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Hegseth-Ankündigung
USA: Pfadfinder erkennen trans Personen nicht mehr an
Um die Unterstützung des Verteidigungsministeriums nicht zu verlieren, hat Scouting America laut der Regierung einer Vereinbarung zugestimmt, wonach die Organisation DEI-Programme einschränkt und Mitglieder nach ihrem "Geschlecht bei Geburt" behandle.

Der frühere Soldat und Fox-News-Moderator Pete Hegseth baut das von ihm geführte Pentagon im Sinne der Trump-Regierung um (Bild: Screenshot)
- 28. Februar 2026, 10:49h 3 Min.
Das US-Verteidigungsministerium unter Leitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth hat eine umstrittene Vereinbarung mit Scouting America – der neu benannten Nachfolgeorganisation der früheren Boy Scouts of America – bekanntgegeben, die inklusive Richtlinien für trans Jugendliche und Programme zur Förderung von Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zurückfahren soll. Hegseth hatte mehrfach mit einem Stopp der jahrzehntelangen Kooperation zwischen dem Pentagon und den Pfadfindern – einschließlich Zugang zu Militärstützpunkten und logistischer Unterstützung – gedroht, sollten die Scouts nicht seinen Bedingungen zustimmen.
Teil der Vereinbarung ist die verpflichtende Rückkehr zu Regeln, die auf dem "biologischen Geschlecht bei der Geburt" basieren: Auf Bewerbungsformularen sollen künftig nur männlich und weiblich als Kategorien stehen, und diese müssen mit dem Eintrag auf der Geburtsurkunde übereinstimmen. Das bedeutet praktisch, dass trans Jugendliche nicht mehr entsprechend ihrer Geschlechtsidentität teilnehmen können. Zudem sollen Jungen und Mädchen nach biologischem Geschlecht getrennte Sanitär- und Unterbringungsbereiche nutzen.
Hegseth bezeichnete in einem sechsminütigen Video zu der Vereinbarung auf X inklusive DEI-Programme als "verwirrend" und Teil einer "radikalen Woke-Ideologie", die anti-amerikanisch sei. Die Organisation habe ihren Weg verloren und den "Focus auf Gott als Beherrscher des Universums" verwässert. "Sie haben selbst den zerstörerischen Mythos der Geschlechterfluidität und des Transgenderismus, der ihre Mitgliedschaft infiltriert, willkommen geheißen."
Kommt ein Mädchen-Ausschluss?
Im Januar hatte Hegseth bei einem Treffen mit der Führung der Pfadfinder*innen unter anderem eine Rückbenennung in "Boy Scouts" und den praktischen Ausschluss von rund 200.000 Mädchen gefordert. "Idealerweise sollten die Boy Scouts wieder zu dem werden, was sie ursprünglich waren: eine Gruppe, die Jungen zu Männern erzieht", sagte Hegseth in dem Video. "Vielleicht eines Tages."
/ SecWarThe Department of War has officially put Scouting America on notice.
Secretary of War Pete Hegseth (@SecWar) February 27, 2026
Its time to get back to basics and DoW is leading the charge. pic.twitter.com/EnY9mvaFLX
Nun scheint die Organisation einen Kompromiss eingegangen zu sein, die das verhindert, der queerfeindlichen Politik der Trump-Regierung aber folgt. Die Erfüllung der Vereinbarung soll innerhalb von sechs Monaten evaluiert werden. Die Umsetzung durch die Scouts blieb zunächst unklar. In einem Interview mit dem Sender NPR versuchte Scouting-Chef Roger Krone, die Änderungen herunterzuspielen. Die Mitgliedsformulare blieben zweigeschlechtlich wie sie sind und man habe, auch als Reaktion auf einen Skandal um sexuellen Missbrauch, eine Praxis, nach Geschlechsinformationen zu fragen, so dass man wisse, wie man etwa in Fragen von Zelten oder Badezimmern vorgehen solle.
In der Übereinkunft verzichtet Scouting America zudem unter anderem auf das "Citizenship in Society"-Abzeichen, das früher das Verständnis für Vielfalt und ethische Führung fördern sollte, und führt stattdessen ein Abzeichen für militärischen Dienst ein. Außerdem werden für Kinder aktiver Militärangehöriger keine Teilnahmegebühren erhoben.
Scouts lange nicht progressiv
Die Boy Scouts hatten 2013 ein Mitgliedsverbot für schwule Jugendliche aufgehoben (queer.de berichtete), seit 2015 können Schwule auch Gruppenleiter werden (queer.de berichtete). 2017 ermöglichte die Organisation die Teilnahme von trans Jungen (queer.de berichtete). In den folgenden Jahren wurden auch Mädchen umfassend in die Programme integriert, was 2024 im neuen Namen Scouting America gipfelte. Diese inklusiven Reformen hatten wiederholt zu Spannungen mit konservativen Kräften geführt, auch unter ehemaligen Mitgliedern.
Die Vereinbarung ist ein weiterer kleiner Teil des peniblen Vorgehens der Trump-Regierung gegen DEI-Programme oder die Anerkennung von trans Personen. Hegseth setzte im letzten Jahr ein vom Präsidenten erlassenes Dekret zum Ausschluss von trans Personen aus dem Militär um (queer.de berichtete). Auch benannte er unter anderem ein Kriegsschiff um, das den Namen des schwulen Politikers Harvey Milk trug (queer.de berichtete), oder bestrafte einen Admiral, weil er eine Dragshow auf einem Kriegsschiff erlaubt hatte (queer.de berichtete). (cw)














