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Februar 2026

Heilige des Monats: Connor und Carson

Ab sofort verneigen wir uns einmal im Monat vor schwulen Heiligen. Wir beginnen mit Connor und Carson. Jedes Jahr am 19. Februar feiern wir die beiden New Yorker Hafenarbeiter, die beim Sex anfingen zu schweben.


Bild: F. G. Borghi

  • Von Björn Koll
    19. Februar 2026, 08:01h 3 Min.

Das Coffee-Table-Book "Unholy" von F. G. Borghi (Bild) und Björn Koll (Text) ist die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" – und wie es sich für devotionale Kunst gehört, gibt es die ikonischen Mannsbilder inzwischen nicht mehr nur als Buch, sondern auch als Postkartenheft oder als Kalender. Und bei uns. Ab sofort verneigen wir uns einmal im Monat vor dem oder den schwulen Heiligen des Monats. Im Februar vor Connor und Carson.

Connor Miller und Carson Smith, beide Hafenarbeiter, waren richtige New Yorker Jungs aus Greenwich Village. Sie lernten sich 1841 durch Zufall an der Straßenkreuzung Hudson und Barrow kennen. Connor teilte sich in der Bedford Street einen Schlafplatz mit anderen Hafenarbeitern, und da man untereinander solidarisch war, konnten Connor und Carson dort ungestört Sex haben. Dann geschah ein Wunder: Beim Ficken (entschuldigen Sie die derbe Wortwahl) fingen die beiden an zu schweben und hoben ab Richtung Himmel. Nur die Zimmerdecke konnte sie aufhalten. Wenn Sie jetzt einwenden, dass es sich dabei nur um eine klassische Levitation, also eine von Zauberkünstlern vorgeführte Illusion, gehandelt haben kann, sind Sie im Unrecht. Oder Ihnen fehlt der Glaube, was bedauerlich wäre. Alle Hafenarbeiter waren begeistert. Immer wieder und vor immer größerem Publikum mussten Connor und Carson das Wunder vollbringen.

Endlich lag ein Beweis für so viele ungeklärte Fragen der Menschheit vor. Auch New Yorks Bischof John Dubois war entzückt und meldete das Ganze nach Rom. Aber Papst Gregor XVI. wollte davon nichts hören. Das lag höchstwahrscheinlich daran, dass der gute Mann schlecht gelaunt war und schon 1832 in seiner ersten Enzyklika "Mirari vos" (Deutsch: "Ihr wundert euch") Naturalismus, Rationalismus, religiöse Indifferenz sowie Gewissens- und Meinungsfreiheit verurteilt hatte — also eigentlich alles, was Connor und Carson zum Abheben gebracht hatte.

Wir wundern uns über das Wunder von Connor und Carson nicht. Wir glauben nur an das Wunder der Liebe, das wir am 19. Februar feiern. Jedes Jahr, immer wieder.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das bei Salzgeber erschienen ist. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Alle "Unholy"-Produkte sowie viele weitere nichtheteronormative Bücher und Filme gibt es u. a. im Salzgeber.Shop.

Infos zum Buch

F. G. Borghi, Björn Koll: Unholy. An Almost Complete Hagiography of Gay Saints. Texte auf Deutsch und Englisch. 192 Seiten. Salzgeber. Berlin 2025. Hardcover: 59 € (ISBN 978-3-95985-713-0)
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