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Im Schatten der "Nazi-Eiche"
Neue Graphic Novel von Joris Bas Backer
Mit "Baumschatten" knüpft Joris Bas Backer an die Themen an, die bereits seinen Comicroman "Küsse für Jet" prägten: Identität, Zugehörigkeit und das Ringen um Selbstverortung in einer komplexen Gesellschaft.

"Baumschatten" verknüpft eine persönliche Trennungsgeschichte mit der Auseinandersetzung um eine belastete Eiche und der Frage, wie Gesellschaft mit NS-Vergangenheit umgeht
- 21. Februar 2026, 12:00h 3 Min.

"Baumschatten" ist bei Edition Moderne erschienen
Kamil und Sjonnie haben sich getrennt, noch bevor ihre Beziehung wirklich beginnen konnte. Zu unterschiedlich waren ihre Vorstellungen vom gemeinsamen Leben. Kurz darauf begegnen sie sich wieder – auf dem Schulhof von Sjonnies Tochter Joss. Dort entzündet sich ein Konflikt um eine alte Eiche, die gefällt werden soll. Joss setzt sich leidenschaftlich für den Erhalt des Baumes ein.
Doch der Streit erhält eine neue Dimension, als Kamil offenlegt, dass es sich um eine sogenannte "Nazi-Eiche" – auch "Hitler-Eiche" genannt – handelt. Für ihn ist der Baum mehr als ein Relikt aus der Vergangenheit: Als Afrodeutscher ist seine eigene Familiengeschichte eng mit diesem Ort verknüpft. Die Eiche wird zum Symbol für eine verdrängte Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht.
Auch Schulleiterin Erika Tröwe gerät unter Druck. Sie sieht sich gezwungen, die NS-Vergangenheit der Schule und die Rolle ihres Großvaters und Vaters kritisch zu hinterfragen. Der Konflikt um den Baum legt alte Verstrickungen offen und konfrontiert die Beteiligten mit Fragen nach Schuld, Verantwortung und Erinnerung.
Zwischen Gedenken und Verdrängung

Autor Joris Bas Backer
Rund um die Eiche formieren sich unterschiedliche Lager: Menschen, die den Baum aus ökologischer Überzeugung oder als Mahnmal erhalten wollen, stehen jenen gegenüber, die ihn – und mit ihm die belastete Geschichte – lieber aus dem öffentlichen Raum tilgen möchten. Zwischen Gedenken und Verdrängung, moralischer Verpflichtung und dem Wunsch nach einem Schlussstrich verschwimmen die Grenzen. Ob aus der Konfrontation ein gemeinsamer Umgang mit der Vergangenheit entstehen kann, bleibt offen.
Mit "Baumschatten" (Amazon-Affiliate-Link ) knüpft Joris Bas Backer an die Themen an, die bereits seinen Comicroman "Küsse für Jet" prägten: Identität, Zugehörigkeit und das Ringen um Selbstverortung in einer komplexen Gesellschaft. Am 27. Februar wird das Buch um 19.30 Uhr in der Berliner Buchhandlung Modern Graphics in Anwesenheit des Autors vorgestellt; die Moderation übernimmt Caroline Ring.
Backer, 1981 in den Niederlanden geboren, lebt und arbeitet als Comiczeichner und Illustrator in Berlin. Nach Stationen in Bukarest, New York und Oegstgeest schloss er 2003 sein Studium der Freien Kunst an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam ab und zog anschließend in die deutsche Hauptstadt. 2018 veröffentlichte er gemeinsam mit Nettmann die Cartoonsammlung "Familienjuwelen". Sein Debüt "Küsse für Jet" (2020) erzählt autofiktional vom Erwachsenwerden in den 1990er Jahren und von der Suche nach geschlechtlicher Identität. Kurzcomics von Backer wurden unter anderem für den Plastieken Plunk (Belgien, 2021) sowie den GINCO Award (Deutschland, 2022) nominiert. (dd/pm)
Joris Bas Backer: Baumschatten. Aus dem Englischen von Christoph Schuler. 272 Seiten. Edition Moderne. Zürich 2026. Taschenbuch: 26 € (ISBN 978-3-03731-290-2)
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