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Berlinale-Film "Rose"
Wie es für Sandra Hüller war, sich als Mann auszugeben
Sandra Hüller stand am Sonntagabend mit ihrem neuen Film "Rose" im Mittelpunkt der Berlinale. Das queere Historiendrama feierte Weltpremiere. Zuvor verriet die Schauspielerin, wie schwierig die Dreharbeiten für sie waren.

Sandra Hüller am Sonntag auf der Berlinale (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
- 16. Februar 2026, 02:44h 3 Min.
Wie fühlt es sich an, eine Frau zu spielen, die sich als Mann ausgibt? Sandra Hüller (47, "Anatomie eines Falls") hat für diese Rolle in ihrem neuen Film eine spürbare körperliche Veränderung erlebt. Die Schauspielerin ist in dem Berlinale-Wettbewerbsfilm "Rose" als Frau zu sehen, die versucht, im 17. Jahrhundert in einem Dorf als vermeintlicher Mann zu überleben.
"Ich habe schon gemerkt, dass sich meine Körperlichkeit in dieser Zeit verändert hat", sagte Hüller der Deutschen Presse-Agentur. "Das hat sicherlich mit dem Entdecken von dem zu tun, wie man sich bewegt, was es bedeutet, diese Rüstung anzuhaben, diese Narbe zu haben und diese schweren Schuhe zu tragen".

Sandra Hüller in "Rose" (Bild: Schubert / ROW Pictures / Walker+Worm Film / Gerald Kerkletz)
Jeden Morgen habe sie viele verschiedene Schichten anziehen müssen, von der Brustbinde über eine Penisprothese bis hin zu einer Polsterung, "die meinen ganzen Körper bedeckte, sodass keine weibliche Form mehr erkennbar war", sagte Hüller dem "Hollywood Reporter". Das sei ein richtiges "Ritual" gewesen. "Und natürlich half es, mich jeden Morgen von Visagistin Anette Keiser schminken zu lassen, um mein Gesicht zu verwandeln. Ich versuchte auch, eine andere Stabilität, eine andere Ruhe und Konzentration zu finden, um die Angst vor Entdeckung zu verbergen. Das war wohl meine Hauptaufgabe."
Kampftraining: "Hätte gewusst, wie ich mich verteidigen kann"
Regisseur Markus Schleinzer habe gewollt, dass sie eine bestimmte Form von Training absolviere: Krafttraining und Kampftraining. "Natürlich nicht so, dass ich tatsächlich in einem Action-Film mitspielen könnte, aber ich hätte gewusst, wie ich mich verteidigen kann. Das fand ich eigentlich nicht so schwer."
Viel schwerer als alle körperlichen Veränderungen, so die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin, sei es ihr hingegen gefallen, diese Lüge und Spannung aufrechtzuerhalten, einen Rundumblick zu haben: "Wer kommt von wo? Wer sieht was von mir? Was kann ich zeigen? Was nicht? Wo bin ich wirklich alleine?"
Aussichtsreicher Kandidat im Rennen um den Goldenen Bären
Der österreichische Regisseur Schleinzer erzählt die Geschichte seiner Protagonistin Rose (Hüller) in strengen Schwarz-Weiß-Bildern. Rose gibt sich nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs als Mann aus, weil sie so die einzige Chance auf ein freies, selbstbestimmtes Dasein sieht. Dafür heiratet sie sogar eine Frau (Caro Braun). Doch als sie entlarvt wird, kennt die Dorfgemeinschaft kein Erbarmen.
Der Spielfilm beleuchtet höchst originell und eindringlich das noch heute aktuelle Thema der Stigmatisierung und Unterdrückung von Menschen, die einen von vermeintlichen Normen abweichenden Lebensstil führen möchten. Bei der Premiere gab es viel Beifall und emotionale Reaktionen, einige Menschen weinten.
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Schleinzer sagte auf der Bühne, es habe niemand anderen als Hüller für die Rolle geben können. "Ich war wie ein Stalker. Ich habe alle deine Filme mehrmals gesehen", sagte er an seine Hauptdarstellerin gerichtet.
Die im thüringischen Suhl geborene Hüller, die 2024 mit "Anatomie eines Falls" als beste Hauptdarstellerin für einen Oscar nominiert war, brilliert in der Titelrolle mit einer sensiblen und differenzierten Charakterdarstellung. An ihrer Seite beeindruckt ihre österreichische Kollegin Braun im Part der jugendlichen Ehefrau.
Der Film gilt derzeit vielen als aussichtsreicher Kandidat auf den Goldenen Bären. Neben "Rose" laufen 21 weitere Filme im Berlinale-Wettbewerb. Außerdem ist er für den queeren Filmpreis Teddy Award nominiert . (cw/dpa/spot)
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