https://queer.de/?56776
Jetzt im Kino
Eine heiße Affäre in der brasilianischen Einöde
"Only Good Things" beginnt als sexpositives, schwules Bauern-Melodrama: Der Landwirt Antônio kümmert sich nach einem Motorradunfall um Marcelo. Die beiden verlieben sich und nutzen jede Gelegenheit, sich auszuziehen.

Lucas Drummond als Antônio und Liev Carlos als Marcelo in "Only Good Things" (Bild: GMfilms)
- Von
6. Februar 2026, 02:11h 4 Min.
"Loving you is always on my mind": Mit einer schnulzigen Countrynummer ist Marcelos endlos lange Motorradfahrt durch die brasilianische Provinz unterlegt. Die Landschaft ist weit, die Straßen leer, so muss sich Freiheit anfühlen. Doch der beschauliche Roadtrip endet abrupt, als er einen Unfall baut.
Blutüberströmt liegt er auf der Landstraße, als ihn der junge Milchbauer Antônio (Lucas Drummond) findet. Der packt ihn auf sein Pferd und nimmt ihn mit auf seinen kleinen Hof. Er pflegt den Verletzten, zieht ihm die Hose aus, wischt ihm das Blut vom Körper.
Blowjob unter der Dusche

Poster zum Film: "Only Good Things" läuft seit 5. Februar 2026 im Kino
Das inszeniert das Melodrama "Only Good Things" zwar durchaus zärtlich. Doch Antônio wischt mit dem Tuch weiter als nötig, an Marcelos Lenden runter bis zu seinem Oberschenkel, am schlaffen Penis des Motorradfahrers vorbei. Marcelo (Liev Carlos) ist nicht ohnmächtig, aber er hält die Augen geschlossen. Hier beginnt eine erotische Spannung, die die Schwelle zum Unangenehmen überschreiten kann.
So schlimm kann der Unfall jedoch gar nicht gewesen sein, denn schon am nächsten Tag folgt Antônio Marcelo unter die Dusche. Viele Worte braucht es nicht, da hat der eine den Penis des anderen im Mund – was der Film explizit zeigt. Das überrascht, wirkt aber nicht billig oder stumpf.
Die Romanze könnte ewig weitergehen
Überhaupt nutzen die zwei jungen Männer jede Gelegenheit, sich auszuziehen. Es ist ein Sommer Mitte der 1980er Jahre, rund um den Hof leben nur Rinder, weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Antônio und Marcelo beginnen eine zärtliche und sexy Romanze – das erinnert an ähnliche schwule Bauernhof-Melodramen wie "God's Own Country", nur sexpositiver.
Die zwei Männer verstehen sich ohne viele Worte. Irgendwann kommt Antônio mal auf die Idee, sein Gegenüber mal nach dessen Namen zu fragen. Wo er mit dem Motorrad hinwollte, will er außerdem wissen. Ein Ziel hatte er zwar schon, aber so wichtig war es auch nicht. Die Liebschaft könnte ewig so weitergehen. Von der Militärdiktatur, die zu der Zeit noch herrscht, fehlt jede Spur.
Die queere Community braucht eine starke journalistische Stimme – gerade jetzt! Leiste deinen Beitrag, um die Arbeit von queer.de abzusichern.
Ein Sprung in die Gegenwart
Das Drama beginnt, als Antônios Vater sich einmischt. Der möchte nämlich den Hof seines Sohnes kaufen. Der denkt aber gar nicht daran, immerhin hat ihn sein Vater rausgeschmissen, wegen "dieser Sache" – gemeint ist, dass er auf Männer steht, aber das bringt der Vater nicht einmal über die Lippen.
Sehr unerwartet und nur ermöglicht durch eine große Spur magischen Realismus springt der Film des brasilianischen Regisseurs Daniel Nolasco dann 40 Jahre nach vorne. Spätestens hier zerfasert "Only Good Things", weil der Film dann versucht, mysteriös zu sein.
Das gelingt aber nicht, weil das Drama mehr frustriert als interessiert. Antônio lebt mittlerweile in der Stadt, er ist offenbar zu Wohlstand gekommen. Er kann sich einen hübschen Assistenten und eine Reinigungskraft leisten. Marcelo dagegen ist (wieder oder immer noch?) verschwunden.
|
Niemand trägt Unterwäsche
Was ist passiert? Der Film macht sich nicht die Mühe, das auch nur ansatzweise zu erklären. Natürlich lässt sich das als Traum oder als Wunsch lesen oder als Bruch mit dem vorherigen Leben. Aber ohne echte Anhaltspunkte bleibt man eher ratlos zurück – zumal inhaltlich auch wenig folgt.
Der erste Teil von "Only Good Things" war auf der Handlungsebene schon eher dünn, dafür war die Liebes-, und zugegeben auch die Sexgeschichte, der beiden hübsch anzusehen. Auch Antônios Jahrzehnte jüngerer Assistent sieht gut aus und trägt (wie alle Männer im Film) keine Unterwäsche. Ein inhaltlicher Reiz geht davon aber nicht mehr aus.
Was bleibt, ist viel hübsche, nackte Haut – und das Gefühl, dass der Film von Daniel Nolasco nach seinem starken Anfang nichts mehr zu erzählen hat.
Only Good Things. Drama. Brasilien 2025. Regie: Daniel Nolasco. Verleih: GMfilms. Cast: Lucas Drummond, Liev Carlos, Guilherme Théo, Norval Berbari, Cecília Brito, Fernando Libonati, Igor Leoni, Renata Carvalho, Lizz Miranda, Brenda Oliveira, Rafael Freire, Matheus Nascimento, Geovaldo Souza, Helder Amorim, Laio Andrade, Pedro Augusto, Gleysson Moreira, Raphael Silveira, Marcus Vinicius. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: portugiesische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 18. Kinostart: 5. Februar 2026
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
19:45h, Puls 4:
Two and a Half Men
Folge 1: Stur, zwanghaft und unflexibel – Alan und sein Sohn Jake ziehen bei Charlie ein, nachdem sich Alans Frau Judith überraschend als Lesbe geoutet hat.
Serie, USA 2003- mehr TV-Tipps »














