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Protest
"Fuck ICE": (Queere) Athlet*innen nutzen Olympische Winterspiele für Kritik an Trump
Der schwule Skifahrer Gus Kenworthy machte seine Kritik an der US-Politik am deutlichsten – und erhält jetzt Morddrohungen. Auch andere amerikanische Olympionik*innen äußern sich.
- Von Pirate Irwin, AFP
10. Februar 2026, 15:13h 3 Min.
Am deutlichsten wurde der schwule Freestyler Gus Kenworthy: "Fuck ICE" schrieb er mit Urin in den Schnee und machte damit seinem Unmut gegen das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde Luft. Der Skisportler ist nicht der einzige Athlet, der die Olympischen Winterspiele in Italien nutzt, um Kritik an US-Präsident Donald Trump zu üben. Auf dem Siegerpodest sind politische Gesten seit 2021 laut der Olympischen Charta verboten, aber in Pressekonferenzen und in Online-Netzwerken dürfen die Teilnehmenden ihre Meinung äußern.
In erster Linie richtet sich der Protest gegen das schonungslose Vorgehen der Trump-Regierung gegen Migrant*innen, bei dem Bundesbeamte im Januar in Minneapolis zwei US-Bürger*innen erschossen, darunter auch die queere Dichterin Renee Nicole Good (queer.de berichtete). Nach seinem Posting bei Instagram habe er viel Zustimmung erhalten – aber auch Morddrohungen, sagt Kenworthy.
2014 hatte er für die Vereinigten Staaten olympisches Silber gewonnen, inzwischen tritt er für sein Geburtsland Großbritannien an. Kenworthys provokatives Foto ließ Trump unkommentiert. Doch den Freestyle-Skifahrer Hunter Hess griff der Präsident scharf an, nachdem auch er sein Unbehagen angesichts der Lage in seinem Heimatland kundgetan hatte.
Trump beschimpft Kritiker als "echten Loser"
"Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich hinter allem stehe, was in den USA vor sich geht", sagte Hess. "Es ruft gemischte Gefühle hervor, derzeit die USA zu vertreten." Auf seiner Plattform "Truth Social" nannte Trump den Skisportler daraufhin einen "echten Loser". Unterstützung bekam Hess vom US-Snowboard-Superstar Chloe Kim. Als Reaktion auf Trumps Attacke rief sie zu mehr "Liebe und Mitgefühl" auf. "Ich denke, in Momenten wie diesen ist es wirklich wichtig, dass wir zusammenhalten und füreinander einstehen", sagte Kim.
Andere Athlet*innen äußern ihre Kritik weniger direkt. Auf die Frage, wie sie es empfinde, die USA in Zeiten tiefer politischer Spaltung zu vertreten, sagte Mikaela Shiffrin – die erfolgreichste alpine Weltcup-Skifahrerin aller Zeiten -, sie habe "einige Gedanken" dazu. Die 30-jährige US-Sportlerin zitierte den südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela, auf den sich auch die Schauspielerin Charlize Theron bei der Eröffnungsfeier am Freitag bezogen hatte: "Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Er entsteht dort, wo ein Umfeld geschaffen wird, in dem alle Menschen gedeihen können – ungeachtet von Herkunft, Hautfarbe, Glauben, Religion, Geschlecht, sozialem Status oder anderen gesellschaftlichen Unterschieden."
Diese Worte hätten sie tief berührt, sagt Shiffrin. "Für mich hat das mit den Olympischen Spielen zu tun. Ich hoffe wirklich, dass ich dort meine eigenen Werte vertreten kann. Werte wie Inklusion, Vielfalt und Freundlichkeit."
Amber Glenn: "Politik betrifft uns alle"
Auch die bisexuelle US-Eiskunstläuferin Amber Glenn, die am Sonntag mit ihrem Team Gold gewann, will als Olympia-Teilnehmerin nicht unpolitisch bleiben. "Ich weiß, dass viele Leute sagen, man sei nur ein Sportler, solle sich auf seinen Job konzentrieren und sich aus der Politik heraushalten. Aber Politik betrifft uns alle", sagte sie auf einer Pressekonferenz vor den Spielen. Die 26-Jährige bezeichnet sich selbst als bisexuell und hat besonders die Auswirkungen von Trumps Politik auf queere Menschen im Blick. Unter dieser Regierung "macht die Community eine schwere Zeit durch", sagte sie.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gibt sich zurückhaltend. "Ich werde mich nicht zu dieser Debatte äußern, da ich es nicht für hilfreich halte, solche Diskussionen anzuheizen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Montag, als er zu Trumps Äußerungen über Skifahrer Hess befragt wurde.
Anders einige Zuschauer aus den USA beim Eiskunstlaufwettbewerb in Mailand. Sie hielten ihre Botschaft auf einer Flagge in die Fernsehkameras: "Entschuldigung an die Welt für unser schlechtes Benehmen", stand da. "Wir werden uns bessern."















