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Dortmund
Deutsche Burschenschaft: "Woke sein ist voll schwul"
Auf Europas größter Jagdmesse versucht die Deutsche Burschenschaft offen, mit Homosexuellenhass neue Mitglieder zu finden.

Die Deutsche Burschenschaft bei einer Fackel-Parade (Bild: IMAGO / Future Image)
- 10. Februar 2026, 16:02h 2 Min.
Der rechtsextreme Dachverband Deutsche Burschenschaft hat auf der Messe "Jagd & Hund" in Dortmund vergangene Woche versucht, mit einem queerfeindlichen Sticker Mitglieder zu werben. Auf dem neun mal neun Zentimeter großen Aufkleber stand laut "Bild"-Zeitung (Bezahlartikel) die Frage: "Woke sein ist voll schwul?" Darunter werden die Leser aufgefordert: "Werde Burschenschafter!"
Laut "Spiegel" (Bezahlartikel) gab es auf Europas größter Jagdmesse keinerlei Widerspruch gegen den homophoben Spruch. Das Nachrichtenmagazin schrieb über den Burschenschaft-Stand mit dem Aufkleber: "Protest scheinen die Ansichten, die hier verbreitet werden, nicht auszulösen. Viele Besucher laufen gleichgültig vorbei."
Die 1881 gegründete Deutsche Burschenschaft hat nach eigenen Angaben heute ungefähr 4.500 Mitglieder in etwa mehreren Dutzend meist schlagenden Burschenschaften. Sie vertritt einen völkisch geprägten Volksbegriff: Als Deutscher wird also nur anerkannt, wer "deutscher Abstammung" ist. Außerdem vertritt die Dachorganisation ein extrem heteronormatives, martialisches Männerideal, in dem sexuelle und geschlechtliche Minderheiten keinen Platz haben.
Deutsche Burschenschaft eng mit AfD verbandelt
Der Burschenschaft-Dachverband ist praktisch eine Vorfeldorganisation der AfD. Nach der Bundestagswahl feierte der Verband etwa auf Facebook, dass neun "Verbandsbrüder" ins Parlament gewählt worden seien. Unerwähnt blieb, dass alle Männer der rechtsextremen Partei angehören.

(Bild: Facebook)
Der Aufkleber führte zu Kritik von demokratischen Parteien, sogar aus der CSU: Der frühere Innenstaatssekretär Stephan Mayer erklärte etwa gegenüber der "Bild": "Das ist abstoßend, diskriminierend und grenzt an Schwulen-Hass." Der queere Verband LSVD+ bezeichnete den Sticker als "klare Grenzüberschreitung".
Messe Dortmund fordert "Toleranz" für Hass-Botschaft
Die Messe Dortmund äußerte sich dagegen gegenüber "Bild" zurückhaltend: "Bewegen sich Antragsteller im Rahmen der geltenden Gesetze, ist die Messe Dortmund zur Zulassung verpflichtet", teilte sie mit – und forderte Toleranz für die Abwertung von Homosexuellen ein: "Die Messe Dortmund respektiert und schützt die Grundrechte als Fundament unserer demokratischen Gesellschaft. Dazu gehört auch die Toleranz gegenüber Ansichten, die nicht geteilt werden."
Mitglieder von insbesondere schlagenden Burschenschaften sind in der Regel queerfeindlich eingestellt – und in mehreren gesellschaftlichen Bereichen aktiv: Bis 2019 war etwa der Burschenschaftler Carsten Rentzing evangelischer Lnadesbischof von Sachsen (queer.de berichtete). Er hatte immer wieder verbreitet, dass Homosexualität nicht "dem Willen Gottes" entspreche. (dk)















