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Popkultur-Phänomen

Alles schon x-mal gesehen: "Heated Rivalry" bietet der queeren Community wenig Neues!

Die Romanze um zwei Eishockey-Rivalen wurde für ein weibliches Publikum geschrieben, und das funktioniert auch bestens im TV. Im Grunde ist "Heated Rivalry" eine westliche "Boys Love"-Serie – ein Genre, das in Asien vor allem Frauen entzückt.


Szene aus "Heated Rivalry": Die kanadische Serie kann in Deutschland exklusiv bei HBO Max gestreamt werden (Bild: Sabrina Lantos / HBO Max)

Seien wir ehrlich: Die Story von "Heated Rivalry" ist nun wirklich nichts Besonderes. Wer als schwuler Mann in den letzten 20 Jahren (oder so) Filme und Serien mit queeren Inhalten gesehen hat, dem wird hier nichts Neues geboten. Der heimliche Sex, das Verstecken vor Familie, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen, das allmähliche Verlieben, das verunsicherte Hin und Her, das erste Coming-out gegenüber einer guten Freundin, das große Coming-out vor den Eltern. Alles schon x-mal gesehen.

Nicht mal das Sport-Setting ist besonders originell. Der Schweizer Kinofilm "Mario" zum Beispiel erzählte 2018 fast die gleiche Geschichte, einfach im ebenso homophoben europäischen Profi-Fußball – allerdings wohl realistischer, also ohne Happy End. Und klar, Hudson Williams und Connor Storrie, die beiden sympathischen Stars von "Heated Rivalry", sind sehr attraktiv, zeigen viel Haut und werden dabei freizügiger präsentiert als für TV-Verhältnisse üblich – aber auch das ist für ein schwules Publikum nicht sonderlich außergewöhnlich.

Plötzlich weltberühmt

Hinzu kommt: Selbst wenn sämtliche Queers des Planeten die kanadische TV-Serie begeistert feiern würden, wäre das nicht ausreichend, um ein popkulturelles Mainstream-Phänomen auszulösen, wie es "Heated Rivalry" und seine Stars gerade erleben. Die bis letzten Herbst noch komplett unbekannten Williams und Storrie wurden innerhalb weniger Monate in einen Star-Status à la Brad Pitt oder BTS katapultiert.

Zu verdanken haben sie dies vielleicht auch ein bisschen dem queeren Publikum, vor allem aber den Frauen. Das fängt an mit Rachel Read, der kanadischen Autorin der Romane, auf denen "Heated Rivalry" basiert – Romane, die überwiegend von Frauen gelesen werden. Laut Schätzungen besteht auch das Publikum der TV-Serie zu zwei Dritteln aus Frauen.

Romantische Geschichten um hübsche Jungs mit viel Drama

Die Parallelen zum asiatischen "Boys Love"-Genre sind offensichtlich. Dieses stammt ursprünglich aus der japanischen Manga-Welt und erzählt romantische Geschichten um hübsche Jungs mit viel Drama, großen Gefühlen und reichlich nackter Haut. Die oft seifenopernartigen, manchmal auch pornografischen Storys, die meist von Frauen verfasst werden, richten sich primär an ein weibliches Publikum.

In Asien entstanden auf Basis dieser Romane und Mangas inzwischen zahlreiche TV-Serien. Seit ein paar Jahren produzieren Thailand, Japan, Taiwan, Südkorea und die Philippinen diese Geschichten quasi am Fließband und zielen damit zunehmend auch auf ein internationales Publikum. Mittlerweile gibt es darunter durchaus anspruchsvollere, realistischere Geschichten, was die Serien für ein schwules Publikum interessanter macht. Und vieles davon kann auch hierzulande mit englischen Untertiteln gestreamt werden. "Heated Rivalry" ist in jeder Hinsicht eine typische "Boys Love"-Geschichte und wohl die erste Serie dieses Genres, die es geschafft hat, die Aufmerksamkeit des westlichen Mainstream-Publikums zu erobern.

Sehnsucht nach Romantik ohne Frauenfeindlichkeit

Im britischen "Guardian" ging eine Journalistin kürzlich der Frage nach, weshalb Frauen mit derart leidenschaftlicher Begeisterung auf eine schwule Hockey-Romanze reagieren: "Heterosexuelle Frauen, queere Frauen, cis Frauen, trans Frauen; jung und alt, Single und in einer Beziehung, Kanadierinnen, Amerikanerinnen und zunehmend auch Frauen jeder anderen Nationalität – sie alle sind ganz wild auf die Liebesgeschichte zwischen Shane und Ilya, zwei heimlich schwulen Profi-Eishockeyspielern aus rivalisierenden Teams, deren sexuelle Anziehungskraft sie ein Jahrzehnt lang zusammenhält, während sie lernen, ihre Herzen und ihren Geist für die Möglichkeit der Liebe zu öffnen. Aber was sagt es über die Geschlechterverhältnisse im Jahr 2026 aus, dass so viele Frauen von schwulen Sexfantasien träumen?" fragt Julia Carrie Wong.

