https://queer.de/?57055
Buchtipp
Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte
In ihrem jetzt als Taschenbuch erschienenen Bestseller "Beklaute Frauen" legt Leonie Schöler offen, wie Denkerinnen, Forscherinnen und Pionierinnen systematisch aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurden.

Symbolbild: Leonie Schöler stellt in ihrem Bestseller unser Bild der vergangenen 200 Jahre grundlegend infrage und spürt den Machthierarchien und institutionellen Strukturen nach, die Frauen in der Wissenschaft, Kunst, Literatur, Politik und in vielen anderen Bereichen unsichtbar machten und machen (Bild: OpenAI)
- 3. März 2026, 11:19h 3 Min.
Muse, Sekretärin, Ehefrau – kaum eine Chiffre steht deutlicher für das systematische Verdrängen weiblicher Urheberschaft als diese Rollenbezeichnungen. In "Beklaute Frauen" rekonstruiert Leonie Schöler, wie Frauen über zwei Jahrhunderte hinweg aus Wissenschaft, Kunst, Literatur und Politik herausgeschrieben wurden. Ihr Zugriff ist dabei ebenso historisch wie strukturell: Es geht nicht allein um individuelle Biografien, sondern um Machtverhältnisse, institutionelle Ausschlüsse und tradierte Narrative, die bis in die Gegenwart fortwirken.
Schöler zeichnet die Lebenswege zahlreicher Denkerinnen, Forscherinnen und Pionierinnen nach, deren Leistungen Männern zugeschrieben, marginalisiert oder vollständig verschwiegen wurden. Dabei entsteht ein vielschichtiges Panorama weiblicher Erfahrungsgeschichte, das die gängige Fortschrittserzählung infrage stellt. Die Autorin zeigt, wie sehr das kulturelle Gedächtnis von Hierarchien geprägt ist – und wie selektiv es funktioniert.
Vergessene oder übergangene Protagonistinnen sichtbar machen

"Beklaute Frauen" ist SPIEGEL-Jahresbestseller und jetzt als Taschenbuch erschienen
"Beklaute Frauen" positioniert sich als Korrektiv zu einem Geschichtsbild, das noch immer von der Erzählung der "großen weißen Männer" dominiert wird. Schöler arbeitet heraus, wie antifeministische Denkmuster, fehlende Repräsentation und institutionelle Barrieren dazu beitragen, strukturelle Unsichtbarkeit zu reproduzieren. Ihre Analyse macht deutlich, dass es sich dabei nicht um historische Randphänomene handelt, sondern um wirkmächtige Kontinuitäten.
Zugleich ist das Buch eine Würdigung. Indem Schöler vergessene oder übergangene Protagonistinnen sichtbar macht, rückt sie diese als handelnde Subjekte der Geschichte in den Fokus. Die rekonstruierten Biografien erweitern das Verständnis davon, wer Wissen produziert, Kunst schafft oder politische Entwicklungen prägt. Geschichte erscheint so weniger als Abfolge singulärer Genies, sondern als Geflecht sozialer, oft konflikthafter Aushandlungsprozesse.
Die Neuausgabe ist mit einem aktuellen Vorwort der Autorin versehen. Farbig bedruckte Innenklappen, zahlreiche Abbildungen sowie ergänzende Infokästen vertiefen die biografischen und historischen Hintergründe und unterstreichen den dokumentarischen Anspruch des Bandes.

Autorin Leonie Schöler (Bild: Johanna Wittig)
Leonie Schöler, geboren 1993, ist Historikerin, Journalistin und Moderatorin. Auf ihren TikTok- und Instagram-Kanälen unter dem Namen @heeyleonie vermittelt sie Geschichtswissen und ordnet politische Entwicklungen ein. Als Redakteurin und Filmemacherin mit Schwerpunkt Webvideo war sie an verschiedenen funk-Produktionen beteiligt, darunter "Jäger und Sammler", "Y-Kollektiv" und "Auf Klo". Im Sommer 2021 erschien ihre Dokumentation über das System Tönnies für ZDFinfo, im Januar 2022 eine achtteilige Webvideoreihe zur Wannsee-Konferenz für das ZDF. Ab November 2022 moderierte sie in ihrer Rolle als Historikerin das ZDFinfo-YouTube-Format "Heureka".
"Beklaute Frauen (Amazon-Affiliate-Link )" wurde zum "Spiegel"-Jahresbestseller und erhielt 2024 den Bayern 2-Publikumspreis. Seit Januar 2025 schreibt Schöler die "Spiegel"-Kolumne "Hidden History". Auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht sie regelmäßig neue Videos, in denen sie historische Perspektiven mit Fragen der Gegenwart verknüpft. Leonie Schöler lebt in Berlin. (dd/pm)
Leonie Schöler: Beklaute Frauen. Sachbuch. 416 Seiten. Mit zahlreichen Abbildungen und Infokästen. Penguin Verlag. München 2026. Taschenbuch: 16 € (ISBN 978-3-328-11294-5). Gebundene Ausgabe: 23 €. E-Book: 14,99 €.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei amazon.de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.














