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Bayern
Günzburger AfD-Politiker attackiert Queer-Treff und liefert fragwürdige Begründungen
Der Günzburger AfD-Landratskandidat Gerd Mannes empört sich in einem Video über ein queeres Jugendcafé – und stellt dabei Zusammenhänge her, die faktisch nicht existieren.

Gerd Mannes ist seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtags. Nun will er Landrat des Landkreises Günzburg werden (Bild: IMAGO / Rolf Poss)
- 25. Februar 2026, 04:23h 3 Min.
In einem kurzen Video, das der Günzburger AfD-Landratskandidat Gerd Mannes auf seinem Facebook- und Instagram-Kanal veröffentlicht hat, empört er sich über ein queeres Café für Jugendliche in der bayerischen Stadt. Er "halte nichts davon", erklärt Mannes, der seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtags ist. Er betont, ihm gehe es in seiner Politik um "ganz normale konservative Jugendliche". Diese sollten sich seiner Ansicht nach "auch irgendwo treffen können", was "derzeit offensichtlich nicht möglich" sei.
Mit dieser Aussage erweckt Mannes den Eindruck, das "Queer Café", das im ehrenamtlich betriebenen "Café im Rosengässchen" jeden ersten Dienstag im Monat stattfindet, würde nicht queeren Jugendlichen sämtliche Treffpunkte im Landkreis streitig machen. Tatsächlich handelt es sich um ein einziges monatliches Angebot, das weder exklusive Zutrittsregeln hat noch andere Jugendtreffs verdrängt.
Das "Café im Rosengässchen" weist die Darstellung entschieden zurück
In einer Stellungnahme des Cafés heißt es: "Herr Mannes, bitte erst informieren, dann posten. Offensichtlich kennen Sie nicht mal das Café, von dem Sie sprechen. Denn dort ist immer Freitag und Sonntag geöffnet. Selbstverständlich für jede und jeden, die und der demokratisch denkt. Auch über junge Gäste freuen wir uns sehr."
Zugleich betont das Team, dass der queere Treff lediglich einmal im Monat stattfindet – zusätzlich zum regulären offenen Betrieb. Und das übrigens nicht erst seit Kurzem: Das Angebot existiert bereits seit Längerem, es handelt sich also keineswegs um ein neues Café in Günzburg.
Dass Mannes das Thema nun aufgreift, dürfte auch mit dem laufenden Kommunalwahlkampf zusammenhängen: Am 8. März wird im Landkreis Günzburg ein neuer Landrat gewählt, und Mannes bewirbt sich für das Amt. Seine Kritik wirkt daher wie ein Versuch, im Wahlkampf Aufmerksamkeit zu erzeugen und bestimmte Wähler*innen-Gruppen anzusprechen.
Ein Blick auf die Faktenlage zeigt ein völlig anderes Bild
Doch zurück zu seinem "Angriffspunkt": Der Landkreis verfügt de facto über zahlreiche Jugendräume, Sportvereine, kirchliche Gruppen und kommunale Angebote, die wöchentlich stattfinden und allen Jugendlichen offenstehen. Engpässe sind nicht bekannt. Dass ausgerechnet ein monatliches Treffen für queere Jugendliche – eine Gruppe, die im ländlichen Raum oft kaum geschützte Räume findet – als angebliche Bedrohung für "konservative Jugendliche" dargestellt wird, entbehrt jeder Grundlage.
Am Ende seines Videos schlägt Mannes schließlich einen Schwenk zur Wirtschaftspolitik. "Und vor allem müssen diese Jugendlichen auch eine gute berufliche und finanzielle Zukunft haben", sagt er. Die AfD werde sich darum kümmern, fügt er an – verbunden mit einem erneuten Aufruf, seine Partei zu wählen.
Unklarer Themenwechsel am Ende des Videos
Was die berufliche und finanzielle Zukunft junger Menschen mit einem einmal monatlich stattfindenden queeren Treffpunkt zu tun haben soll, bleibt in dem Video allerdings offen. Eine inhaltliche Verbindung stellt Mannes nicht her. Auch in den Kommentaren unter seinem Beitrag wundern sich mehrere Nutzer*innen über den abrupten Themenwechsel.
Festzuhalten bleibt: Das "Queer Café" ist ein niedrigschwelliges, ehrenamtliches Angebot, das niemandem Raum wegnimmt, niemanden ausschließt und keinerlei Einfluss auf die beruflichen Perspektiven von Jugendlichen hat. Die von Mannes gezogenen Zusammenhänge sind an den Haaren herbeigezogen.
Links zum Thema:
» Das "Queer Café Günzburg" auf Instagram















