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Anhörung im Senat

Zu woke, zu links, zu queer­freundlich: Republikaner ziehen über Netflix her

Kulturkampf im amerikanischen Kongress: Bei einer Anhörung im Senat warfen die Republikaner dem Netflix-CEO vor, dass sein Streamingportal "Propaganda" für trans Menschen betreibe.


Senator Josh Hawley würde gerne queere Inhalte aus Netflix entfernen lassen (Bild: Rebecca Hammel / wikipedia)
  • 5. Februar 2026, 11:00h 3 Min.

Netflix-Co-Chef Ted Sarandos musste sich am Dienstag im US-Senat bei einer Anhörung den Fragen der Politiker*innen stellen. Dabei sollte es um den geplanten Zusammenschluss mit Warner Bros. Discovery gehen, allerdings nutzten die Republikaner die Anhörung, um Sarandos wegen der angeblich zu queerfreundlichen Ausrichtung des Streamgportals zu kritisieren.

Der republikanische Senator Josh Hawley warf Netflix vor, Kinder mit der angeblich um sich greifenden "Transgender-Ideologie" zu indoktrinieren. "Warum wirbt Netflix mit seinen Inhalten so viel für eine Transgender-Ideologie?", fragte Hawley. "Fast die Hälfte Ihrer Inhalte für Kinder – ich rede jetzt von jungen Kindern, nicht von Teenagern – wirbt für die Transgender-Ideologie-Agenda."

Sarandos wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Er betonte, das Unternehmen verfolge keine politische Agenda und stelle ein breites Spektrum an Inhalten bereit. Er äußerte Zweifel daran, dass die hohe Zahl an angeblichen trans Figuren in Netflix-Kinderserien der persönlichen Erfahrung des Senators entspreche. Daraufhin antwortete Hawley schnippisch: "Was meinen Sie damit, dass Sie nicht glauben, dass das meine persönliche Erfahrung war? Glauben Sie etwa, ich würde nicht kontrollieren, was meine Kinder sich anschauen?"

"Wokeste Inhalte in der Geschichte der Welt"

Auch andere Republikaner machten Sarandos in der Anhörung Vorwürfe. Eric Schmitt erklärte etwa, Netflix produziere "die wokesten Inhalte in der Geschichte der Welt". Der Texaner Ted Cruz bezeichnete das Streamingportal als "linksradikale Firma" und als "Propaganda-Schmiede". Bereits letztes Jahr hatte der Tech-Unternehmer Elon Musk Netflix vorgeworfen, "Transgender-Ideologie" zu verbreiten, und rief zum Boykott auf (queer.de berichtete).

Wie das Portal "Daily Beast" meldet, stammt der Vorwurf, dass die Hälfte der Netflix-Produktionen die "Transgender-Ideologie" verbreiten, aus einem Bericht des "Oversight Project" aus dem letzten Jahr. Dabei handelt es sich nicht um ein wissenschaftliches Institut, sondern um ein ehemaliges Projekt der "Heritage Foundation", einen Thinktank der Republikaner. Dieser brachte etwa das "Project 2025" heraus, einen detaillierten Plan für einen republikanischen Präsidenten, um die eigene Macht dauerhaft auszubauen und etwa die Rechte von Homosexuellen oder trans Menschen einzuschränken.

Netflix braucht Trump-Regierung für Warner-Bros.-Übernahme

Hawleys Vorwürfe passen in die republikanische Argumentationsweise seit der Amtsübernahme von Donald Trump, wonach trans Menschen als Gefahr für das Land dargestellt werden. Da die Regierung der Übernahme von Warner Bros. Discovery zustimmen muss, versuchen die Republikaner nach Ansicht von Politikwissenschaftler*innen, Druck auf Netflix auszuüben.

Andere Firmen haben bereits auf den Trump-Kurs eingeschwenkt: So produzierte Amazon mit "Melania" einem Film über die gegenwärtige Ehefrau von Donald Trump. Mit 40 Millionen Dollar war dies die teuerste Doku aller Zeiten, 28 Millionen Dollar davon sollen auf das Konto der Trumps gegangen sein. Hinzu kommt ein Marketing-Budget in Höhe von 35 Millionen Dollar. Der Film wird wohl kaum die Kosten wieder hereinholen, auch wenn er beim Eröffnungswochenende in den USA immerhin rund acht Millionen Dollar einspielte. In Deutschland strömten lediglich 767 Menschen für "Melania" in die Kinos. Das Einspielergebnis lag damit bei 8.300 Euro, der Film landete auf Platz 47 der Kinocharts.

Auch Netflix zeigt übrigens queerfeindliche Produktionen. So veröffentlichte das Portal etwa Comedy-Specials von Ricky Gervais oder Dave Chappelle, in denen die Komiker gegen queere Menschen polemisieren. (dk)

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