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Heimkino
Ein mutiger Arzt und seine erste trans Patientin
Die japanische Netflix-Produktion "This is I" erzählt die Lebensgeschichte der trans Sängerin Haruna Ai und ist gleichzeitig eine Hommage an ihren Chirurg Koji Wada. Dieser half trans Menschen, als solche Operationen in Japan noch illegal waren.

Haruki Mochizuki als Haruna Ai in "This is I" (Bild: Kim Jeongwan / Netflix)
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21. Februar 2026, 12:21h 5 Min.
Die Rechtslage in Japan bleibt schwierig für queere Menschen. Obwohl inzwischen diverse progressive Gerichtsurteile Fortschritte anmahnen, bewegt sich die Politik kaum. Dabei unterstützen rund zwei Drittel der Bevölkerung in Umfragen die gleichgeschlechtliche Ehe. Der Zuspruch für trans Menschen ist allerdings deutlich geringer, hat sogar eher abgenommen – wie in letzter Zeit an so vielen Orten der Welt.
Ein Film wie "This is I" ist deshalb durchaus ein positives Signal. Die japanische Netflix-Produktion erzählt die wahre Geschichte der trans Sängerin Haruna Ai (53) und ihres mitfühlenden, mutigen Chirurgen Koji Wada (1953-2007) – und zwar so, dass die Sympathien des Publikums unweigerlich bei den beiden Hauptfiguren liegen, die sich gegen zahlreiche gesellschaftliche und rechtliche Hürden behaupten müssen.
Chirurg hilft trotz Karriererisiko

Poster zum Film: "This is I" kann seit 10. Februar 2026 auf Netflix gestreamt werden
Die erste offiziell legale Geschlechtsanpassungs-Operation in Japan fand 1998 statt; Koji Wada operierte Haruna Ai bereits 1995, riskierte damit seine berufliche Karriere und wurde gleichzeitig zu einer Art Pionier für diese Eingriffe im ostasiatischen Inselstaat. Insgesamt half er damit rund 600 trans Menschen, geriet jedoch 2002 nach dem Tod eines Patienten auf dem Operationstisch in den Fokus der Behörden, wovon er sich laut dem Film nie wieder richtig erholte.
"This is I" beginnt 2009 im thailändischen Pattaya, wo Haruna Ai (Haruki Mochizuki) am internationalen transgender Schönheitswettbewerb "Miss International Queen" teilnimmt – ihr Sieg als erste Teilnehmerin aus Japan verschaffte ihr dann auch in der Heimat endlich jene Prominenz, die sie sich immer ersehnt hatte (queer.de berichtete). Doch zuvor erzählt der Film als Rückblick ihre Geschichte.
Gnadenlos gemobbt und verspottet
Geboren 1972, ist schon früh klar, dass dieser vermeintliche Junge anders ist als die anderen. Bereits als Kind träumt Ai davon, einmal ein "Idol" zu werden, die in Asien übliche Bezeichnung für einen von zahllosen Fans umschwärmten Popstar. Später im Teenageralter wird sie in der Schule gnadenlos gemobbt und als "Tunte" verspottet, weil sie "zu wenig männlich" rüberkommt.
Die erste Rettung erscheint in Form eines queeren Nachtclubs, den Haruna Ai entdeckt, als sie heimlich einer spektakulär gekleideten trans Frau folgt (gespielt von der trans Sängerin und Schauspielerin Nakamura Ataru), die sie zufälligerweise auf der Straße sieht. Diese singt dort mit anderen zusammen auf einer Bühne, und Haruna Ai ist klar: Genau das will sie auch. Sie überzeugt das Team sie aufzunehmen. Und dann kommt die zweite Rettung, als eines Abends der Chirurg Koji Wada (Takumi Saitoh) im Nachtclub auftaucht und von ihrem Auftritt zutiefst fasziniert ist.
Wada ringt schon länger damit, dass er nicht einfach nur das Leben von schwer entstellten Patient*innen retten will, sondern ihnen darüber hinaus helfen, damit dieses Leben trotz allem auch ein erfülltes sein kann. Und ihm ist rasch klar, dass dies bei Ai nur durch eine Operation möglich ist – eine Operation, die gleich doppelt riskant ist: Einerseits rechtlich, weil solche Eingriffe in Japan zu dieser Zeit noch illegal sind, andererseits gesundheitlich, weil er selbst sowas zuvor noch nie gemacht hat. Dennoch entscheiden er und Ai schließlich, das Wagnis einzugehen.
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Pionierarbeit für Japans queere Gemeinschaft
"This is I" lebt stark von der Beziehung zwischen diesen beiden mutigen Menschen, die sich gegen diverse Widerstände durchsetzen müssen und beide in gewisser Weise Pionierarbeit für Japans queere Gemeinschaft leisten. Die Nebenfiguren sind dabei trotz der beachtlichen Filmlänge von über zwei Stunden eher oberflächlich gezeichnet – seien es nun Ais Eltern und ihre Auseinandersetzung mit der Entwicklung ihres Kindes, Ais Wahlfamilie im Club oder ihr temporärer Boyfriend, der sich schon vor der Operation in sie verliebt und mit der Situation besser klarzukommen scheint als Ai selbst.
Obwohl der Film eher als Drama daherkommt, gibt es gelegentlich überraschende, bunte Musical- und Tanzeinlagen, die wohl Ais inneres Leben zum Ausdruck bringen sollen, aber stilistisch nicht so recht zum Rest passen wollen. Dennoch lohnt sich "This is I" wegen des bemerkenswerten realen Hintergrunds – und wegen Haruki Mochizukis durchwegs überzeugender, berührender Darstellung von Ai. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war er gerade mal 17 Jahre alt.
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"Die Herzen der Menschen berühren"
Sein älterer und viel erfahrener Co-Star Takumi Saitoh erzählte bei einem Auftritt in Japan, dass er den Film vor der offiziellen Veröffentlichung gemeinsam mit Haruna Ai, ihrer Mutter und Angehörigen von Koji Wada gesehen hat: "Beide Familien waren danach zu Tränen gerührt und umarmten sich. Bevor ihn nun die ganze Welt sehen kann, hat er meiner Meinung nach bereits die Menschen erreicht, die er am meisten erreichen sollte." Saitoh betonte, der Film erzähle nicht nur die Geschichte von Haruna Ai, "sondern auch die Geschichte eines Mannes, dessen Traum es ist, sie bei der Verwirklichung ihres Traums zu unterstützen. Ich hoffe, dass er die Herzen aller Menschen tief berührt."
Sollte dies auch in Japan selbst gelingen und damit vielleicht gar die Haltung gegenüber trans Menschen positiv beeinflussen, hätten Ai und Wada dieser Gemeinschaft viele Jahre später nochmals einen weiteren Dienst erwiesen.
This is I. Biopic. Japan 2026. Regie: Yusaku Matsumoto. Cast: Haruki Mochizuki, Takumi Saitoh, Tae Kimura, Seiji Chihara, Shido Nakamura, Yumi Suenari, Ataru Nakamura. Laufzeit: 129 Minuten. Sprachen: japanische Originalfassung, deutsche Synchronfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Seit 10. Februar 2026 bei Netflix
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