50.000 Fans: Schwere Vorwürfe gegen bisexuellen Schiedsrichter
Nach einem herzerwärmenden Heiratsantrag im ausverkauften Kölner Fußballstadion erhebt eine Bar Vorwürfe gegen Pascal Kaiser, die Staatsanwalt hat wohl Ermittlungen eingeleitet. Der Antrag war außerdem nicht so einmalig wie vorher gedacht.

Pascal Kaiser bei seinem Heiratsantrag im Müngersdorfer Stadion (Bild: IMAGO / Beautiful Sports International)
- 4. Februar 2026, 11:26h 3 Min.
Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt offenbar gegen den bisexuellen Amateuerschiedsrichter Pascal Kaiser. Der 28-Jährige hatte vor dem letzten Ligapsiel des Erstligisten 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Freitag seinem Freund unter dem Jubel der 50.000 Zuschauer*innen einen Heiratsantrag gemacht (queer.de berichtete). Daraufhin erhob eine Kölner Bar aus dem Stadtteil Neustadt-Nord auf Instagram schwere Vorwürfe gegen Kaiser. Er soll dort als Betriebsleiter gearbeitet haben und mit "einem Wochenumsatz, Wechselgeld sowie einem Laptop" spurlos verschwunden sein. Deshalb werde er derzeit polizeilich gesucht.

(Bild: Instagram)
Gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" (Bezahlartikel) bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass "Verantwortliche einer in Köln beheimateten Bar" 2024 Strafanzeige gestellt hätten – gegen einen ehemaligen Angestellten. Anfang 2025 sei das Verfahren vorläufig eingestellt worden, "weil keine sicheren Erkenntnisse dazu vorlagen", wo der Mann wohne bzw. wo er sich aufhalte. Man habe "strafprozessuale Maßnahmen zur Aufenthaltsermittlung" veranlasst und werde "Geschehnisse rund um das Heimspiel des 1. FC Köln" in den Ermittlungen berücksichtigen.
Schiedsrichter weist Vorwürfe zurück und zieht sich von Social Media zurück
Ein Anwalt des Schiedsrichters wies die Vorwürfe gegenüber dem "Stadtanzeiger" zurück. Kaiser habe nichts über die Strafanzeige und die Aufenthaltsermittlung gewusst. Kaiser selbst zog sich jetzt aus der Öffentlichkeit zurück: Sein Instagram-Konto wurde auf "privat" gestellt, alte Postings sind nicht mehr zu sehen.
TikTok / 1. FC Köln@fckoeln Special moment Pascal Kaiser ist Schiedsrichter und riesiger FC-Fan. Pascal ist queer und hat sich vor drei Jahren geoutet. Heute hatte er einen besonderen Plan, bei dem der FC ihn unterstützt hat. Pascal machte seinem langjährigen Partner einen Heiratsantrag im RheinEnergieSTADION doch seht selbst #effzeh #KOEWOB
Originalton – 1. FC Köln
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Auf Social Media führten die Vorwürfe zu vielen Diskussionen. Dabei machten einige darauf aufmerksam, dass Kaisers Heiratsantrag nicht einmalig war: Kaiser hatte bereits im November 2023 einem anderen Freund auf dem Dach der Lanxess Arena einen Heiratsantrag gemacht. Die Aktion war Teil eines aufwendig produzierten Social-Media-Projekts der Sparkasse Köln/Bonn, die den Antrag als "Tag für die Ewigkeit" bezeichnete.
Kaiser hatte 2022 mit seinem Coming-out als bisexuell erstmals für Schlagzeilen gesorgt (queer.de berichtete). Erst vor einen knappen halben Jahr übte er scharfe Kritik am Deutschen Fußballbund. So habe sein Coming-out seiner Karriere geschadet, zudem betreibe der DFB Pinkwashing (queer.de berichtete).
Der Heiratsantrag am vergangenen Freitag fand im Rahmen eines "Diversity Day" statt, bei dem der Bundesligaverein ein Zeichen für Vielfalt setzen wollte. So leuchteten die Stadionpfosten in Regenbogenfarben, außerdem liefen die Kölner Spieler lief in einem Regenbogen-Sondertrikot auf. Mit den Aktionen wolle der Klub "wichtige Zeichen für Vielfalt im Sport und in der Gesellschaft setzen", sagte Geschäftsführer Philipp Türoff. Inzwischen erklärte der FC gegenüber dem "Stadtanzeiger", dass man Kontakt zum Schiedsrichter und zu den Ermittlungsbehörden aufgenommen habe. "Die rechtliche Bewertung der Vorwürfe obliegt den zuständigen Behörden", heißt es weiter. (cw)














