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Motiv unklar
Schüsse in kanadischer Schule: Trans Verdächtige war 18 Jahre alt
Im ländlichen Kanada hat eine Amokläuferin neun Menschen getötet. Sie wurde als 18-jährige trans Frau identifiziert.

Die Tat ereignete sich an der Tumbler Ridge Secondary School (Bild: IMAGO / ZUMA Press)
- 12. Februar 2026, 08:55h 5 Min.
Nach den tödlichen Schüssen in einer Schule im Westen Kanadas hat die Polizei die Identität der mutmaßlichen Täterin öffentlich gemacht. Die Verdächtige sei als 18 Jahre alte trans Frau identifiziert worden, teilte die Polizei in der westlichen Provinz British Columbia mit. Fest steht nun auch: Sie war selbst eine Bewohnerin der ländlich geprägten Gemeinde Tumbler Ridge. Doch das Motiv gibt weiter Rätsel auf.
Die Polizei war am Dienstag (Ortszeit) an die weiterführende Schule in dem Ort gerufen worden, der Luftlinie rund 700 Kilometer nordöstlich von Vancouver liegt. Die mutmaßliche Schützin tötete laut Polizeiangaben sechs Menschen in der Schule und später sich selbst. Zwei weitere Leichen wurden in einem Wohnhaus gefunden.
Anscheinend hängen die Taten miteinander zusammen, denn bei den anderen beiden Opfern handelt es sich der Polizei zufolge um die 39-jährige Mutter und den 11-jährigen Stiefbruder der Tatverdächtigen. Die 18-Jährige soll zunächst ihre Familienangehörigen umgebracht und sich dann auf den Weg zur Schule gemacht haben. Dort fand die Polizei später die anderen Toten – drei Schülerinnen, zwei Schüler und eine Lehrkraft – unter anderem im Treppenhaus und in der Bibliothek der Schule.
Zwei Verletzte in kritischem Zustand
Die Polizei hatte zunächst von insgesamt zehn Toten gesprochen, die Angabe aber später auf neun korrigiert. Das Alter der getöteten Schüler wurde zunächst mit 13 bis 17 Jahren angegeben, dann auf 12 bis 13 Jahre korrigiert. Außerdem war von etwa zwei Dutzend Verletzten die Rede. Mindestens zwei davon seien weiter in kritischem Zustand, hieß es von den Ermittler*innen. Einige Opfer hätten sich beim panischen Versuch verletzt, sich in der Schule in Sicherheit zu bringen versuchten.
Ein Schüler berichtete dem Sender CBC: "Wir haben Tische genommen und die Türen verbarrikadiert." Die Szenerie am Tatort habe "fast surreal" gewirkt. "Es fühlte sich an, als wäre ich an einem Ort, den ich bislang nur aus dem Fernsehen kannte."
Die kleine Gemeinde und mit ihr das ganze Land stehen seither unter Schock. Bei der Bekanntgabe weiterer Ermittlungsergebnisse gehe es nun vor allem darum, sensibel gegenüber denen zu handeln, die geliebte Menschen verloren hätten, erklärte die Polizei.
Rätselraten über das Motiv
Über das Motiv hinter der Tat ist weiterhin nichts bekannt. Die Beziehung zwischen der tatverdächtigen Teenagerin und den Opfern sei Teil der Ermittlung, so die Polizei. Einem Sprecher zufolge hatten Einsatzkräfte in den vergangenen Jahren mehrfach die Wohnadresse der Verdächtigen aufgesucht und dabei auch Waffen sichergestellt. Der Polizist sprach auch von "psychischen Gesundheitsproblemen" der mutmaßlichen Schützin, ohne weitere Details zu nennen.
Zur Identität der Verdächtigen sagte der Beamte: "Wir identifizieren die tatverdächtige Person so, wie sie sich selbst öffentlich und in den sozialen Medien identifiziert hat." Er könne aber sagen, dass die Täterin bei der Geburt als männlich registriert worden sei. Derzeit habe die Polizei keine Informationen darüber, ob die Verdächtige Mobbing und andere Diskriminierung an der Schule erlebt habe. Sie habe vor vier Jahren die Schule abgebrochen.
Düstere Erinnerungen an Tat vor 37 Jahren
Der kanadische Premierminister Mark Carney trat sichtlich berührt vor die Presse und gab bekannt, dass für die kommenden sieben Tage Staatstrauer gelte. Tumbler Ridge, den Schauplatz des Vorfalls, nannte er "eine Stadt von Bergarbeitern, Lehrern, Bauarbeitern, Familien, die dort ihr Leben aufgebaut haben – Menschen, die immer füreinander da waren."
Es handelt sich laut kanadischen Medien um den folgenschwersten Vorfall dieser Art an einer Schule oder Hochschule in dem nordamerikanischen Land seit 1989. Damals erschoss ein 25-Jähriger an einer Fachhochschule in Montreal 14 Studentinnen, bevor er sich selbst das Leben nahm.
In Kanada gibt es viel seltener Schusswaffengewalt als im südlichen Nachbarland USA, wo das Problem weitaus größer ist und auch relativ häufig Schüssen an Schulen fallen. Expert*innen führen das auf die deutlich strengeren kanadischen Waffengesetze zurück.
Trans Täterin in den USA
In den USA gab es bereits im August 2025 einen Amoklauf einer trans Frau: An einer katholischen Schule im Bundesstaat Minnesota tötete eine 23-Jährige zwei Kinder und richtete die Waffen dann gegen sich selbst. Die Tat wurde von den regierenden Republikanern und konservativen Medien in den USA genutzt, um Stimmung gegen trans Menschen zu machen (queer.de berichtete). In Kanada sind solche Reaktionen im aktuellen Fall bislang noch selten. Rechtsextreme Kräfte in den USA – und auch in Deutschland – versuchen aber bereits, die trans Community pauschal als Schuldige präsentieren wollen. Die AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch verband ihre Kritik an trans Menschen mit dem in ihren Kreisen weit verbreiteten Hass auf öffentlich-rechtliche Medien: "Liebe tagesschau, die 10-fach Mörderin des Schul-Massakers von British Colombia soll ein Mann sein. Oder in Eurer Sprache: eine Trans-Frau. Warum verschweigt Ihr das in der 20 Uhr-Ausgabe heute?" Was sie verschweigt: Die Identität der Schützin wurde erst kurz vor der Sendung bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Dem von Rechten geäußerte Vorwurf, dass insbesondere trans Menschen für derartige Gewalttaten verantwortlich seien, widersprachen Expert*innen: Nach dem Vorfall in Minnesota teilte die Organisation The Violence Project mit, dass bei Amokläufen nur 0,11 Prozent der Tatverdächtigen trans seien – dabei identifizieren sich rund ein Prozent der Bevölkerung als trans, in der jungen Bevölkerung sind es sogar noch mehr. Insgesamt gab es demnach in den Vereinigten Staaten 4.400 "Mass Shootings" mit mehr als vier Verwundeten oder Toten seit 2013. (dpa/cw)















