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Kopfhörer, Gruppen, Bootszeiten
Neue Regeln auf Capri: Was Urlauber*innen wissen sollten
Immer mehr Urlaubsziele sagen Massentourismus den Kampf an, darunter auch der queere Sehnsuchtsort Capri. Auf der italienischen Insel gelten ab diesem Sommer zum Schutz der Bewohner*innen neue Regeln.
- 1. März 2026, 13:28h 4 Min.
Seit Jahrzehnten gilt die italienische Insel Capri als Traumreiseziel. Das hat aber seinen Preis. Zwar spült der Tourismus viel Geld in die Kassen vor Ort, wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt, ist man aber im Regelfall alles andere als ungestört. Um die Belastung für Bewohner*innen zu reduzieren, greifen in der Hochsaison in diesem Sommer – voraussichtlich ab dem Mai – neue Regelungen.
Unterschiedlichen Angaben zufolge leben auf Capri etwa 13.000 bis 14.000 Menschen, mehr als dreimal so viele Tourist*innen überschwemmen allerdings teils täglich die Insel. Jeden Tag gehen zehntausende Gäste an Land. Schätzungen nach sind es in der Hochsaison bis zu 50.000 Menschen täglich, die die Capri-Sonne genießen möchten. Mit den Besucher*innen-Massen gehen aber auch Probleme einher, darunter ein hohes Müllaufkommen, viel Lärm und Chaos.
Was wird dagegen unternommen?
Im Februar hat der Rat der Gemeinde Capri unter der Führung von Bürgermeister Paolo Falco laut italienischer Medien einstimmig in Zusammenarbeit mit der für den Tourismus zuständigen Melania Esposito beschlossen, dass es neuer Regelungen bedarf. Organisierte Gruppen von Tourist*innen dürfen demnach künftig eine Größe von 40 Mitgliedern nicht überschreiten, berichtet etwa Ilsole24ore.com.
Gruppen mit mehr als 20 Menschen, die mit einem Guide unterwegs sind, dürfen den Erklärungen zudem nur noch per Kopfhörer lauschen – Lautsprecher sind dann tabu. Außerdem dürfen Reiseführer*innen nur noch unauffällig auf sich aufmerksam machen und nicht mehr mit großen Regenschirmen, Fahnen oder dergleichen. Während der Führung müssen die Guides auf die Sicherheit der Teilnehmenden achten, und darauf, dass die Gruppe nicht zu viel Platz auf den Straßen einnimmt.
Dies soll im Sommer auch das Chaos bei An- und Abreise vermeiden. Falco hat laut "Euronews" zudem weitere Schritte angekündigt, um den Bootsverkehr zu regeln. Im Hafen Marina Grande auf Capri könne man etwa das Anlanden der Boote auf gewisse Zeiten beschränken. Noch ist allerdings nicht genau klar, welche dies sein könnten. Derzeit werde ein entsprechendes Vorgehen geprüft und noch "lange vor Beginn des Sommers" wolle man eine Lösung präsentieren.
Dresscode für Capri?
Passend zu den neuen Regelungen dürfte sich an der Kleiderordnung für Capri auch in den kommenden Monaten nichts ändern. Es gibt keinen klassischen Dresscode für einen Besuch der Insel, aber besondere Schuhe sind schon seit Langem unerwünscht. Bereits seit den 1950ern und 1960ern ist es untersagt, Holzschuhe beziehungsweise Clogs zu tragen. Diese würden auf dem Kopfsteinpflaster viel Lärm verursachen. Außerdem ist zu laute Musik untersagt. Damals war noch vom Radio die Rede, heutzutage sind natürlich auch das Smartphone und Bluetooth-Lautsprecher auf voller Lautstärke nicht gern gesehen.
Der lokale Handelsverband Ascom Confcommercio Capri hat sich Ilsole24ore.com zufolge positiv zu den Änderungen geäußert. Präsident Luciano Bersani sprach demnach von einem "ersten wichtigen Schritt", um gerade zu besonders betriebsamen Tageszeiten für Ordnung zu sorgen. Außerdem bestehe die Hoffnung auf weitere Initiativen. Lorenzo Coppola, Präsident des Tourismusverbands Federalberghi di Capri, sprach von einem "Akt der Verantwortung", der die Vision von einer "endlich lebenswerteren Insel" widerspiegele. Die neuen Regelungen seien "unverzichtbare Werkzeuge", um kritische Bereiche zu entlasten.
Treffpunkt für schwule Intellektuelle und Künstler
Capri gilt seit dem späten 19. Jahrhundert als einer der frühesten symbolischen Rückzugsorte der europäischen queeren Geschichte. In einer Zeit, in der Homosexualität in vielen Ländern kriminalisiert oder gesellschaftlich geächtet war, zog die Insel schwule Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle an, die hier eine vergleichsweise tolerante Atmosphäre vorfanden.
Persönlichkeiten wie Jacques d'Adelswärd-Fersen, der nach einem Skandal in Paris nach Capri übersiedelte und die Villa Lysis errichten ließ, oder der britische Autor Norman Douglas prägten den Mythos der Insel als queeren Sehnsuchtsort. (cw/spot)
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