Sie vermutet darin eine tiefe Sehnsucht nach echter Romantik. Einer Romantik, die sie im Alltag und in hetero Geschichten so nicht finden, nämlich eine "ohne Frauenfeindlichkeit und geschlechtsspezifische Hierarchien. Und wenn der einzige Weg, dies zu erhalten, Sex und Romantik ohne Frauen ist, dann nehmen sie das halt in Kauf." Es sei außerdem nicht neu, dass manche Frauen gerne zusehen, wie Männer miteinander Sex haben, hält Wong fest. "PornHub behauptet, dass fast die Hälfte all jener, die sich bei ihnen schwule Pornos ansieht, Frauen sind – aber die Fangemeinde von 'Heated Rivalry' ist möglicherweise das erste wirklich mainstreamige Beispiel für dieses Phänomen."

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zu "Heated Rivalry"
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Genau das, was Frauen in Liebesromanen suchen

Der schwule kanadische Produzent der Serie, Jacob Tierney, räumte in "Teen Vogue" offen ein, damit gezielt auch Frauen anzusprechen: "Ich habe immer gesagt, dass sich das natürlich auch schwule Männer ansehen werden, denn wir sehen uns alles an, in dem schwule Männer vorkommen. Wir sind da nicht besonders wählerisch und immer hungrig nach Geschichten. Aber die heimliche Fangemeinde dieser Serie sind Frauen, und das ist eine viel größere Zielgruppe."

Die kanadische Popkultur-Autorin Kathrine Singh äußerte in einem anderen Hintergrundbeitrag zu "Heated Rivalry" folgende Vermutung, weshalb Frauen so stark auf die Serie ansprechen: "Zwei Menschen auf dem Bildschirm zu sehen, die eine Beziehung eingehen und beide gleichermaßen das bekommen, was sie sich davon versprechen, ist etwas, das meiner Meinung nach oft fehlt in Filmen und Serien um heterosexuelle Beziehungen und Intimität." Zudem greife die Geschichte auch andere Themen gut auf, die viele Frauen in Liebesromanen suchten, wie Sehnsucht, Zärtlichkeit und Spannung.

Schäkern mit dem Premierminister

Als Folge dieser enormen Popularität schreiben nun selbst große, seriöse Publikationen über "Heated Rivalry". Auch das britische Politmagazin "Economist" berichtete beispielsweise, dass die Serie sogar im queerfeindlichen Russland "eine Untergrund-Sensation" ist – gar die am höchsten bewertete TV-Serie aller Zeiten auf der führenden Film-Datenbank Kinopoisk. Und dass in den USA dank ihr deutlich mehr Tickets für Hockeyspiele verkauft werden.

BBC News derweil berichtet, dass Connor Storrie Ende Februar die legendäre US-Comedy-Show "Saturday Night Live" moderieren wird, während Hudson Williams kürzlich an einer kanadischen Filmindustrieveranstaltung mit Premierminister Mark Carney schäkern durfte, der die Serie in den höchsten Tönen lobte.

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Neuere "Boys Love"-Serien zum Vorbild nehmen

Jacob Tierney hat wohl nicht ganz Unrecht, dass schwule Männer sich alles anschauen, in dem schwule Männer vorkommen. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel von "Heated Rivalry" sich neuere asiatische "Boys Love"-Serien wie "Moonlight Chicken" (2023) oder "Shine" (2025) zum Vorbild nimmt und neben der Romantik auch etwas mehr Realismus und Komplexität in die Geschichte einfließen lässt.

Coming-outs im männlichen Team-Profisport bleiben nämlich sehr, sehr schwierig. Das zeigt sich nur schon daran, dass es fast keine aktiven Spieler gibt, die diesen Schritt wagen – auch wenn die unerwartete Popularität von "Heated Rivalry" selbst in der Eishockey-Welt zu einigen positiven Äußerungen geführt hat. Immerhin ein früherer US-Spieler, Jesse Kortuem, wurde von der Serie sogar zu seinem Coming-out inspiriert.

Aber gerade kürzlich hielt die "New York Times" fest, dass es aktuell nicht einen einzigen offen schwulen aktiven Profispieler in den großen US-Sportmannschaften gibt. Die enormen Hürden, daran etwas zu ändern, sollten auch die Serienmacher*innen berücksichtigen, wenn sie den Überraschungshit nun weiterentwickeln.

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Galerie:
Heated Rivalry
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