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Das neue Anti-Choice-Bündnis

Transfeind*­innen schießen sich auf Leih­mutter­schaft ein

Aktivistinnen, die sich als Teil der Frauenbewegung sehen, kooperieren bei einer Tagung gegen Leihmutterschaft mit frauenfeindlichen Abtreibungsgegner*innen. Zu den Referent*ìnnen gehört auch die queerfeindliche Publizistin Birgit Kelle.


Archivbild: Birgit Kelle als Rednerin bei einer Kundgebung der "Frauenheldinnen" im September 2025 in Münster (Bild: ls)
  • 28. Februar 2026, 13:02h 3 Min.

Die Abtreibungsgegner*innen der "Aktion Lebensrecht für alle" (ALfA) organisieren für den 6. März 2026 in Berlin einen Kongress "Kinder und Kommerz" gegen Leihmutterschaft. ALfA ist Mitglied im antifeministischen "Bundesverband Lebensrecht", der die jährlichen "Märsche für das Leben" von Abtreibungsgegner*innen und christlichen Fundamentalist*innen in Berlin und Köln organisiert.

Zu den Referent*innen auf der Tagung gehören u. a. der Wiener Rechtsanwalt Felix Böllmann von der christlich-fundamentalistischen Organisation "Alliance Defending Freedom (ADF)" sowie die queerfeindliche Publizistun Birgit Kelle. Böllmanns Organisation unterstützte in der Vergangenheit selbsternannte Lebensschützer*innen genauso wie transfeindliche Akteur*innen bei Rechtsstreitigkeiten. Kelle wiederum ist durch ihre Beiträge für das rechte Online-Medium "Nius", ihre antifeministischen Bücher ("Dann mach doch die Bluse zu. Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn", "Gender Gaga") und als Rednerin beim Münchner "Marsch fürs Leben" bekannt. "Die Zahl angeblicher Transkinder explodiert weltweit", behauptete Kelle 2021 in einem Gastbeitrag für die "NZZ". Die Unterstützung von trans Jugendlichen bezeichnete Kelle in ihrem Artikel als "Körperverletzung", darüber hinaus kritisierte sie das Verbot sogenannter Konversionstherapien als "Kriminalisierung einer adäquaten therapeutischen Begleitung" (queer.de berichtete).

Teile des Kongresses gegen Leihmutterschaft soll Ludwig Brühl moderieren, unter anderem Autor der rechten, katholischen Plattform "Corrigenda". Auf dem Programm der Berliner Tagung steht aber auch ein Vortrag von Eva Engelken. Die Terf-Aktivistin ist Vorsitzende des sich als feministisch verstehenden Vereins "Frauenheldinnen". 2022 veröffentlichte sie das Buch "Trans*innen? Nein, danke!: Warum wir Frauen einzigartig sind und bleiben".

Erst gemeinsam gegen trans Rechte, jetzt gegen Leihmutterschaft

Damit wiederholt sich nun beim Thema "Leihmutterschaft" eine Entwicklung, die man in den letzten Jahren bei transfeindlicher Politik beobachten konnte: Es kommen Akteur*innen zusammen, die bei anderen Themen der reproduktiven und sexuellen Selbstbestimmung – beispielsweise beim Thema Schwangerschaftsabbruch – weit auseinanderliegen.

Im September 2025 hatten die "frauenbewegten" Akteur*innen aus Eva Engelkens Verein "Frauenheldinnen" beispielsweise eine Kundgebung vor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Münster gegen eine vermeintliche "Transmedizin" veranstaltet (queer.de berichtete). Als Rednerin für ihre Versammlung luden sie auch die antifeministische Autorin Birgit Kelle ein. Eineinhalb Monate später verliehen die "Frauenheldinnen" bei ihrem "Heroica"-Kongress in Siegburg ihren "Frauenheldinnenpreis" an Kelle – für deren Buch "Ich kauf mir ein Kind – Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft".

Für ihre "Heroica"-Konferenz kooperierten die "Frauenheldinnen" auch mit der rechten "Stiftung für Familienwerte". Geschäftsführerin der Stiftung ist Sylvia Pantel, zugleich prominente Akteurin der rechten Kleinstpartei "Werteunion" – und überzeugte Abtreibungsgegnerin. Die "Stiftung für Familienwerte" hatte den "Marsch für das Leben" im September 2025 in Köln unterstützt.

Die neue Allianz stößt auf Zustimmung

Diese Zusammenarbeit wird in beiden Lagern geschätzt und gestützt. Nur selten kommt es zu Diskussionen, welcher Preis für die Zusammenarbeit mit den neuen Bündispartner*innen gezahlt werden soll. Lediglich, dass die "Frauenheldinnen" auch noch die rechte Influencerin Anabel Schunke als "beste Journalistin 2025" auszeichneten, sorgte innerhalb transfeindlicher Strukturen teilweise noch für Kritik. Auf X hatte Schunke Ende letzten Jahres in einem rassistischen Post vorgerechnet, wie sich der "Anteil weißer Menschen in der globalen Bevölkerung" bis 2050 verringern würde.

In Großbritannien scheinen diese Zusammenschlüsse schon anerkannter zu sein: Auf der "Heroica" sind laut einem Nachbericht für das deutsche Blog "Ruhrbarone" auch britische Transfeind*innen zu Wort gekommen – "auch wenn manchmal unliebsame Allianzen mit rechten Gruppierungen gebildet werden müssten, werden die Entwicklungen in Großbritannien von den Frauen als sehr positiv eingeschätzt". (ls)

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