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Ausstellungstipp

Stadt und Körper: Klara Lidén im KW Berlin

Auf drei Etagen zeigt das KW Institute for Contemporary Art in Berlin noch bis zum 10. Mai 2026 unter dem Titel "Kunstwerke" die erste umfassende Überblicksschau der queeren schwedischen Performance-Künstlerin Klara Lidén.


Klara Lidén, Self Portrait with Keys to the City, 2005 (Bild: Courtesy the artist)
  • Von Lorina Speder
    1. März 2026, 13:15h 3 Min.

Hohe Regale, vollgestopft mit Hausrat – Taschen, ein Vinylplayer, Schuhe, Kisten. Am Anfang der ersten institutionellen Einzelausstellung in Berlin der schwedischen Künstlerin Klara Lidén im KW Institute for Contemporary Art sieht man, was im Jahr 2007 alles in ihr 30-Quadratmeter-Apartment in Stockholm gepasst hat, bevor sie in die deutsche Hauptstadt kam. Zwischen sich stapelnden Kühlschränken, dem Herd und weiteren Kisten der Installation "Unheimlich Manöver" laufen drei Videoarbeiten der queeren Performance-Künstlerin, deren Werk die Architektur von Städten in Kunst-Aktionen im öffentlichen Raum, Performance und Installation in Frage stellt.

Der Anfang ihrer Berliner Ausstellung "Kunstwerke" befasst sich mit dem privaten Innenraum – sowohl im Ursprung der Installation, die alle Gegenstände eines Wohnraums umfasst, als auch in den Videoarbeiten, in denen man die Künstlerin in Wohnräumen sieht. Sei es mit einem Fahrrad, auf das sie in einem Raum mit Laminatboden mal elegant, mal kräftig mit einer Stahlstange einschlägt, bis es sich langsam drahtig faltet und am Boden liegt.


Die Ausstellung "Klara Lidén – Kunstwerke" ist noch bis zum 10. Mai 2026 im KW Institute for Comtemporary Art in der Auguststraße 69 in Berlin-Mitte zu sehen (Bild: Frank Sperling)

Oder in der kleinen vollgestopften Küche, in der die Künstlerin von der Spüle hin zur direkten Konfrontation mit der Kamera wechselt und sich Backpfeifen gibt, während sie all die Dinge aufzählt, die sie doch eigentlich besser machen müsste. Wie auch die persönlichen Gegenstände mutet dieses Video wie eine Introspektive an – "ich habe Oma nicht besucht", "ich kann nicht einmal aufräumen" -, in der die äußeren Stimmen der Gesellschaft auf die Künstlerin eindreschen und sie sich an ihnen reibt. Die Ebene von Privatsphäre und Gewalt zuhause, die Lidén zusätzlich ineinander verschwimmen lässt, hinterfragt hier außerdem die Schutzwirkung von Wänden.

Die Künstlerin wird zum Störfaktor

In der restlichen Ausstellung, die im KW auf drei Etagen Lidéns Werk zeigt, wendet sich diese Perspektive: Die Künstlerin wird zum Störfaktor und zu der Stimme, an der sich die Stadt reibt. Zwischen rauen Objekten des urbanen Raums wie Bushaltestellen, aufeinandergestapelte Plakate, Mülleimer oder Leuchtreklamen, von denen die Künstlerin jegliche identifizierbaren Schriften und Symbole entnahm oder übermalte, sieht man Lidén in den Videoarbeiten größtenteils draußen oder in der Öffentlichkeit.

Dabei bekommt der Tanz eine besondere Rolle zugesprochen: Sie turnt und tanzt wie in einem Mix aus Volkstanz und Ballett in einem Bahn-Wagon zu wirbelnden Rock-'n'-Roll-Klängen in dem Video "Paralyzed" (2003) oder läuft 2018 in "Grounding" durch Manhattans Financial District, wobei sie immer wieder zu Boden fällt und sich wie in einem Guss wieder aufrichtet und weiterläuft.


Szene aus "Grounding" (Bild: Frank Sperling)

Lidéns Körper in Aktion

Neben aalglatter Architektur – der Boden ist eben, die Häuserfassaden verglast und so hoch, dass sie nicht in den Kameraraum passen – beinhaltet ihr fast Slapstick-artiges Fallen sowohl ein Augenzwinkern wie auch einen Moment der Ohnmacht inmitten überschattender Metropolenarchitektur. Ein Banner am Gebäude der Anfangseinstellung drückt es passend aus: "The Money, The Power, The History" – für Menschen ist hier nicht viel Platz, dafür umso mehr für kapitalistisches Interesse.

Die Videoarbeit "Warm-Up: State Hermitage Museum Theatre" von 2014 wiederum zeigt die Künstlerin unter Menschen. In einer Ballettprobe des Eremitage-Theaters in St. Petersburg sticht sie allein durch ihre burschikose Statur und androgynen Züge neben den dünnen, sanften und konformen Ballerinen hervor. Hier sieht man sie zwar in einem Raum, doch ist dieser durch Körpernormen und -vorgaben im klassischen Tanz streng definiert, so wie auch Städte und Gesellschaften Regeln befolgen. Ähnlich ihren anderen Arbeiten ist es wieder Lidéns Körper in Aktion, der diese Strenge durchbricht und hinterfragt.

-w-