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- 04. Oktober 2006 3 Min.
Der Skandal um den Abgeordneten Mark Foley gefährdet die Wahlchancen seiner Republikaner.
Von Dennis Klein
Ein Sex-Skandal verhagelt den US-Republikanern derzeit den Wahlkampf: Der 52-jährige Kongressabgeordnete Mark Foley aus Palm Beach war letzte Woche bei einem Sex-Chat mit einem 16-jährigen Kongressboten erwischt worden (queer.de berichtete). In dem freizügigen Gespräch ging es um unter anderem um die Onanie-Gewohnheiten des Jungen. Foley forderte ihn darin auf, seine "einäugige Schlange" anzufassen.
Foley: "Bin schwul und wurde misshandelt"
Gleich nachdem die Meldung publik geworden war, trat der Politiker zurück. Nun hat er auch noch in einer Pressekonferenz über seinen Rechtsanwalt mitteilen lassen, dass er homosexuell ist. "Er will Sie wissen lassen, dass er ein schwuler Mann ist", erklärte David Roth. Außerdem sagte der Anwalt, dass Foley selbst im Alter von 13 bis 15 Jahren von einem Pfarrer misshandelt worden sei. Dadurch habe der Politiker heute noch psychologische Probleme. "Wie Experten mir bestätigt haben, kann die Kombination eines derartigen Traumas mit dem Konsum von Alkohol zu unangebrachtem Verhalten führen, für das Herr Foley natürlich die Verantwortung übernimmt", erklärte Roth. Er stellte jedoch klar, dass der Kongressabgeordnete nie Sex mit einem Jugendlichen gehabt habe - obgleich er in von "ABC News" veröffentlichten Chat-Protokollen einen Jugendlichen dazu aufforderte, zu ihm zu kommen und Alkohol zu trinken.
Foleys Chat-Geschichte wäre sicherlich nicht so schädlich für die Partei, wäre Foley nicht selbst ein großer Moralapostel republikanischen Stils - und dazu noch lange Jahre der Vize-Fraktionschef seiner Partei. Während der gescheiterten Clinton-Amtsenthebung gehörte er zu den lautesten Kritikern des "umoralischen" Präsidenten. Zudem schrieb er sich den Kampf gegen Pädophilie auf die Fahnen - und warnte selbst wiederholt vor den Gefahren für Kinder und Jugendliche im Internet. Bei einigen Homo-Themen zeigte er sich allerdings sanftmütiger: So war er einer der wenigen Republikaner, die gegen eine Verfassungsänderung stimmten, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definieren sollten. Das sei Angelegenheit der Staaten, argumentierte der Politiker.
Republikanische Mehrheit wackelt noch mehr
Die Affäre ist dabei keine Lokalposse, sondern zieht die Parteiführung selbst in den Strudel. Denn bereits vor einem Jahr wusste der republikanische Vorstand von Vorwürfen gegen Foley. Der hatte scheinbar seit Jahren mit Unter-18-Jährigen rege gechattet - und nicht nur über das Wetter. Vor über einem Jahr war dann die Beschwerde eines 16-jährigen Jungen eingegangen, wurde nun zugegeben. Doch Kongress-Präsident Dennis Hastert, der mächtigste Republikaner im Repräsentantenhaus, kehrte die Angelegenheit unter den Tisch - deshalb fordert die Opposition lautstark seinen Rücktritt. Und das zu einer Unzeit: Nächsten Monat wird ein neues Repräsentantenhaus gewählt, außerdem müssen sich ein Drittel der Senatoren dem Volk stellen - und in beiden Kammern wackelt die Mehrheit, die sich seit 1994 fest in der Hand der Bush-Partei befindet. Bei der Parteibasis, evangelikalen Christen aus der Provinz, hat in den letzten Wochen ohnehin schon die Kritik zugenommen, da die Republikaner ihrer Meinung nach nicht hart genug gegen Abtreibung und Homosexualität vorgingen.
Die Partei versucht nun, den Schaden zu begrenzen - sie schließt hinter dem geschassten Mann aus Florida die Reihen. Präsident George W. Bush selbst bezeichnete die Taten seines Parteifreundes schlicht als "ekelerregend" und stärkte Kongress-Sprecher Hastert den Rücken. Kritik kommt aber sogar von den bushtreuen konservativen Kommenatoren - und die sind sonst nicht zimperlich, zum Beispiel beharren sie drauf, dass im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien. Selbst die regierungstreue "Washington Post" folgte in Folge der Affäre den Rücktritt von Dennis Hastert, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Einfacher machte es sich die Sendung "The O'Reilly Factor" im Republikaner-Kanal "Fox News Channel". Die Krawall-Show, die dem Sender über Jahren die höchsten Einschaltquoten sicherte, bezeichnete den Politiker kurzerhand als Demokraten.
4. Oktober 2006










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