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Berlin
Hochhausbrand: Auch Lesbenprojekt betroffen
Bei dem Brand, bei dem ein Säugling starb, wurden auch Räumlichkeiten des Vereins Lesben* Leben Familie samt des Regenbogenfamilienzentrums beschädigt.

Das Hochhaus in Berlin-Lichtenberg am Tag danach (Bild: LesLeFam e.V. / facebook)
- 12. Februar 2026, 16:43h 4 Min.
Nach dem Brand in einem Hochhaus in Berlin-Lichtenberg haben Bewohner*innen den dramatischen Rettungseinsatz der Deutschen Presse-Agentur aus ihrer Sicht geschildert. Linda Rockmann von der nahegelegenen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Betonoase sah am Mittwochabend mit an, wie Notärzte eine Frau auf der Straße reanimierten. Die 26-jährige Mutter war zusammen mit ihren beiden Kindern bewusstlos im Hausflur gefunden worden. Ihr neun Monate alter Säugling starb, der fünfjährige Bruder wie die Mutter liegen in kritischem Zustand im Krankenhaus, wie die Polizei mittags berichtete.
"Es war ein drauf und drunter, ein Durcheinander. Viele haben geweint, viele waren schockiert über den Brand", sagte Rockmann der dpa. So habe sie eine Frau, die schlecht zu Fuß und trotz Kälte nur leicht bekleidet war, zu einem italienischen Restaurant in der Nähe begleitet. Voll des Lobes ist sie für die Polizei und Feuerwehr: "Sie haben alles super organisiert und waren auch hilfsbereit, als ich nach einer Decke für die Frau gefragt habe." Sie selber habe für die Menschen, die draußen warten mussten, den ganzen Abend Tee gekocht.
Viele Kinder, die ihren Jugendclub besuchen, hätten sich Gedanken gemacht, ob Freunde oder Bekannte verletzt worden seien. "Die machen sich natürlich jetzt auch Sorgen und sind auch sehr traurig darüber, dass das Kind gestorben ist."
LesLeFam-Büro voller Löschwasser
Constanze Körner arbeitet in einem Büro des Vereins Lesben* Leben Familie (LesLeFam) unterhalb der ausgebrannten Wohnung. Sehr viel Löschwasser sei durch die Decke gekommen. "Als ich die Tür öffnete, war es entsprechend schlimm", berichtete sie der dpa. Deckenplatten voller Wasser seien auf die Möbel und den Boden gefallen. "Unsere Möbel, unsere Technik – ist alles kaputt." Arbeiten sei nicht möglich. "Wir müssen erstmal alles absagen, und erstmal schauen, wie wir wieder arbeitsfähig werden."
Auf Facebook schrieb der Verein, der in Berlin mehrere Projekte und in dem Gebäude in der Dolgenseestraße seinen Treffpunkt und ein Regenbogenfamilienzentrum betreibt, man sei "geschockt und tief traurig über den Tod eines Kindes und die vielen Verletzten". Der betroffenen Familie spreche man tiefstes Beileid aus und hoffe, dass die Verletzten gut genesen können. "In dieser schweren Zeit wollen wir als Nachbar*innen zusammenhalten und danken den Einsatzkräften und dem Bezirk für ihre Bemühungen um schnelle Unterstützung."
In den beschädigten Räumlichkeiten könnten die LesLeFam-Angebote vorerst nicht stattfinden. Das betreffe den Spieleabend am Donnerstag sowie die Angebote des Regenbogenfamilienzentrums nächste Woche.
Acht Menschen kamen ins Krankenhaus
Was war geschehen? Gegen 20 Uhr am Vorabend hörte der Portier des 20-geschossigen Gebäudes einen Brandmelder in einer Wohnung piepen, bemerkte auch starken Rauch und schlug Alarm. 170 Feuerwehrleute rückten an, begleitet von zahlreichen Polizeikräften. 70 Menschen wurden aus dem verrauchten Haus in Sicherheit gebracht, viele konnten sich selbst retten.
Insgesamt acht Menschen kamen ins Krankenhaus, darunter der 75-jährige Mieter, in dessen Wohnung das Feuer den Ermittlungen zufolge ausgebrochen war. Es breitet sich an dem Abend rasant aus, da die Räume mit zahlreichen Gegenständen zugestellt waren. Nach dpa-Informationen handelt es sich um eine sogenannte Messie-Wohnung – die große Unordnung erschwerte die Brandbekämpfung. Das Landeskriminalamt ermittelt zur Ursache.
Am Tag darauf sind laut der Wohnungsgesellschaft Howoge noch 21 Wohnungen in dem Gebäude in der Dolgenseestraße polizeilich gesperrt. Die Firma betont, man stehe in engem Austausch mit allen Mieter*innenn, die nun ohne Obdach dastehen. Die meisten von ihnen hätten über die Nacht privat unterkommen können, das Bezirksamt organsierte für elf Menschen Hotelzimmer. Die Stromversorgung sei vollständig gewährleistet; ein Teil der Heizungen und Aufzüge seien vorerst abgeschaltet. Im Nachgang prüfe nun die Bau- und Wohnungsaufsicht alle betroffenen Wohnungen, damit der Eigentümer sie schnell wieder herrichten kann.
Eine Mieterin aus dem 16. Stock, die anonym bleiben will, sagte am Morgen einem Reporter der dpa: "Ich habe das Feuer auch oben bei mir gerochen, der ganze Hausflur war voller Rauch." Die Feuerwehr sei vorbeigekommen und habe geraten, deswegen ein nasses Tuch an die Türritze zu legen. Sie habe aber über Nacht in ihrer Wohnung bleiben dürfen. (dpa/cw)














