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Neues Interview

Boxerin Khelif bereit für "Geschlechtertest" vor Olympia 2028

Die Olympiasiegerin Imane Khelif ist vor den Sommerspielen in Los Angeles zu einem "Geschlechtertest" bereit und will für Algerien Geschichte schreiben.


Imane Khelif bei den Olympischen Spielen 2024 (Bild: IMAGO / ZUMA Press)

  • 5. Februar 2026, 13:16h 3 Min.

Die algerische Box-Olympiasiegerin Imane Khelif ist bereit, sich vor Olympia 2028 in Los Angeles einem "Geschlechtertest" des Weltverbands World Boxing zu unterziehen. "Ich bin keine Transsexuelle. Mein Unterschied ist natürlich. Ich bin einfach so. Ich habe nichts unternommen, um das zu ändern, wie mich die Natur geschaffen hat", sagte Khelif im Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Équipe" (Bezahlartikel). "Deshalb habe ich keine Angst. Wenn ich mich für die nächsten Spiele einem Test unterziehen muss, werde ich das tun."

Bei den Sommerspielen in Paris 2024 hatte sich um Imane Khelif und Lin Yu-ting aus Taiwan eine Debatte entfacht, die einen massiven Wirbel auslöste und eine gesellschaftspolitische Dimension annahm. Beide Boxerinnen waren im Jahr zuvor nach nicht näher erklärten "Geschlechtertests" vom russisch kontrollierten Verband Iba, der vom Internationalen Olympischen Komitee nicht mehr anerkannt wird, von der Box-WM ausgeschlossen worden.

Beide hätten laut Iba die erforderlichen Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt und "im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmern Wettbewerbsvorteile" gehabt. Das IOC hatte das eine "willkürliche Entscheidung ohne ordnungsgemäßes Verfahren" genannt und Khelif und Lin in Paris teilnehmen lassen. Das im Pass angegebene Geschlecht sei maßgeblich für die Zulassung zu den Wettbewerben, lautete damals die Begründung.

Inzwischen hat das IOC den Verband World Boxing als Partner anerkannt. Dieser führte inzwischen selbst "Geschlechtertests" ein. Khelif hatte sich der Prozedur verweigert, durfte nicht bei der WM im letzten Herbst starten und klagt dagegen vor dem Sportgerichtshof Cas (queer.de berichtete).

Hormonbehandlung vor Sommerspielen in Paris

In dem Interview erklärte die algerische Boxerin, dass sie im Anlauf zu den Pariser Spielen in Hormonbehandlung gewesen sei. "Ich habe weibliche Hormone. Die Leute wissen das nicht, aber ich habe meinen Testosteronspiegel für Wettkämpfe bereits gesenkt. Ich bin von Ärzten umgeben, werde von einem Professor betreut und habe Hormonbehandlungen gemacht, um meinen Testosteronspiegel zu senken", sagte Khelif. "Für das Qualifikationsturnier für die Spiele in Paris, das in Dakar stattfand, habe ich meinen Testosteronspiegel auf null gesenkt."

Die Sportlerin reagierte auch auf Aussagen von US-Präsident Donald Trump in Richtung Khelif – erst im Januar hatte der unter anderem auf Transfeindlichkeit setzende Politiker Khelif als "jungen Mann, der sein Geschlecht gewechselt hat" bezeichnet (queer.de berichtete). Trump dürfe nicht die Wahrheit verdrehen, sagte sie dazu. "Ich bin keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen. Ich bin als Mädchen erzogen worden, ich bin als Mädchen aufgewachsen, die Menschen in meinem Dorf haben mich immer als Mädchen gekannt. Ich respektiere ihn, wenn er die Wahrheit respektiert." Khelif hatte schon früher unter anderem Kinderfotos veröffentlicht, die sie als kleines Mädchen zeigten.

Khelif will Olympiagold auch in Los Angeles

Khelif bekräftigte, bei den Spielen 2028 in Los Angeles antreten zu wollen. "Nur weil ich als Profi kämpfe, verzichte ich nicht auf die Spiele 2028. Ganz und gar nicht. Ich möchte für Algerien bei den Spielen in Los Angeles boxen und die erste Sportlerin in der Geschichte Algeriens werden, die ihren Olympiasieg verteidigen kann."

Die Debatte um Imane Khelif und Lin Yu-ting spielte auch in eine größere um die Teilnahme von trans Personen in Wettkämpfen ihres Geschlechts ein, die von Trump – mit Tiraden und Dekreten gegen "Männer im Frauensport" – und ähnlichen Politiker*innen weltweit befeuert wird. Mehrere Sportverbände schlossen in den letzten Jahren trans Personen, vor allem trans Frauen, von Turnieren aus. Das IOC plant neue Richtlinien, die in diesem Frühjahr bekannt gegeben werden sollen und wohl auch ein Verbot der Teilnahme von trans Athletinnen bei den Spielen 2028 zur Folge hätten (queer.de berichtete) – ihnen würde durch Trumps Politik zusätzlich die Einreise erschwert (queer.de berichtete). Bei den am Freitag startenden Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo tritt ein trans Skifahrer bei den Frauen an (queer.de berichtete). (dpa/cw)

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