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Berlin-Monitor
Jede*r fünfte Berliner*in findet es "ekelhaft", wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe stellte am Montag den neuen Berlin-Monitor vor. Demnach sind queerfeindliche Einstellungen zurückgegangen, aber immer noch besorgniserregend.

Symbolbild: Zwei Männer küssen sich auf dem CSD Berlin (Bild: IMAGO / Müller-Stauffenberg)
- 23. Februar 2026, 13:34h 3 Min.
20 Prozent der Berliner Bevölkerung finden es "ekelhaft", wenn sich Lesben und Schwule in der Öffentlichkeit küssen. 19 Prozent halten Transgeschlechtlichkeit für eine "Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung". Das geht aus dem neuen Berlin-Monitor (PDF) hervor, den Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) am Montag vorstellte.
Gegenüber dem letzten Berlin-Monitor aus dem Jahr 2023 bedeuten diese Zahlen einen deutlichen Rückgang. Nach wie vor sind jedoch deutlich mehr Männer als Frauen queerfeindlich eingestellt.
Queers weit unten in der sozialen Hierarchie
"7 Prozent der Berliner:innen lehnen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt vollständig und überzeugt ab; weitere 29 Prozent zeigen partielle Ablehnung", heißt es im Berlin-Monitor 2025. "Es sind insbesondere die mittleren Alterskohorten die hohe Zustimmungswerte aufweisen, in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen und der Gruppe der 35- bis 50-Jährigen. Transfeindlichkeit, Antifeminismus und Sexismus sind aber auch in der jüngsten Altersgruppe zu einem nicht unerheblichen Anteil verbreitet."
Zu den Triebkräften für Queerfeindlichkeit heißt es in der Studie: "Im Hinblick auf die Ablehnung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt handelt es sich also eine Hierarchisierung, bei der Homosexuelle, transgeschlechtliche Menschen, Feministinnen und Frauen weit unten in der sozialen Hierarchie angesiedelt werden. Dort sollen sie nach dem Ermessen der Befragten mit sozialer Dominanzorientierung auch bleiben. Daran schließen Debatten darüber an, dass queere Menschen zu viel Aufhebens um sich und ihre Sichtbarkeit machen oder dass der Platz der Frauen der Herd ist, nicht die Öffentlichkeit oder ein Beruf."
Zustimmung zur Demokratie nimmt ab
Die repräsentative Befragung ergab darüber hinaus, dass zwar nach wie vor eine große Mehrheit hinter dem demokratischen System steht, die Zustimmung jedoch bröckelt und die Skepsis zunimmt. Insgesamt empfinden 86 Prozent die Demokratie als das politische System, das am besten zu der deutschen Gesellschaft passt. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Befragungen 2019.
Gleichzeitig befürworten 40 Prozent neben der Demokratie auch antidemokratische Systemalternativen wie einen starken Führer, ein Einparteiensystem oder eine Diktatur. Sie werden daher von den Autor*innen der Studie als "fragile Demokraten" eingestuft. Lediglich 62 Prozent der Befragten, also knapp zwei Drittel, sind laut Umfrage mit der in Deutschland existierenden Demokratieform alles in allem zufrieden. In früheren Befragungen war dieser Wert höher.
Im Zuge des Berlin-Monitors befragen Wissenschaftler*innen seit 2019 alle zwei Jahre rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Berliner*innen nach ihren politischen und gesellschaftlichen Einstellungen. Zu den Ergebnissen der aktuellen Erhebung gehört auch, dass in der Bevölkerung antisemitische und antiziganistische Denkmuster weit verbreitet sind.
Grüne: Weltoffene Stadt steht "auf der Kippe"
Für die Grünen steht Berlin als weltoffene Metropole "auf der Kippe". "Die hohe Ablehnung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Berlin muss uns alle besorgen", heißt es einer Pressemitteilung der grünen Abgeordnetenhaus-Fraktion zum Berlin-Monitor 2025. "Transfeindlichkeit, Antifeminismus und Sexismus werden zunehmend zur Brückenideologie Richtung Rechtsextremismus. All das gefährdet zunehmend die Vielfalt und das friedliche Zusammenleben in der Stadt der Freiheit." Oberste Aufgabe der Politik müsse es nun sein, "der Mehrheit der soliden Demokrat*innen dieser Stadt den Rücken zu stärken sowie Diskriminierung und Ressentiments zusammen mit der Berliner Zivilgesellschaft aktiv zu bekämpfen". (mize)
Links zum Thema:
» Der Berlin-Monitor 2025 als PDF













